Handball
Verjüngungskur mit Folgen
Nicht einmal die Probezeit wurde erfüllt. Schon nach drei Monaten hatte Maximilian Huxoll den TuS Ferndorf wieder verlassen. Aus persönlichen Gründen hatte der Geschäftsführer beim Handball-Zweitligisten gekündigt. Das warf den Klub in eine kleine Schockstarre. Denn auf Huxoll hielten die Ferndorfer Entscheidungsträger große Stücke. Außerdem war der 32 Jahre alte Sport- und Fitnessbetriebswirt der erste hauptamtlich Angestellte in der Geschäftsleitung beim TuS gewesen.
Den überraschenden Abgang haben sie im 3863 Einwohner zählenden Stadtteil von Kreuztal zwischenzeitlich überwunden. Schließlich gab es auch erfreuliche Nachrichten. So knackte der Etat der Zweitliga-Handballer erstmals in der Vereinsgeschichte die Millionen-Marke. 1,15 Millionen Euro beträgt das Budget. Und: Die Heimspielstätte des TuS Ferndorf, die Stählerwiese, wurde modernisiert. Hinter einem Tor wurde die Wand der Schulsporthalle herausgerissen und eine neue Tribüne mit einem VIP-Raum gebaut. 30 bis 40 Leute können bei Häppchen, Wein und Sekt nun hinter einer großen Scheibe die Heimspiele verfolgen. Außerdem gab es einen neuen Hallenboden und neues Licht. 1400 Zuschauer kommen in die Sporthalle. Wegen Corona dürfen maximal 998 Sitzplätze besetzt werden. 600 Dauerkarten hat der TuS für diese Runde verkauft.
Halle für 1,6 Millionen saniert
Doch der Zuschauerzuspruch hält sich in Grenzen. Gegen Aufsteiger Hagen strömten noch 854 Zuschauer in die Halle – Vereinsrekord. 673 Zuschauer kamen im Schnitt zu den sechs Heimspielen. Bei den Eulen waren es 1693 Fans in fünf Partien. Mit der neuen Halle will Ferndorf den nächsten Schritt gehen. Immerhin hat der Umbau die Stadt als Eigentümerin der Sporthalle 1,6 Millionen Euro gekostet. Der nächste Schritt wäre, sich im gesicherten Mittelfeld zu etablieren. Das ist dem Verein die Jahre zuvor geglückt. 2018 stieg Ferndorf in die Zweite Liga auf und beendete die Runde auf Platz acht. In der Abbruch-Saison wurde der Klub Neunter. Vorige Saison schaffte Ferndorf erst nach einem wahren Kraftakt den Sprung über den Strich. Aktuell läuft es nicht rund. Tabellenletzter mit 3:19 Punkten lautet der Zwischenstand.
Warum es so mies läuft? Sieben neue Spieler kamen. Der Kader wurde verjüngt. 25,4 Jahre beträgt das Durchschnittsalter. Zum Vergleich: Die Eulen kommen auf 25,1 Jahre. Spitzenreiter ist Dormagen mit 23,2 Jahren. Die Verjüngungskur zog die üblichen Folgen mit sich. Dem Team ging viel Erfahrung verloren. Unter anderem der ehemalige Friesenheimer Patrick Weber kehrte Ferndorf den Rücken und spielt nun in der Oberliga in Saulheim. Trainer Robert Andersson musste daher erst einmal die Neuverpflichtungen integrieren. Seit 2020 ist der 52 Jahre alte Schwede Trainer im Siegerland. Er folgte auf Michael Lerscht, der zum Zweitligisten ASV Hamm/Westfalen ging. Andersson wusste aber, dass er mit einer so blauäugigen Mannschaft Schwierigkeiten bekommen würde. Deshalb war der Verein froh, dass Lucas Puhl wieder gesund ist. Der Torwart fiel ein Jahr lang wegen Rückenproblemen aus. Mit seinen 29 Jahren ist er der älteste und erfahrenste Spieler im Kader. Und Erfahrung kann Ferndorf am Samstag gegen die Eulen Ludwigshafen gut gebrauchen.