Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Vier Jahre nach tödlichem Polizeieinsatz: Gedenkstuhl soll an Ante P. erinnern

Mit Blumenniederlegungen und einer Andacht in der Kirche St. Sebastian erinnerten Angehörige und die Initiative „2. Mai“ an den
Mit Blumenniederlegungen und einer Andacht in der Kirche St. Sebastian erinnerten Angehörige und die Initiative »2. Mai« an den vierten Todestag von Ante P. am Mannheimer Marktplatz.

Gedenkfeier in Mannheim: Vier Jahre nach einem Polizeieinsatz am Marktplatz erinnern Angehörige und die Initiative „2. Mai“ an Ante P., der damals ums Leben gekommen ist.

Das Wetter ist gut. Auf dem Mannheimer Marktplatz demonstrieren am Samstag Palästinenserinnen gegen das Vorgehen der israelischen Armee im Nahen Osten. In den Cafés rund um die Kundgebung sind alle Plätze im Freien besetzt. Zumindest in den Herzen seiner Familie und in denen der Mitglieder der Initiative „2. Mai“ bleibt eine Stelle für immer unbesetzt. Hier, an der Ecke des Quadrates G2, verstarb Ante P. nach einem Polizeieinsatz. Zum vierten Jahrestag hatte die Initiative zu einer Andacht in der Marktplatzkirche St. Sebastian geladen.

Vor vier Jahren wollte sich der psychisch kranke Ante P. freiwillig zur Behandlung ins Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit begeben. Dann hatte er sich jedoch umentschieden und war davongelaufen. Der behandelnde Arzt hatte daraufhin die Polizei der nahegelegenen H4-Wache um Hilfe gerufen. Gemeinsam hatte man den 47-Jährigen verfolgt und schließlich am Rande des Marktplatzes gestellt, wie auf den Bildern mehrerer Überwachungskameras zu sehen war.

Polizeibeamte vor Gericht

Dann lief der Einsatz der Polizisten offensichtlich so stark aus dem Ruder, dass im Anschluss nur noch der Tod von Ante P. festgestellt werden konnte. In der Folge mussten sich die beiden beteiligten Polizeibeamten vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Am Ende standen eine Verurteilung wegen Körperverletzung sowie ein Freispruch. „Vor Gericht ist mein Sohn ein zweites Mal gestorben“, hatte die Mutter den Urteilsspruch damals kommentiert.

Wo Ante P. vor vier Jahren starb, herrschte am Jahrestag viel Betrieb. Ein „Gedenkstuhl“ soll hier künftig symbolisch den leeren
Wo Ante P. vor vier Jahren starb, herrschte am Jahrestag viel Betrieb. Ein »Gedenkstuhl« soll hier künftig symbolisch den leeren Platz sichtbar machen, den er hinterlassen hat.

Die von den Angehörigen angestrengte Revision blieb erfolglos: Der Bundesgerichtshof hob das Urteil gegen den Polizisten auf. Die Faustschläge seien als Notwehr gegen den 47-Jährigen gerechtfertigt gewesen, befanden die Richter. Ein Revisionsgericht hatte härtere Strafen gegen die Polizisten ausgeschlossen. Stattdessen sei ein weiterer Freispruch denkbar.

Zurück bleiben die Angehörigen. „Mein Bruder war in einer psychischen Krise. Er war nicht gefährlich und auch nicht unberechenbar“, erklärte der Bruder von Ante P. am Samstag. Anstatt Hilfe zu erhalten, würden psychisch Kranke in der Kriminalitätsbekämpfung zu einer Gefährdergruppe erklärt, gegen die präventiv vorgegangen werden müsse, heißt es in einer Mitteilung der „Initiative 2. Mai“.

Hinhören und Zuhören

In mehreren Andeutungen arbeitete Pfarrer Theo Hipp die Umstände des Todes von Ante P. während der Andacht ein. „Jesus selbst hörte zu und erklärte, warum alles geschehen muss.“ Deshalb seien Hinhören und Zuhören der Weg zu Jesus Christus. „Es ist bedauerlich und schade, dass wir uns mittlerweile nicht mehr zuhören und stattdessen jeder über den Marktplatz rennt und schreit: Ich habe Recht. So werden wir keine Übereinkunft erreichen“, befand Hipp. Gedenken an die Opfer von falsch verstandenem Eifer sei hingegen gut und wichtig. „Wir müssen denen mit Geduld und Respekt begegnen, die Hilfe bedürfen, und sie nicht mit dem Recht des Stärkeren unterdrücken“, betonte der Pfarrer.

Und auch die Fürbitten waren stark auf die Situation auf dem Marktplatz vor vier Jahren zugeschnitten. „Ante möge Frieden finden, und wir bitten für seine Mutter und seine Schwester, dass sie nicht verbittern und Gerechtigkeit finden.“ Ein Gedenkstuhl als leerer Platz am Straßenrand soll die Erinnerung an Ante P. wachhalten. Auch mitten im Trubel der Straßencafés an einem warmen Frühsommertag im Mai 2026.

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