Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Mannheim sein Nationaltheater neu denkt: Ausstellung blickt hinter die Kulissen

Wie war das, als „Die Räuber“ von Schiller (hier als Büste) uraufgeführt wurden. Und was erwartet die Besucher nach dem Umbau de
Wie war das, als »Die Räuber« von Schiller (hier als Büste) uraufgeführt wurden. Und was erwartet die Besucher nach dem Umbau des Nationaltheaters? Eine Ausstellung plus Programm bespielt das Thalia.

Generalsanierung, Ausweichstätten, weite Wege: Wie wird aus der Großbaustelle das „modernste Theater Deutschlands“ und ein Ort für alle? Das zeigt die Ausstellung im Thalia.

Ein Zeitstrahl, von der Eröffnung im ursprünglichen Theaterhaus im B3 im Jahre 1777 über die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bis zur heutigen Großbaustelle am Goetheplatz ist dort abgebildet, wo im Thalia sonst die Kalender hängen. Rote Samtsessel, eine Schiller-Büste und ein Papp-Denker aus Hamlet sorgen für Theater-Eleganz. Brandneue Visualisierungen aber erzeugen auch eine Ahnung, wie sich das Nationaltheater (NTM) wandeln wird, was die Gäste voraussichtlich ab der Spielsaison 2028/29 erwartet. Ein offenes Haus, das sich nicht elitär und abgehoben hinterm Vorhang verstecken will, sondern durchlässig und nahbar sein möchte. Mit „Dein*Nationaltheater. Gestern – heute – übermorgen“ ist die mit einem Programm aus Lesungen, Künstlergesprächen und Walking Acts versehene Ausstellung betitelt.

„Braucht es so ein teures Theater?“

Denn die Baustelle am Goetheplatz, dieses „betwixt and between“, wie der Ritualforscher Victor Turner sagen würde, macht etwas mit den Mitarbeitern. Die Kosten steigen auf knapp 300 Millionen Euro; auch Kritik gibt es, ob es so ein teures Theater überhaupt braucht. Nicht zuletzt lästerte auch noch Hollywood-Schauspieler Timothée Chalamet über die heutige Bedeutung von Oper und Ballett und knabberte am Image der Hochkultur.

Das NTM hält mit knalligen Farben und modernen Inszenierungen schon lange dagegen. Und die kleine, kostenfreie Schau verdeutlicht noch einmal, warum die Transformation wohl zur rechten Zeit kommt, warum man sich gerade jetzt neu aufstellt. In einer Phase, in der sich die ganze Gesellschaft im Umbruch zu befinden scheint. „Zukunft beginnt dort, wo Räume geteilt werden“, heißt es gleich am Anfang der „autark funktionierenden“ Ausstellung, die von den NTM-Mitarbeiterinnen Nele Haller und Sophie Kara entworfen wurde.

„Mit der Generalsanierung haben wir unseren eigentlichen Ort verloren und müssen neue finden“, erklärt Tilmann Pröllochs, Geschäftsführender Intendant am Nationaltheater. Anhand einer Stadtkarte zeigt er, wo überall zerstreut das Theater seine Spielstätten hat. Zum einen hat das einen positiven Effekt, da so neue Räume an den Rändern der Stadt erschlossen werden. Auch neue Experimente werden gewagt, etwa ein Fastenbrechen im Opernhaus am Luisenpark Opal oder eine Übertitelung auf Türkisch. „Aber insgesamt wird in dieser Interimszeit unsere Gemeinschaftsleistung, der Austausch untereinander doch erschwert“, betont er.

Mannheims heißester Ort soll grüner werden

Die Schau wagt nun einen Blick hinter die vierte Wand. Welche Berufe stecken dahinter, was treibt die Mitarbeiter um, was wird alles geboten und warum ist die Generalsanierung notwendig? Welche Persönlichkeiten prägten das Theater, wie war das 1782, als Schillers „Die Räuber“ uraufgeführt wurde? Und wann floss zum ersten Mal Strom durch NTM-Adern, ab wann gab es künstliches Licht für das Bühnenbild?

„Die Schau ist der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewidmet“, sagt Christian Holtzhauer. Möglich wird das durch das bundesweite Förderprogramm „Übermorgen“ von welchem in Mannheim auch die Stadtbibliothek profitiert. „In unserem Spielhaus am Goetheplatz wird gebuddelt, geschraubt und gehämmert. Es soll wie schon bei der Wiedereröffnung 1957 das modernste Theater Deutschlands sein“, so der Schauspielintendant. Doch nicht nur technisch möchte man sich neu aufstellen. Die für Herbst 2028 anvisierte Rückkehr solle kein Rückzug sein.

Das Foyer wie auch ein Theatercafé sollen ganztägig geöffnet sein, der Goetheplatz – den Messungen nach Mannheims heißester Ort – vielmehr aktiviert und bespielt – und natürlich auch grüner werden. „Wir wollen ein dritter Ort für die Stadtgesellschaft sein und auch eine größere Durchlässigkeit haben, was das Zusammenspiel der einzelnen Sparten anbelangt“, erklärt Holtzhauer. An einer Station mit bunten Steinchen können die Theaterbesucher von Übermorgen zudem selbst ihr Theater der Zukunft aus Lego zusammenbauen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im 2. OG der Thalia-Buchhandlung (P7, 22) läuft bis 17. Mai und ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich. Das Programm umfasst unter anderem „Reading Hamlet“ am 28. März (15.30 Uhr), einen Walking Act mit Drag Queen Miss Sara Jevo am 23. April (16 Uhr) oder eine kostenpflichtige Lesung aus Emily Brontës „Sturmhöhe“ am 9. Mai (20.15 Uhr).

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