Ludwigshafen Wenn ABC-Schützen Punkrock schmettern
«Mutterstadt.» Tonstudios sind sowas wie Sehnsuchtsorte für viele Musiker. Für die ABC-Schützen der Mutterstadter Pestalozzi-Grundschule wurde vergangene Woche die Turnhalle zum Aufnahmestudio umgemodelt. Beim Minimusikertag nahmen sie eigene CDs auf.
Minimusiker – das ist ein Projekt von ausgewachsenen Musikern, die in zwölf Teams gegliedert, bundesweit an Schulen und Kitas aktiv sind. Dabei unterstützen sie die Schulen darin, eigene CDs zu produzieren, die dann von einem Techniker des Projekts aufgenommen werden. An der Pestalozzischule in Mutterstadt sah das so aus, dass es ein Lied von allen Kindern der Schule gab, und dazu jede Klasse einzeln ein bis zwei Lieder einsang. Alles wurde dann auf Silberscheibe verewigt. Die Booklets sind extra so gestaltet, dass jede Menge Platz für Autogramme der „Stars“ oder eigene Gestaltung vorhanden ist. Eine recht charmante Idee, die von Lehrerin Sabine Renz-Strobel begeistert aufgenommen wurde. Obwohl der Infobrief erst zwei Tage vor den Winterferien eintrudelte und solche Projekte normalerweise etwas länger dauern, wie sie erzählt. Nach den Winterferien liefen dann auch die Proben, jede Klasse hat sich ihr Lied ausgewählt und fleißig geübt. Im kompletten Schulverbund gab es nur eine Probe – und das direkt vor der Aufnahme, während Techniker Rolf Hering aus Mannheim noch letzte Hand anlegte, um die Raummikrofone zu positionieren, und die Aufnahmesoftware hochfuhr. Textsicher schmetterten die Stöpsel dann „Tage wie diese“. Die Ballade der altersmilden Ex-Punks „Die toten Hosen“ bietet sich geradezu an für Massengesänge. Stimmen, die noch nicht vom Stimmbruch gezeichnet sind, standen im charmanten Kontrast zur Original-Stimme von Campino. Damit die CD auch als Präsent für die Großeltern taugt, gibt es auch Stücke abseits zeitgenössischer Rockmusik: Klassische Kinderlieder, Volkslieder – die Minimusiker-Initiatoren boten ein breites Repertoire, aus dem sich die Schüler mit ihren Lehrern ihre Stücke auswählen können. Sabine Renz-Strobel gab die Chorleiterin, mit vollem Körpereinsatz dirigierte sie die Gruppen. Und ihrem Ohr entging auch nicht, wenn eine Stimme fehlte. Da wurde dann auch mal einer der Schüler ermahnt, wenn er nur verschämt am Rand steht und den Mund auf- und zuklappte, in der Hoffnung, dass es noch für eine Drei minus reichte. Die ABC-Schützen der Pestalozzischule gingen ihr Projekt zielstrebiger an, als so mancher große Rockstar seine Studioarbeit.