Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Ludwigshafens Müllwerker die Stadt vom Abfall befreien

Im Einsatz für Ludwigshafen: Adis Sheapi (38, links) und Sven Grimm (33).
Im Einsatz für Ludwigshafen: Adis Sheapi (38, links) und Sven Grimm (33).

Der Müll in Ludwigshafens Straßen ärgert viele Menschen. Jeden Morgen sind Müllwerker vom WBL unterwegs, um das zu beheben. Die RHEINPFALZ war bei einer ihrer Touren dabei.

Alles ist geschäftig um 6.30 Uhr auf dem Betriebshof des Wirtschaftsbetriebs Ludwigshafen (WBL) in Mundenheim, gleich neben der Hauptfeuerwache. Um diese Uhrzeit trudeln nämlich die Müllarbeiter ein. In ihr bekanntes Orange gekleidet gibt es noch mal letzte Kaffees, Klogänge und Gespräche mit Kollegen, bevor es mit dem eigenen Trupp hinaus geht. Ob Schneegestöber oder 40 Grad – sie sind da. Wenn sie mal nicht kommen, dann fällt das auf. Es ist ein „bunter Haufen“, wie der Teamleiter der Abfallentsorgung bei der WBL Mike Steckmaier (53) sagt. 30 Fahrer und 45 Müllwerker in allen Altersklassen und mit allen möglichen Hintergründen kommen jeden Morgen vor seiner Bürotür zusammen.

Seit 2003 beim WBL: Mike Steckmaier (53).
Seit 2003 beim WBL: Mike Steckmaier (53).

Lieber fahren oder laden?

Auch Sven Grimm (33), Adis Sheapi (38) und Remis Mohammad (27) stehen an einem kühlen Märzmorgen bereit. Sie sind einer der Trupps, die sich um das Altpapier kümmern – heute fahren sie in die Innenstadt. Auch wenn die Arbeit in der Müllsammlung kein Lehrberuf ist, wird schnell klar, wie viel Erfahrung notwendig ist, um dabei jeden Tag einen guten Job zu machen. Sven Grimm ist der Fahrer des eingespielten Teams. Früher war er, wie seine Kollegen es heute sind, sogenannter Lader, also derjenige, der Tonnen und loses Material vom Bordstein nimmt und hinten ins Fahrzeug lädt. „Aber das Fahren mag ich mehr“, sagt Grimm. „Es ist entspannter, und man ist nicht so dem Wetter ausgesetzt.“

Alles im Blick: Sven Grimm (33) entgeht im Führerhaus nichts.
Alles im Blick: Sven Grimm (33) entgeht im Führerhaus nichts.

Die Weiterbildung zum Fahrer, inklusive Führerschein, hat der WBL finanziert. Grimms Kollege Mohammad sieht das Ganze etwas differenzierter: „Als Lader ist es manchmal sehr schön und manchmal sehr unschön. Man bekommt es halt alles ab: frische Luft und Sonnenschein oder eben Wind und Regen.“ Anfangs sitzen noch alle drei auf der Vorderbank ihres 360 PS starken Müllautos. Wenn sie dann mit dem Laden beginnen, steigen Mohammad und Sheapi aus und fahren, wenn überhaupt, hinten auf den Trittbrettern mit.

Remis Mohammad (27) fährt hinten mit. Als Lader sei man dem Wetter ausgeliefert, sagt er.
Remis Mohammad (27) fährt hinten mit. Als Lader sei man dem Wetter ausgeliefert, sagt er.

Autofahrer müssen sich gedulden

Heute beginnt ihre Tour in der Bahnhofstraße. Die Altpapier-Truppe leert nicht nur kleine und große Tonnen, sondern nimmt auch lose Kartons und Papiere mit. „Beiladung“ nennen das die Experten. Und das ist nicht wenig: Oft liegt genauso viel Loses da, wie in die Tonnen passt, manchmal sogar mehr. „Eigentlich müsste das gebündelt sein“, erklärt Sheapi. „Und ungebündelt müssen wir es theoretisch nicht mitnehmen. Aber wir machen es trotzdem. Am Ende müssten wir es sowieso selber abholen.“ Das bedeutet für die Lader: Viel bücken, viel heben, viel werfen. Bei Regen ist die Kartonage schwer und brüchig, ein unangenehmes Anliegen. Ohnehin kann eine Mülltonne mit 1100 Litern Inhalt ganz schön schwer sein. Trotzdem zieht Mohammad jedenfalls die Papier-Tour dem Restmüll vor. „Es sind zumindest weniger Ratten dabei“, sagt er und lacht.

Auch lose Kartons nimmt der Trupp mit.
Auch lose Kartons nimmt der Trupp mit.

Hindernisse bei der Arbeit finden sich nicht nur im Müll selbst. Gerade der Verkehr macht es den Arbeitern nicht immer einfach. Schon kurz nach 7 Uhr stauen sich in der Bahnhofstraße die Autos hinter der Müllabfuhr. „Viele werden heute ungeduldig und hupen“, sagt Sheapi. Mit der Zeit habe er ein Gespür dafür entwickelt, wer unangenehm werden könnte. „Bei dem könnte ich mir vorstellen, dass er hupt“, sagt er und zeigt auf einen weißen Kleinbus. „Wir schauen, dass wir zur Seite fahren, wenn es möglich ist“, sagt Fahrer Grimm. „Aber es geht nun mal nicht immer.“ An diesem Tag hupt erstmal keiner. Auch Vorbeidrängeln kann man noch nicht beobachten. In der Bismarckstraße, in die die Truppe als Nächstes einbiegt, ist das erstmal sowieso kein Problem. Zu dieser Uhrzeit sind nur Stadtreinigung und Post unterwegs. „Man kennt sich und grüßt sich“, sagt Sheapi. „Die Leute von der Stadtreinigung sind manchmal so nett und sammeln herumliegendes Papier ein, damit wir das gleich mitnehmen können.“

Ein eingespieltes Team

Jeder einzelne Handgriff sitzt bei diesem Team. Zwei kleine Tonnen in die eine Hand, an die Greifarme des Autos gestellt, schnell zurücktreten, wenn dieser sie per Hydraulik nach oben reißt. Dann die Tonnen wieder abnehmen und zurückstellen – Mohammad versetzt ihnen einen leichten Tritt, so springen sie über den Bordstein. Dann das lose Gut greifen und hinterherwerfen. Das alles in Sekundenschnelle. „Mit der Zeit bekommt man einen Blick, was man wie anpacken muss, und wann man es reinwerfen kann“, erklärt Mohammad. Am Ludwigsplatz teilt sich die Gruppe auf: Sheapi geht in Innenhöfe und stellt Tonnen schon mal an den Straßenrand, während Mohammad und Grimm erstmal den Müll der Sparkasse abholen. „Nach einer Weile weiß man, wie man alles am geschicktesten organisiert“, sagt Sheapi. Herumliegender Sperrmüll wird an die Zentrale gemeldet. „Das sieht man schon oft“, sagt Sheapi.

Jeder Handgriff sitzt.
Jeder Handgriff sitzt.

In der Ludwigstraße, auf den Tramgleisen, das gleiche Spiel. Jetzt noch mit dem Straßenbahnverkehr als zusätzlich zu beachtenden Faktor. Für Multitasker Grimm im Fahrerhaus aber kein Problem. „Ich sehe das ja alles über Spiegel und Kameras“, sagt er und zeigt auf das Equipment. „Wenn eine Bahn kommt, dann fahre ich auf die andere Straßenseite. Wenn es denn geht.“ Ein Problem seien eher die Autofahrer, die sich am Müllauto vorbeidrängen – und das eigentlich nicht dürfen. „Es kommt schon häufig vor, dass Menschen dann angefahren werden“, sagt Grimm. „Mitarbeiter oder auch unbeteiligte Fußgänger.“ Auch heute können sich einige Autofahrer scheinbar nicht gedulden. Die Straßenbahnführer bleiben hingegen entspannt – auch hier kenne man sich, sagt Grimm.

Auf den Straßenbahngleisen gilt es, schnell zu sein.
Auf den Straßenbahngleisen gilt es, schnell zu sein.

Viele Bewerber

So geht es dann immer weiter. In der Kaiser-Wilhelm-Straße steht vor einem Geschäft ein riesengroßer Haufen an Kartons. „Letztes mal haben wir für das 17 Minuten gebraucht“, sagt Sheapi kopfschüttelnd. Kartons würden im Stadtgebiet einen immer größeren Anteil und eine immer größere Menge an Müll verursachen, sagt Teamleiter Steckmaier. Und da man sie zusätzlich weniger dicht packen könne als Prospekte und sonstiges Papier, könne bei den Fahrten manchmal weniger mitgenommen werden.

Das kompensiere man bereits mit mehr Fahrten, sagt Steckmaier. Etwa 60 Kilometer lang geht eine Tour, ein Müllwerker legt ungefähr 20 Kilometer zu Fuß zurück. Trotzdem: Ein Nachwuchsproblem gebe es noch nicht. Als krisensicherer Job, der zudem als Anlernberuf gute Arbeitszeiten und Vergütung biete, gebe es sogar relativ viele Anfragen, sagt Steckmaier, auch die Weiterbildung zum Fahrer werde gerne genutzt. Das sieht man auch den drei von der Papiertour an: Offensichtlich gut gelaunt ziehen sie weiter durch den Morgen und nehmen all jenes mit, was Ludwigshafens Innenstadt so an Papier- und Pappkram loszuwerden hat.

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