Ludwigshafen Vorbehalte gegen Gorbatschow-Straße

Michail Gorbatschow
Michail Gorbatschow

Das größte Thema war eigentlich keines. Zur Abfrage der Stimmungslage hatte der Beigeordnete Alexander Thewalt (parteilos) den Antrag zur Benennung einer Straße nach Michail Gorbatschow am Dienstagabend in den Ortsbeirat Süd weitergereicht. Dort spielte man den Ball direkt zurück zur Verwaltung.

Die geplante Brücke über das Bahngelände als Zubringer zur neuen Helmut-Kohl-Allee sei ein geeignetes Bauwerk, um an den am 30. August verstorbenen Ex-Präsidenten der Sowjetunion zu erinnern, der immerhin den Weg zur Deutschen Einheit geebnet habe, begründete sie FWG ihren Vorstoß vor wenigen Wochen.

Im Ortsbeirat Süd, auf dessen Gemarkung die neue Brücke einmal liegen soll, nahm man dies mit gemischten Gefühlen auf. Raik Dreher (Grünes Forum und Piraten) monierte beispielsweise den Zeitpunkt des Antrags: „Da war Gorbatschow noch nicht einmal unter der Erde.“ Er wünschte sich Zeit für Überlegungen, ob eine Brücke Gorbatschows Wirken tatsächlich gerecht werde.

„Durchaus schlüssig“

Ja, sagt zumindest die Verwaltung. In einer Stellungnahme verwies sie auf die Verdienste von „so hoher nationaler und europäischer Relevanz“, dass eine Würdigung, wie sie inhaltlich schon mit dem „Platz der Deutschen Einheit“ vorgenommen worden sei, durchaus getoppt werden könne. Immerhin habe Gorbatschow 1985 als Generalsekretär der KPdSU Verdienste zur inneren Aufarbeitung der Diktatur Stalins, beim sowjetischen Abzug aus Afghanistan und besonders bei der Beendigung des Kalten Kriegs erworben. „Die Benennung der neuen Brücke über das Gelände des Hauptbahnhofs im Anschluss an die Helmut-Kohl-Allee erscheine deshalb durchaus schlüssig.“

Empfehlung der Kommission

Eine Argumentation, der sich der Ortsbeirat, angeführt von Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU), nur bedingt anschloss. „Wir wollen eine Aufbereitung, die der Sachlage gerecht wird, und eine Bewertung ermöglicht.“ Er stellte deshalb den Antrag, dass zunächst die Straßenkommission der Stadt eine Empfehlung für die Benennung abgeben sollte, die anschließend im Ortsbeirat diskutiert werden könne. Dem folgte das Gremium einstimmig – inklusive der Fraktion aus Linken und FWG als nominelle Antragsteller.

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