Frankenthal
Von kritisch bis humorvoll: „Facetten“ im Kunsthaus
„Facetten Frankenthaler Kunst“ kennenzulernen – dazu lädt der Kunstkreis Frankenthal bis Sonntag, 9. März, ins Kunsthaus der Stadt ein. 26 Kunstschaffende präsentieren Malerei, Fotografie, Drucke, Plastiken und Objekte.Das ging rasend schnell: Im Dezember 2023 als Kernteam zusammengefunden, 2024 als Kunstkreis gegründet und bereits ab September erste kleinere Auftritte und nun 2025 die erste große Ausstellung. Wer Nicoleta Steffan kennt, wundert sich nicht. Die Frankenthalerin hat schon einige Projekte spontan und erfolgreich auf die Beine gestellt.
„Kunst, Künstler und kulturelle Orte in der Stadt zu bündeln, zu fördern und zu präsentieren“ – für ein starkes „Wir-Gefühl“, nannte Steffan beim Pre-Opening die Ziele des Kulturkreises. Oberbürgermeister Nicolas Meyer war sichtlich angetan, auch vom großen Publikumszuspruch. Das Kunsthaus schien aus allen Nähten zu platzen. Aus dem Künstlerkreis heraus geben nun 26 bildende Künstler über 14 Tage einen Einblick in ihr Schaffen. Dennoch, wer die Frankenthaler Szene kennt, wird einige bekannte Namen vermissen.
Schwarz-Weiß-Fotos und bunte Ornamente
Fotografin Roswitha Flury sucht Zufallsmotive. Bei „Auf hoher See“ handelt es sich vermutlich um ein Plakat, bei dem Risse mit teils hervorquellenden unteren Schichten die Form eines Segelboots ergeben. Petra Ackermann steuert Schwarz-Weiß-Fotos vom Strohhutfest bei und Gaby Rehm lässt Natur und Objekte im Licht-Schatten-Spiel fast mystisch wirken.
Papierobjekte, etwa eine Blumenblüte aus vielen bunten, spitz zulaufenden Papierschnipseln oder das aufwendige Papiergeflecht „Vielfalt“ zeigt Gaby Sann. Ehemann Guido Sann konstruiert aus Fundstücken Figuren wie „Zu Zweit“ – ein verwittertes, altes Holzstück, aber mit etwas Phantasie eben ein Duo. Die Schönheit „Sonnengöttin“, definiert in ihren Gesichtskonturen aus Bronze, stammt von Friedlinde Hüther. Adam Tumele beschäftigt das „Wir schaffen das“ in einer Collage, die trotz ihrer Ästhetik mit zentraler Fast-Idylle, die an die Heilige Familie erinnert, und bunten Ornamenten mit Text zum Nachdenken anregen soll.
Ist der Flaum echt?
Die Rubrik Linolschnitt mit den Köpfen von Musikerinnen wie Amy Winehouse vertritt Angelika Reiter. Stark ist die Sparte Malerei von abstrakt bis gegenständlich, kritisch bis humorvoll. Nicoleta Steffan zeigt etwa eine übergroße, täuschend echt wirkende Vogelfeder – man möchte prüfen, ob der weiße Flaum vielleicht doch echt ist. Mit Acrylic Pouring, einer Fließ- und Zufallstechnik, und leichten pastellenen oder schweren erdfarbenen Tönen zielt Conny Incognito auf Emotionen beim Betrachter. Ähnliches bewirken die abstrakte, farbintensive Malerei von Karin Thoma, Manuela Sold, Anna Karina und Wolfgang Graf. „Fleurs“, Blumen, sind Christina Kronauers Motiv, Beate Kuczera spezialisiert sich auf Tierporträts, Landschaften stellen Bärbel Vogt abstrahiert und recht präzise Roland Falkenhagen dar.
Menschen in ihrer Lebenswelt zeigt Manfred Haardt, Engel beschäftigen Anette Krahnke-Höner. Stimmung und Empfinden der Porträtierten unterstreichen Anca Schmittner und Sarah Veith mit Symbolik, wobei Veiths Arbeiten mit aufwendiger Zentangle-Technik, Mustern aus einfachen Zeichen wie Linien oder Kreisen, bestechen. Gizem Evsek setzt auf ein Mix-Motiv, Hanne Schütz beeindruckt mit einer witzigen oder dramatischen Buntstiftzeichnung einer älteren Frau, die sich scheinbar in den luftleeren Raum setzen will und dabei erschrickt – denn hinter ihr spaziert ein Nashorn.
Joe Hanisch zeigt seine ausdrucksstarken Selbstporträts in Kreuzschraffur – Schichten von Linien – und in runder Form acht teils berührende, teils humorvolle Perspektiven auf die Welt, etwa von Frosch, Organist oder Illusionist. Sandra Kron bricht mit ihren Collagen aus der Zweidimensionalität aus. Ihr Phönixengel besteht aus Fundstücken, die weiten Flügel aus Federn. Sie empfängt auch die Besucher mit „Guardians – die Flügel Frankenthals“ – jeder kann sich hier vor zwei gemalte prächtige silberne Flügel stellen und als Hüter und Wächter seiner Heimatstadt fotografieren lassen.
Die Ausstellung
„Facetten“, bis Sonntag, 9. März, im Frankenthaler Kunsthaus, Mina-Karcher-Platz 42. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 14-18, und Sonntag, 11-18 Uhr.