Ludwigshafen Vom Traum zur Anlaufstelle: Friedenshaus in Ludwigshafen wird 10 und hilft weiter
Der Wunsch eines Kanadiers wurde in der Berliner Straße Wirklichkeit: Gregory Rabus träumte einst davon, einen Treffpunkt für Flüchtlinge zu schaffen. Bei der Mennonitengemeinde in Ludwigshafen wurde er fündig. Inzwischen gibt es das Friedenshaus seit zehn Jahren – mit verschiedenen Angeboten zur Unterstützung von Flüchtlingen und Hilfesuchenden.
Ein kleiner Raum im Keller des Gemeindehauses der Mennonitengemeinde, einer evangelischen Freikirche, ist gemütlich mit zwei Sofas und einem Tisch eingerichtet. Heidelinde Sawatzki, gute Seele und Pressesprecherin des Hauses, füllt gerade Formulare aus, um die Rente einer Frau zu beantragen. Eine andere benötigt Hilfe bei einem Schreiben an ihren Arbeitgeber, weil ihr die nötigen Sprachkenntnisse fehlen.
Schon 4000 Menschen waren dort
Noch vor wenigen Jahren brauchte auch der afghanische Flüchtling Shabir Ahmad Aimaq selbst Unterstützung. Die Sprachkurse, die niederschwellig im Friedenshaus angeboten werden, brachten ihn mit Heidelinde Sawatzki in Kontakt. Heute hilft er selbst beim Ausfüllen von Formularen und beim Dolmetschen. „Ich bin jede Woche da, seit einem Jahr“, erzählt er. Am Wochenende unterrichte er Frauen an der Universität Mannheim. Lehrer sei er auch in Afghanistan gewesen. „In meiner Heimat dürfen Frauen nicht an die Universität“, sagt er.
Seit zehn Jahren besteht das Friedenshaus inzwischen. „Bestimmt 4000 Menschen sind schon hier gewesen“, bilanziert Sawatzki. Gregory Rabus, ein Koordinator mit fließenden Arabischkenntnissen, wollte gemeinsam mit seiner Frau Jennifer Otto eine Anlaufstelle für Flüchtlinge schaffen. Bereits aus seiner Heimat Kanada suchte er nach einer Mennonitengemeinde, bei der ein solches Angebot möglich wäre – und wurde in Ludwigshafen fündig.
Der Mann von Heidelinde Sawatzki gehört der Glaubensgemeinschaft an, sie selbst ist katholisch. An die Not ihrer eigenen Kindheit erinnert sie sich noch genau, denn auch ihre Eltern waren Flüchtlinge aus dem donaudeutschen Raum. „Ich habe noch heute die Beschimpfungen der anderen Kinder im Ohr“, erzählt sie. Das habe früh den Ausschlag gegeben, sich für andere einzusetzen.
Auch Ahmed Mohamed aus Ägypten hat im Friedenshaus Anschluss gefunden. In nahezu fehlerfreiem Deutsch erzählt er, dass er seit September 2022 in Deutschland lebt. In mehreren Flüchtlingscafés der Stadt engagiert er sich ehrenamtlich. Es sei sein Weg, Dankbarkeit zu zeigen. Arabisch und Englisch spreche er muttersprachlich. Im vergangenen Jahr arbeitete der 33-Jährige zudem in Kooperation mit dem Jugendamt als Ferienbetreuer, unter anderem im Heinrich-Pesch-Haus. „Alle seine Bemühungen, hier zu bleiben und zu arbeiten, haben bisher bei der Ausländerbehörde kein Gehör gefunden“, bedauert Sawatzki.
„Jeder bringt etwas mit“
„Frau Heidi“, wie sie hier genannt wird, übernahm kurz nach Gründung des Friedenshauses die Sprachkurse – zunächst mit selbst gebastelten Papier-Memorys. Viele Teilnehmer blieben dem Haus später als Helfer verbunden. Inzwischen engagiert sich auch ihre Schwester Angelika Wilk. Sie vermittelt kleinen Gruppen Sprache, Buchstaben und Grammatik. „Jede Stunde hat ein eigenes Thema“, erklärt sie.
Die aktuellen Koordinatoren Oscar Cardozo und seine Frau stammen ebenfalls aus Kanada. Für die Arbeit im Friedenshaus nahm er bei seinem Arbeitgeber eine dreijährige Auszeit. „Neue Koordinatoren bringen immer neue Ideen mit“, berichtet er. So entstanden im Laufe der Jahre vier feste Angebote. Neben Formularhilfen gibt es unter anderem eine Nähgruppe, die Patchworkdecken herstellt. Ehrenamtliche und Geflüchtete nähen dort gemeinsam Decken für Krisengebiete – aktuell für die Ukraine.
„Integration gelingt nur, wenn Flüchtlinge auch die Lebensweise des Landes kennenlernen“, sagt Sawatzki. Deshalb ergänzen soziale und kulturelle Veranstaltungen die Integrationsarbeit. Gemeinsame Grillfeste und Ausflüge mit Kindern sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen. „Jeder bringt etwas aus seiner Heimat mit, damit alle voneinander lernen“, sagt Sawatzki.
Info
Am Samstag, 9. Mai, feiert das Friedenshaus von 14 bis 17.30 Uhr sein zehnjähriges Bestehen mit einem Programm in der Berliner Straße 43 in Ludwigshafen. Infos unter: www.friedenshaus.net.