Heidelberg Verheißungsvolle Debütromane bei Heidelberger Literaturtagen

Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo legt mit „Adas Raum“ ihr Romandebüt vor.
Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo legt mit »Adas Raum« ihr Romandebüt vor.

Ein Jahr ohne Buchmessen, ohne Live-Lesungen, aber mit neuen Formaten, wie die Heidelberger Literaturtage, die erstmals bis zum 13. Juni als Hybrid-Veranstaltung stattfinden. Am Donnerstag, 10. Juni, 20.15 Uhr, wird über die „Zukunft des Buches“ diskutiert. In den kommenden Tage gibt es Ausblicke auf vielversprechende Debütromane, Jugendliteratur – und eine Schatzsuche durch die Altstadt.

Wer darf den Lachs fischen? Den Konflikt zwischen dem indigenen Volk Mi’gmaq und der Staatsgewalt in Québec nimmt der Roman „Taqawan“ von Eric Plamodon als Ausgangspunkt und gibt Einblicke in die Lebensweise der kanadischen First Nations, aber auch in die rassistische Gegenwart. Aus vielen Perspektiven geschrieben – ein Teil ist dem Aufstieg der Popikone Céline Dions gewidmet – setzt sich der Roman zu einem überraschenden Patchwork zusammen. „Taqawan“ wird am Freitag, 11. Juni, 21 Uhr, vorgestellt.

Die Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo legt mit „Adas Raum“ ihr viel beachtetes Debüt vor zu der Frage, was es bedeutet, Frau zu sein. Der in Berlin lebenden Autorin ist laut Deutschlandfunk Kultur „ein großer Wurf“ gelungen, voll sprachlicher Kraft, kunstvoll, geradezu „überambitioniert“. Sie erzählt von „Ada“, einer Frau aus einem Gebiet an der Küste Afrikas, in das die Portugiesen eindringen. 1848 ist „Ada“ eine Baronin, die eine Liebschaft pflegt, und 1945 eine Sklavin im KZ-Bordell. Die Lesung ist am Samstag, 12. Juni, 19.30 Uhr.

Ermüdender Blick auf Einfamilienhäuser

Eine Chronik der US-Geschichte ab den 80er-Jahren legt Nell Zink mit dem temporeichen „Das Hohe Lied“ vor (Sonntag, 13. Juni, 19.30 Uhr). Drei Musiker einer miesen Punk-Band in New York kämpfen sich gemeinsam durch, versuchen, den Kumpel zum Star zu machen, engagieren sich für die Umwelt und sehen sich mit der Kandidatur von Donald Trump konfrontiert.

Den Blick auf Einfamilienhäuser hat Mugo satt und steckt Martin damit an. Gemeinsam wollen sie ausbrechen, doch was wie ein Roadmovie beginnt, geht unerwartet weiter. Kein einfaches Jugendbuch sieht die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Kristin Höllers Coming-of-Age-Geschichte „Schöner als überall“ (13. Juni, 18 Uhr), sondern ein mit allen Wassern gewaschenes Debüt.

Ein außergewöhnliches Jugendbuch

Für den Jugendliteraturpreis 2021 ist „Papierklavier“ nominiert worden: Elisabeth Steinkellner spricht am Freitag, 11. Juni, 16.30 Uhr, über ihr außergewöhnliches illustriertes Jugendbuch, in dem sich Maia mit Kleidergröße 42 den üblichen Rollenvorgaben widersetzt. Ein „erfrischend anderer Weiblichkeitsentwurf“ lobt das Institut für Jugendliteratur.

Einblicke in das Leben als Comicautor gibt Aurel, der für die Tageszeitung Le Monde arbeitet und auch einen prämierten Animationsfilm „Josep“ vorgelegt hat am Freitag, 11 Juni, 18 Uhr. Ein Multitalent ist auch der Schauspieler und Buchautor Martin Baltscheit, der laut brüllen kann mit seiner Geschichte vom „Löwen, der nicht schlafen konnte“ am Samstag, 12. Juni, 13 Uhr.

Jederzeit können Lesehungrige zu einer Schatzsuche durch die Heidelberger Altstadt aufbrechen. Kurz-Lesungen verstecken sich in verborgenen Ecken und können mit einem Smartphone entdeckt werden.

 

Karten

Karten und weitere Programmpunkte unter www.heidelberger-literaturtage.de. Die Veranstaltungen finden online und im Theatersaal im Augustinum, Jaspersstraße 2, Heidelberg, statt. Unter Auflagen werden Sitzplätze je nach Pandemielage angeboten.

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