30 Jahre Eulen im Profihandball
TSG Friesenheim etabliert sich als neue Macht in Ludwigshafen
Der 30. April 1995 steht für einen Meilenstein im Sport der Stadt Ludwigshafen: TSG Friesenheim sicherte sich den Aufstieg in die zweite Bundesliga. Während der Fußball um den damaligen Oberligisten SV Südwest Ludwigshafen im Laufe der Jahre immer mehr in die Niederungen der Ligen versank, blühte der Handball in Ludwigshafen auf. Der Startschuss für den Profihandball in der Chemiestadt war gefallen.
Inzwischen sind fast 30 Spielzeiten vergangen und die in Eulen Ludwigshafen umgetaufte Mannschaft ist immer nicht nur im Profihandball vertreten, sondern erlebte auch sechs Spielzeiten in der stärksten Liga der Welt. Dies war aber nur möglich, weil in den Reihen der TSG Friesenheim engagierte Personen wirkten, die nicht nur die Chancen hierfür erkannt, sondern auch maßgeblich und abseits des Spielfeldes die Voraussetzungen hierfür geschaffen haben.
Ohne diese Väter wäre heute auch Profihandball in Ludwigshafen mit seinen gewachsenen Strukturen nicht möglich. Wenn es um die Anfänge um den Bundesliga-Handball geht, dann fallen immer wieder die Namen von des damaligen Teammanager Günter Gleich, Handball-Abteilungsleiter und Bundesliga-Obmann Rudolf Heßler, Freundeskreis-Vorsitzender Herbert Schuler und Gesellschafter Winfried Kaiser.
Die Titelhamster
Sie gelten aber auch für viele andere, die sich ebenso um die späteren Eulen verdient gemacht haben. Mit der sechsten Meisterschaft in Folge und dem zweiten Anlauf in der Relegation zur zweiten Bundesliga gab es kein Zurück mehr. „Als wir in der Oberliga Meister wurden habe ich gesagt, wir wollen eines Tages Bundesliga spielen“, erinnerte sich Rudolf Heßler.
Es war keinesfalls vollmundig gedacht, sondern der heute 69 Jahre alte Versicherungsfachwirt begründete dies mit einer Vision, die man braucht, um Ziele zu erreichen. Dass ihm damals schon einige Personen gesagt habe, das werde nicht funktionieren, daraus macht Heßler keinen Hehl. „Wir hatten damals einen Trainer, der für diese Aufgabe zur TSG gepasst hat“, erzählte Heßler: Wilfried Job.
Etwas fehlt
Was war aber damals direkt fehlte, war die wirtschaftliche Struktur für den Profihandball. „Uns war klar, dass wir schnellstmöglich auch wirtschaftlich die Weichen für die zweite Liga stellen mussten“, erzählt Günter Gleich. Zusammen mit seinem vier Jahre älteren Freund Herbert Schuler hob er 1985 den Freundeskreis „TSG Friesenheim – Handball“ aus der Taufe.
Ein Kreis von Förderern, was es zumindest in der Pfalz noch nicht gab. Der 83 Jahre alte ehemalige Manager der Mannschaft erinnerte sich auch noch daran, als er an einem Sonntagvormittag mit seinem Freund Schuler zum Schwimmen nach Bad Dürkheim fuhr und ihm klar machte, dass andere Wege kommen müssen, um Profihandball in Ludwigshafen zu realisieren.
Stichwort: Gemeinnützigkeit. „Der Freundeskreis durfte kein Profihandball unterstützen“, erinnerte sich Gleich. Aber der erste Schritt war ein Darlehen, das dieser mit einer Ausnahmegenehmigung aufnahm. „Das, was wir damals geschaffen haben, gab es davor noch nicht“, erzählt der 87 Jahre alte Schuler.
Leicht war der Weg nicht, auch wenn zahlreiche Unterstützer gewonnen werden konnten. Allen voran die Stadt mit ihren Tochtergesellschaften. In den ersten beiden Jahren lief das noch ohne Gründung einer GmbH. „Das wurde dann auch vom DHB gefordert“, ergänzte Heßler, der in den Gremien des Deutschen Handball-Bundes (DHB) auch Ulrich Gaißmayer (TUSEM Essen) und Rudi Hartz (TV Niederwürzbach) kennen und schätzen lernte.
Heßler lernt
„Der Austausch war Gold wert, wir waren ja im Profihandball Neuling und wir konnten von den anderen nur lernen“, sagte Heßler. „Wir mussten von heute auf morgen Gema-Gebühren entrichten, Gelder an die Berufsgenossenschaft abführen und auch eine Umlage an den DHB, alles Dinge, die wir damals noch nicht kannten“, so Heßler.
Leicht war es nicht, aber man hatte Visionen. Nicht nur einmal Bundesliga spielen, sondern auch in der Ebert-Halle. Auch wirtschaftlich schaffte man das Fundament: Winfried Kaiser, Günter Gleich, Rudolf Heßler, Herbert Fürst und Günter Eigeldinger engagierten sich als Gesellschafter, um den Profihandball aus dem Verein auszugliedern und eine GmbH zu gründen.
Weichenstellungen
Es waren die ersten Weichen, um wirtschaftlich den Spielbetrieb abzusichern. „Anders hätten wir keine Möglichkeit gehabt, Spieler zu verpflichten“, erzählt Kaiser. Es wurden die ersten Profis verpflichtet. Zu denen gehörten Sergej Ladigin, den man aus Israel nach Ludwigshafen holte und der spätere Olympiasieger Lew Woronin.
Die damaligen Gesellschafter zogen an einem Strang. „Darauf bin ich heute sehr stolz, dass wir das gemeinsam geschafft haben“, sagte Heßler. Nur zwei Jahre später wurde der Kreis der Gesellschafter nochmals erweitert. Die damalige Lubege mit ihrem Geschäftsführer Ulrich Gaißmayer und die TSG Friesenheim erweiterten das Stammkapital der GmbH.
Dabei blieb es nicht. Die TSG Friesenheim bemühte sich um mehr Sponsoren. Ein besonderes Augenmerk legte man damals schon auf einen Trikotsponsor mit überregionalem Bekanntheitsgrad. Diesen fand man mit der Südzucker AG mit Hauptsitz in Mannheim. Vorstandsvorsitzender war damals Theo Spettmann, der ein großes Herz für den Handball in Friesenheim zeigte und auch sein Wort beim Aufstieg hielt.
Süße Sicherheit
„Die Südzucker mit Theo Spettmann hat ganz entscheidend wirtschaftlich uns die Sicherheit für den Spielbetrieb gegeben“, sagte Gleich. Auch Winfried Kaiser lobte ausdrücklich das Engagement von Spettmann, der später auch als Gesellschafter nach dem Ausscheiden von Gaißmayer für die Lubege einstieg.
„Die Südzucker und die TSG Friesenheim, das war mehr als nur eine Partnerschaft“, erinnert sich Kaiser. Der 82 Jahre alte ehemalige Unternehmer machte kein Geheimnis daraus, dass die ersten Jahre nicht immer einfach waren. Der nächste Schritt war ein hauptamtlicher Geschäftsführer. „Mit Werner Fischer haben wir sehr viel Sach- und Fachverstand in die GmbH bekommen“, erinnert sich Kaiser.
Dazu verfolgte Fischer die These, dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben. Erst Axel Simon, dann Christian Dissinger schafften es bis ins Nationaltrikot. Der ehemalige Trainer und gelernte Versicherungsfachwirt leitete als Geschäftsführer von 1997 bis 2015 die Geschicke der Bundesliga-Mannschaft.
Dauerbrenner Fischer
Keine andere Person wirkte länger als Fischer. Ein Novum im deutschen Handball. Ihm folgten Verena Dietrich (1,5 Jahre), Markus Endlich (2 Jahre) und Lisa Heßler (6 Jahre). Nach einem Jahr an der Spitze wurde Domenico Marinese Ende März von seinen Aufgaben entbunden, ehe zum 1. April 2026 Andreas Olbert diese Aufgabe übernahm.
Der 55-jährige gilt als der Hoffnungsträger, der für mehr Ruhe und Kontinuität innerhalb der GmbH sorgen soll. Den ersten Schritt hat der neue Mann bereits getan. Er hat Rudolf Heßler und Winfried Kaiser, die über Jahrzehnte sehr viel für die Eulen getan haben, ebenso wie die Macher von damals zum Jubiläumsspiel am kommenden Freitag eingeladen.
Dann werden Herbert Schuler, der noch in den letzten Tagen aus gesundheitlichen Gründen in der Klinik weilte, wie Günter Gleich beim Wiedersehen mit der Aufstiegs- und der Mannschaft im ersten Bundesliga-Jahr ebenfalls dabei sein. Ohne diese Personen im Hintergrund, wäre 30 Jahre Bundesliga Eulen Ludwigshafen wahrscheinlich nicht möglich gewesen.