Ludwigshafen
Wenn Eulen und Adler gemeinsam Müll sammeln
Wer mobilisiert mehr Freiwillige für die Umwelt, Adler oder Eulen, Eishockey oder Handball, Mannheim oder Ludwigshafen? Das Ergebnis der dritten Cleanup-Challenge an beiden Rheinufern sprach am Ende zwar für Mannheim, Organisator Uwe Franken war es aber letztlich egal: „Gewinner ist der Fluss.“
Bei der Abschlusskundgebung sagte Franken auf der Bühne: „Wir hatten insgesamt rund 470 Teilnehmer. Das ist bei weitem die größte Sammelaktion an einem Tag auf so kleinem Raum. Ich bin einfach megabeeindruckt.“ Auch wenn die Mannheimer Seite mit rund 250 gegenüber 220 Sammlern knapp die Nase vorne hatte, profitierten letztlich beide, denn rund 1,2 Tonnen Müll und Unrat können nun nicht mehr in den Fluss und damit ins Meer gelangen. „Wir hatten weder Zangen noch Müllbeutel zum Ausgeben.“
„Erleben Auswirkungen illegaler Entsorgung direkt“
Mitgeholfen haben dabei auf Ludwigshafener Seite unter anderem die Handballer von Eulen und HLZ Friesenheim-Hochdorf. Auch die Murmelspieler des 1. MSC Ludwigshafen waren mit dabei. „Leider sind wir heute nur zu dritt“, sagte Vereinsvorsitzender Theo-Heinz Adrian. Aber sie sammelten am Lichtenberger Ufer ebenso fleißig, wie die Stadtfüchse als Nachbarschaftsorganisation aus Süd und Mundenheim.
„Dieser Tag ist für uns einer der Höhepunkte“, erklärte Sandra Hucker, eine der Initiatorinnen. „In der Regel machen wir kleinere Cleanups in unserer direkten Nachbarschaft.“ Mit Markus Steuerwald hatte sie einen Stand mit Spielen und Informationen rund um das Thema Müll aufgebaut. „Wir erleben die Auswirkungen illegaler Entsorgung sehr direkt – in Grünanlagen, an Gewässern und im unmittelbaren Wohnumfeld.“
Mit großem Besteck waren die Eulen angerückt. Nicht nur Geschäftsführer Andreas Olbert zeigte Präsenz, auch das Maskottchen Die Eule half mit. „Von den Spielern sind Finn Leun und Nicolas Waldvogel mit dabei und außerdem fast unsere komplette Geschäftsstelle“, erklärte Olbert. Der Sieg der Mannschaft am Vorabend habe die Einsatzbereitschaft der Eulen noch einmal gesteigert. „Ohne diesen Druck putzt es sich leichter.“ Der Beigeordnete Alexander Thewalt (parteilos) freute sich über jeden einzelnen Teilnehmer. „Die sind immerhin alle freiwillig hier.“
Eishockeyspieler stellen den Großteil in Mannheim
Am anderen Rheinufer feuerte Bürgermeister Thorsten Riehle (SPD) alle Teilnehmer an. Dort stellten die Eishockeyspieler den Großteil. Der Nachwuchs des Mannheimer ERC war stark vertreten. „Niemand wird gezwungen. Die Kinder wollten das auch“, sagte Cheftrainer Tomas Martinec. „Wir wollen etwas zurückgeben.“ Eishockey sei energieintensiv und damit eine nicht sonderlich umweltfreundliche Sportart. Auch Nicht-Sportler wie die Bürger-Interessen-Gemeinschaft des angrenzenden Stadtteils Lindenhof und Helfer aus Seckenheim waren vertreten. „Die Surfrider unterstützen uns bei unserer Putzaktion am Neckar, deshalb helfen wir ihnen hier am Rhein“, erklärte Regina Kaspar, Vorstandsmitglied der TSG Seckenheim. Mannheim hatte zwar mit knapp 30 Teilnehmern die Nase vorne, aber am Ende trafen sich alle zum Abschlussfoto auf der Rheinbrücke und ließen den Tag bei Brezeln und Getränken ausklingen.
An die Nachhaltigkeit der Aktion glaubt Franken indes nicht: „In ein paar Tagen sieht es da unten am Flussufer wieder genauso aus.“ Aber es gehe ihm deshalb auch gar nicht um die Aufräumaktion an sich. „Es geht darum, Aufmerksamkeit für das Thema Müll zu wecken.“ Denn Umweltverschmutzung beginne nicht mit dem Ruß aus Industrieschornsteinen, sondern mit weggeworfenen Papiertaschentüchern, Zigarettenkippen und Kronkorken.