Ludwigshafen Viel mehr als ein Politiker
Ludwigshafener durch und durch, leidenschaftlicher Politiker und ein sozial engagierter Mann mit viel Herz: So lässt sich der große Wirkungskreis von Berthold Messemer bündeln. In etwa jedenfalls. Heute wird der Ehrenvorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion 80.
Nach seiner Kindheit und Jugend in Friesenheim, einer technischen Ausbildung bei der BASF, dem Abendgymnasium in Mannheim und dem Studium der Maschinentechnik an der hiesigen Fachschule führte den gebürtigen Ludwigshafener die Karriere in der Anilin bis zum Leiter Soziale Hilfen. Seit 2002 ist er im Ruhestand. Allerdings nur in beruflicher Hinsicht: Denn Messemer engagierte sich in vielen Bereichen – ob in der Kirche oder in sozialen Initiativen. Dem Mann mit dem so wunderbar trockenen Humor war stets klar, dass es Menschen gibt, die weniger zu lachen haben als er. Ihnen zu helfen, das ist ihm bis heute ein Anliegen. Messemers Einsatz ging weit über die Politik hinaus. Schon früh war er ein Aktivposten in der katholischen Jugend. Er übernahm diverse Ämter in kirchlichen Gremien innerhalb der Stadt, in der Diözese Speyer, aber auch auf Bundesebene. Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist die „Aktion 72“ für unverschuldet in Not geratene Ludwigshafener, zu deren Gründern er zählt. Ferner war er Mitbegründer der Elterninitiative krebskranker Kinder beim St. Annastift und Vorsitzender des Vereins Herzinfarkt-Projekt Ludwigshafen. Hinzu kam der stellvertretende Chefposten im Aufsichtsrat der gemeinnützigen St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe GmbH, zu der neben dem Marien- und St. Annastiftskrankenhaus weitere Einrichtungen gehören, darunter der Hospiz– und Palliativ-Beratungsdienst. Aus gesundheitlichen Gründen musste sich Messemer zuletzt aus den meisten Ämtern und Funktionen schweren Herzens verabschieden. Da floss schon mal die ein oder andere Träne. Zur CDU fand er 1964. Seit 1969 im Ortsbeirat, rückte er 1972 in den Stadtrat, dem er 32 Jahre lang seinen Stempel aufdrückte. Von 1989 bis 1999 war er Fraktionschef. Im Kreisvorstand wirkte er 34 Jahre mit. Messemer war einer der Macher des Parteierfolgs in den 1990er-Jahren und hat entscheidend dazu beigetragen, dass mit Eva Lohse 2001 eine CDU-Frau als Oberbürgermeisterin ins einst „rote Rathaus“ einzog. „Das war schon eine schwierige Zeit“, sagt Messemer mit Blick auf die damalige SPD-Dominanz. „Aber wir haben die Wende geschafft.“ Gewürdigt wurden seine Verdienste unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, der Landesehrennadel, der Freiherr-vom-Stein-Plakette und dem Ehrenring der Stadt. Die CDU-Stadtratsfraktion wählte ihn nach seinem Ausscheiden aus dem Rat zu ihrem Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit. „Die CDU hat ihm viel zu verdanken. Seine politische Lebensleistung ist außerordentlich,“ sagt Kreisvorsitzender Ernst Merkel über Messemer. „Auch wegen seines politischen Instinkts ist er uns nach wie vor ein geschätzter Ratgeber. Wir sind froh, Berthold in unseren Reihen zu haben“, sagt Stadtratsfraktionschef Torbjörn Kartes. Messemer, in Maudach zu Hause, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und ist stolzer Opa von vier Enkeln, die ihn mächtig auf Trab halten. Seinen Geburtstag feiert er mit seiner Familie außerhalb von Ludwigshafen – seine Heimatstadt, auf die er nichts kommen lässt. „Ihr Image ist viel besser, als die Ludwigshafener das sagen.“