Ludwigshafen
Vandalismus in der Natur: Junge Bäume zerstört
Vier Tote stehen auf dem Michaelsberg im Maudacher Bruch und lassen die Köpfe hängen. Die Rede ist zum Glück nicht von Menschen, sondern von Bäumen. Für die Menschen im Bereich Grünflächen und Friedhöfe beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) ist das nur ein schwacher Trost, sagt Leiterin Gabriele Bindert. „Da steckt so viel Liebe dahinter. Wir pflanzen die Bäume ja nicht nur, sondern pflegen sie auch noch acht Jahre lang, damit sie einen guten Start ins Leben haben“, berichtet sie.
Die Bäume in Maudach sind außerdem Spenderbäume des Vereins „Grüner Kreis“, bei denen Privatleute extra eigenes Geld ausgegeben haben, um Bäume im öffentlichen Raum zu pflanzen. Stand jetzt ist dieses Geld quasi verpufft, auch wenn durch den Verein einmalig nachgepflanzt werden kann. „Pure Zerstörung“ – so nennt Bindert die Aktion, die sich wohl am verlängerten Wochenende zugetragen hat. Erst durch aufmerksame Passanten habe man von dem Vandalismus erfahren. Vom ideellen Wert abgesehen ist auch der Sachschaden hoch: Ungefähr 1100 Euro müsse man für jede Pflanzung ausgeben, informiert Bindert. Mal vier sind das also insgesamt rund 4500 Euro Schaden, die die Unbekannten verursacht haben.
Nachpflanzen gerade nicht möglich
Laut Bindert ist es nicht der erste Fall von Baum-Vandalismus in Ludwigshafen – nicht einmal in diesem Jahr. Anfang des Jahres habe es abgebrochene Bäume beim Begütenweiher gegeben, Ende März hätten Unbekannte zwei Bäume nahe des Bolzplatzes an der Sachsenstraße in der Gartenstraße enthauptet. Davon gibt es Fotos – wie von den dezimierten Bäumen auf dem Michaelsberg. 15 Jahre alt seien die zwei Silberlinden und zwei Spitzahorn gewesen, sagt Bindert. Erst seit Jahresanfang stehen sie dort. Nachpflanzen könne man sie jetzt nicht ohne Weiteres, denn das müsse man dann machen, wenn die Bäume kein Laub tragen – wovon man im Moment weit entfernt ist.
Eine Nachfrage bei der Polizei in Ludwigshafen ergibt, dass sie selbst keine Daten über Vandalismus an Bäumen hat. Allerdings, so eine Sprecherin des Präsidiums, könne man nur Aussagen treffen über Vorgänge, die auch tatsächlich angezeigt werden. „Wir raten immer zur Anzeige“, betont die Sprecherin. Die Frage nach dem Erfolg solcher Anzeigen sei allerdings eine andere. Denn ohne eindeutige Hinweise, wie Material einer Videoüberwachung oder Zeugenaussagen, sei es schwierig, Verdächtige zu ermitteln. Gabriele Bindert kündigt an, sie werde Anzeige erstatten. „Wer etwas gesehen hat, soll sich unbedingt melden“, so die Grünflächen-Chefin. „Denn wir haben wirklich keine Ahnung, was das soll.“