Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Pläne es für die Walzmühle und ein neues Rathaus gibt

Zwei Supermärkte, eine Drogerie und eine Apotheke sollen in die Walzmühle einziehen.
Zwei Supermärkte, eine Drogerie und eine Apotheke sollen in die Walzmühle einziehen.

Die Walzmühle soll zum Nahversorgungszentrum werden und ein Neubau an der Rheinschanze möglicherweise zum neuen Rathaus inmitten eines Verwaltungs-Campus. Das sagt Awes Khan von Pro Concept zu den Plänen seines Unternehmens, das viele zentrale Innenstadt-Immobilien neu entwickelt.

Herr Khan, der Mietvertrag für das Landesimpfzentrum läuft noch bis Ende des Jahres. Wie geht es danach mit der Walzmühle weiter?
Vergangene Woche hatten wir die Auftaktveranstaltung mit der Planungsrunde. Wir haben das Architekturbüro HS 02 aus Wiesbaden beauftragt, wir haben einen Statiker, einen Elektrofachplaner und andere Gewerke beauftragt. Alle haben sich zusammen zum ersten Mal gemeinsam in der Walzmühle getroffen.

Bleibt es beim Konzept eines Nahversorgungszentrums?
Ja. Es wird ein Vollsortimenter kommen und ein Discounter. Beide haben wir von den Vorbesitzern übernommen. Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet, aber wir sind schon in der Feinplanung und sprechen zum Beispiel darüber, wo welche Regale hinkommen. Auch eine Drogerie und eine Apotheke ziehen in die Walzmühle.

Was ist mit dem Kino im oberen Stockwerk der Walzmühle?
Der Mietvertrag läuft noch. Die werden erstmal bleiben und können auch während des Umbaus weiter öffnen.

Es gab bei Pro Concept in der Vergangenheit die Überlegung, einen Turm auf die Walzmühle zu bauen und das Rathaus dort einziehen zu lassen. Warum haben Sie das verworfen?
Damals wurde noch diskutiert, ob das alte Rathaus saniert wird. Wir standen mit unserer Idee in direkter Konkurrenz zum Thema Bestand und wussten, dass so schnell keine Entscheidung fallen wird. Wir konnten mit der Projektentwicklung für die Walzmühle aber keine ein, zwei Jahre mehr warten, zumal wir den Handelsunternehmen, die dort einziehen wollen, schon zugesagt haben.

Wann soll der Umbau der Walzmühle starten?
Wir wollen bis Frühjahr den Bauantrag einreichen, vielleicht sogar schon früher. Wenn die Genehmigung da ist, beginnen wir mit dem Umbau.

Ein Rathaus auf der Walzmühle ist also vom Tisch. Im Juni kam von Ihnen überraschend der Vorschlag, ein Gebäude an der Rheinschanze abzureißen und dort ein Hochhaus für das Rathaus zu bauen.
Das war die erste Idee. Dann haben wir aber gemerkt, dass die Leute wegen der umliegenden Bebauung nichts Hohes und Massives wollen. In der Politik kam der Vorschlag eines Rathaus-Campus auf, den wir spannend fanden. Das haben wir aufgegriffen und gesagt: Okay, dann verteilen wir es. Dass sich alles in einem Hochhaus zentralisiert und man drumherum die Leerstände hat, ist ja auch städtebaulich nicht gesund.

Was heißt verteilen?
Verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung verteilen sich auf den ehemaligen Halberg-Verwaltungssitz, die Walzmühle, die ehemalige Sparkasse am Berliner Platz, den Neubau an der Rheinschanze, das Faktorhaus und eventuell das „Metropol“. Das Haupthaus wird als markantes Gebäude an der Rheinschanze gebaut. Alles was die Verwaltung dann noch braucht, kann sie drumherum zumieten. In die Sparkasse kommen zum Beispiel das Einwohnermeldeamt, die Poststelle der Stadt, das Ordnungsamt und das Standesamt.

In einigen Gebäuden sitzen ja bereits Teile der Verwaltung, andere müssen umziehen, wenn das Rathaus abgerissen wird. Wie konkret ist die Campus-Idee mit dem Neubau an der Rheinschanze bereits?
Wir haben die Idee an die Parteien gegeben. Jetzt muss die Politik reflektieren.

Was ist generell die Strategie von Pro Concept: entwickeln und verkaufen oder entwickeln und halten?
Wir sind Bestandshalter.

Beim Neubau für die Pfalzwerke in der Wredestraße läuft alles nach Plan. Pro Concept genießt einen guten Ruf in der Stadt. Was ist Ihr Geheimrezept?
Wir können uns gar nicht erlauben, dass es einen Stillstand gibt. Abzureißen und etwas vier, fünf Jahre liegenzulassen schafft nur Irritationen und macht auch baulogistisch keinen Sinn.

Pro Concept hat fast alle zentralen Immobilien in der Innenstadt erworben. Was steht als nächstes an?
So viel ist nicht in der Pipeline. Alle Objekte, über die wir heute reden, haben wir vor mindestens drei Jahren gekauft. Momentan liegt unser Fokus auf der Realisierung der Projekte. Wir sind eine kleine Klitsche.

Kleine Klitsche ist gut. Sie investieren viele Millionen Euro in die Projekte. Woher kommt das Geld?
Es gibt keine Co-Investoren, keine stillen Beteiligten. Die Millionen, die wir da investieren, haben wir aber auch nicht in der Schublade liegen. Das ist das Geld unserer Banken, die uns Vertrauen schenken. Das sind aber keine spekulativen Banken aus dem Ausland. Wir arbeiten mit den hiesigen Banken.

Beim „Metropol“-Projekt von Timon Bauregie auf dem Berliner Platz sind angeblich neue Partner mit im Boot. Ist Pro Concept mit eingestiegen?
Nein.

Aber Pro Concept hatte in der Vergangenheit durchaus Interesse daran, das „Metropol“-Grundstück und -Projekt zu übernehmen.
Ja, aber das ist nicht mehr aktuell. Ich finde das Vorhaben interessant und betone immer wieder, dass ich mich wahnsinnig freue, wenn es realisiert wird. Es tut der Stadt gut, es tut auch unseren Objekten gut. Keiner hat Freude daran, immer in die Baugrube zu gucken. Ich freue mich, dass da was passiert.

Zur Person

Der 45-jährige Awes Khan ist Leiter Immobilien bei der Mannheimer Pro Concept Holding AG. Das Unternehmen mit elf Mitarbeitern hat in den vergangenen Jahren massiv in die Ludwigshafener Innenstadt investiert und unter anderem den ehemaligen Kaufhof in der Bismarckstraße zum neuen Sitz der Technischen Werke (TWL) umgebaut.

Awes Khan
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