Ludwigshafen Weltschmerz inklusive

„Deine Lieder sind immer so traurig, mach doch mal was Lustiges wie Helene Fischer.“ Solche Ratschläge bekommt Tom Lüneburger öfter. Jetzt hat er es zumindest versucht. Herausgekommen ist ein Lied über das Ertrinken im Meer. Zu seinem Ludwigshafener Konzert brachte der Singer/Songwriter gepflegten Weltschmerz mit – und das klang schön.

Wenn die Frau abgehauen, der Hund gestorben und das Bier alle ist, muss es nicht immer Blues sein. Tom Lüneburger schafft es, in dieser Stimmung Lieder zu schreiben, die eine eigentümliche Balance zwischen Wohlklang und Melancholie halten. Gute Vorsätze, die sich nach und nach verflüchtigen, die Hoffnung, einmal groß herauszukommen – das hat jeder schon erlebt. Es gehört wohl zum Erwachsenwerden, sich von machen Träumen verabschieden zu müssen. Tom Lüneburger ist gerade 42 Jahre alt geworden. Spötter könnten ihm eine anhaltende Spätadoleszenz bescheinigen. Aber dass er daraus schöne Lieder macht, kann niemand bestreiten. Ins Kulturzentrum Das Haus kam er in kleiner Besetzung, nur von Keyboard, Schlagzeug und Bass begleitet. Und da erhält man auch ein wenig Einblick in die Entstehung der Songs. „Da war ich auf einer Insel. Ich war ziemlich einsam, da hab ich diesen Song geschrieben“, erzählt er. Genau so stellt man sich das auch vor, wenn man ihn hört. Im Lauf des Abends bringt er auch mehrere Stücke ganz allein, sich selber nur auf der Gitarre begleitend. Emotional und autobiografisch sind fast alle Lieder von Lüneburger. Aber es wirkt trotzdem nicht wie eine aufdringliche Nabelschau, wenn er seine Erlebnisse verarbeitet. Man kann seine Stücke auch einfach als gut geschriebene Popsongs mit melancholischem Unterton hören. Dabei hilft, dass er ausschließlich auf Englisch singt. Pathos kommt da gar nicht erst auf. Lüneburger gründete 1997 die Band Myballoon, die vom Start weg beachtliche Erfolge hatte und sogar in den USA Aufmerksamkeit erregte. Nach der Auflösung der Gruppe machte Lüneburger alleine weiter und schrieb erst mal weitere Songs im stillen Kämmerlein. 2010 wagte er sich wieder auf die Bühne und veröffentlichte das Album „Good Intentions“. Darauf hörte man viel akustische Gitarre und einige Stücke mit dem genau richtigen Maß an Bandbegleitung. Diesen Sound hatte Lüneburger auch in Ludwigshafen. Sein zweites Album „Lights“ war schon etwas aufwendiger produziert und die aktuelle Platte „Head Orchestra“ überschreitet bereits die Grenze zum überproduzierten Studioklang mit zu vielen Sounds und Effekten. Die Songs klingen live in kleiner Besetzung glaubwürdiger, die Musik wirkt transparenter. Das Konzert in Ludwigshafen war der Auftakt der Tour. „Es ist mein erstes Konzert nach anderthalb Jahren“, sagte Lüneburger und gestand, dass er schrecklich aufgeregt sei. Aber es lief alles bestens. Tom Lüneburger genoss es sichtlich, mit guten Freunden wieder Musik zu machen, er nahm sich selbst auch nicht allzu wichtig und konnte seine melancholischen Gefühle ironisch auf die Schippe nehmen. Im Haus wurde daraus ein intimer Konzertabend in angenehm lockerer Stimmung.

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