Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Vandalismus an Stromkästen bleibt für Netzbetreiber ein Dauerproblem

Beschmierungen von Verteilerkästen wie hier in der Nähe des Bahnhofs Böhl-Iggelheim sind vielerorts ein Problem.
Beschmierungen von Verteilerkästen wie hier in der Nähe des Bahnhofs Böhl-Iggelheim sind vielerorts ein Problem.

Graffiti und Aufkleber sorgen für Kosten. Zwei regionale Netzbetreiber berichten, wie sie mit den Beschmierungen umgehen – und ob Verbraucher finanziell betroffen sind.

Beschmierte Verteilerkästen sind so häufig, dass es vielen nicht einmal mehr auffallen dürfte. Ob Graffiti oder Aufkleber: Die Verschmutzungen sind ein Ärgernis. Die beiden regionalen Netzbetreiber Thüga Netze und Pfalzwerke bestätigen, dass Vandalismus an ihren Anlagen ein wiederkehrendes Problem darstellt.

Wie stark die Unternehmen betroffen sind, zeigt ein Blick in die Gemeinden im Kreis. Thüga Netze kümmert sich um die Verteilerkästen in Dannstadt-Schauernheim, Hochdorf-Assenheim und Rödersheim Gronau. Das Unternehmen beziffert die Kosten pro Reinigung eines beschmierten Verteilerkastens auf rund 250 Euro. Ein spezialisierter Malerbetrieb übernehme sowohl die Reinigung als auch das Auftragen einer Anti-Graffiti-Beschichtung. „Die Gesamtkosten in unserem Netzgebiet belaufen sich auf höchstens eine niedrige fünfstellige Summe, schwanken aber von Jahr zu Jahr deutlich“, sagt ein Unternehmenssprecher von Thüga Netze.

Einen Einfluss auf die Netzentgelte habe das nicht, betont das Unternehmen, zumal sich teilweise Kommunen an den Kosten beteiligen. Die Verwaltung der VG Dannstadt-Schauernheim hatte zuletzt beklagt, die Kosten zur Beseitigung der Schmierereien würden letztendlich auf die Allgemeinheit zukommen.

Rechtsradikale Parolen werden zur Anzeige gebracht

Ähnlich stellt sich die Lage bei den Pfalzwerken dar, die unter anderem in Mutterstadt, Neuhofen, Limburgerhof und Böhl-Iggelheim zuständig sind. Das Unternehmen äußert sich weniger konkret zu Schadenssummen, verweist aber ebenfalls auf stark schwankende Kosten. Reinigungs- oder Überarbeitungsmaßnahmen müssten immer in einem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis stehen. Aber auch die Pfalzwerke betonen: „Auf die Höhe der Netzentgelte haben solche Vorfälle keinen Einfluss.“

Unabhängig von den Kosten stellt sich für die Unternehmen auch die Frage, wie mit den Inhalten der Schmierereien umzugehen ist. Thüga Netze spricht von Sachbeschädigung, die grundsätzlich nicht geduldet werde. Bei rechtsradikalen Parolen erstatte man auch Anzeige. Der Inhalt spiele ansonsten keine Rolle. Ganz unabhängig von der Art der Schmiererei entstünden dadurch Aufwand und Kosten.

Auch die Pfalzwerke verweisen darauf, dass sie politisch motivierte, diskriminierende oder anstößige Inhalte so bald wie möglich entfernen. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass es künstlerische Gestaltungsprojekte ausdrücklich unterstütze. „Auf Anfrage der jeweiligen Gemeinde genehmigen wir gerne die künstlerische Bemalung unserer Kabelverteilerschränke – beispielsweise im Rahmen von Aktionen mit Kindergärten, Schulen oder ortsansässigen Künstlerinnen und Künstlern“, teilt eine Pressesprecherin der Pfalzwerke mit. Nach einer technischen Prüfung werde dafür ein offizieller Vertrag geschlossen.

Uneins bei Frage nach Zunahme

Ob die Zahl der Fälle zunimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Thüga Netze hat den Eindruck, dass die Beschmierungen häufiger werden. Eine aktuelle Erhebung ergab, dass derzeit 60 bis 70 Kästen im Netzgebiet betroffen sind. Auffällige Hotspots gebe es jedoch nicht. Die Pfalzwerke können eine Zunahme nicht bestätigen. Ein Problem sind die Graffiti aber, häufig sind solche mit FCK-Bezug.

Oftmals handelt es sich um „Bemalungen“ von FCK-Fans.
Oftmals handelt es sich um »Bemalungen« von FCK-Fans.

Wenn es zu Beschmierungen kommt, läuft die Beseitigung bei beiden Unternehmen ähnlich ab. Diese Aufgabe übernehmen externe Dienstleister. Bei Thüga Netze dauert eine Standardreinigung rund zwei Stunden. Nur bei massiver Beschädigung müsse ein Kasten komplett ersetzt werden. Die Pfalzwerke lassen ihre Kästen im Rahmen der regulären Wartung etwa alle fünf Jahre reinigen oder überstreichen. Eine sofortige Entfernung erfolgt nur, wenn Inhalte sicherheitsrelevant oder besonders problematisch sind. Ein Austausch ist selten und wird nur vorgenommen, wenn die technische Funktion beeinträchtigt ist.

Rechtlich gehen die Unternehmen unterschiedlich vor, je nach Art der Schmiererei. Strafanzeigen werden nur in Ausnahmefällen gestellt. Thüga Netze zeigt rechtsradikale Parolen an. Die Pfalzwerke erstatten Anzeige, wenn ein Verursacher identifiziert werden kann. Für die Netzbetreiber bleibt das Thema vor allem ein Ärgernis und ein Kostenfaktor. Für Bürger hat es jedoch keine finanziellen Folgen: Die Netzentgelte bleiben von den Schäden unberührt.

x