Ludwigshafen/Mannheim Traurige Corona-Bilanz: 171 Männer in Quarantäne, erste Todesfälle in Mannheim

Die betroffene Unterkunft liegt in der Mannheimer Straße.
Die betroffene Unterkunft liegt in der Mannheimer Straße.

Die Stadt Ludwigshafen hat 171 Bewohner einer Unterkunft für Asylsuchende in Oggersheim unter Quarantäne gestellt – „aus Gründen des Gesundheitsschutzes“, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heißt. Zwei Männer waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Mannheim vermeldet die ersten beiden Corona-Todesfälle: zwei 80-jährige Männer mit einer Vorerkrankung.

Da die Bewohner innerhalb der Unterkunft Gemeinschaftseinrichtungen nutzen oder sich Räume teilen, habe eine Quarantäne für alle angeordnet werden müssen. „Wir ergreifen konsequent alle erforderlichen Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Deshalb haben wir diesen Schritt vollzogen. Wenn Menschen nah miteinander leben, ist die Gefahr, dass das Virus sich weiterverbreitet, einfach gegeben. Deshalb mussten wir schnell und entschlossen handeln“, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). „Wir informieren die Bewohner, was nun zu tun ist, und warum wir welche Entscheidungen treffen mussten. Natürlich ist dies keine leichte Situation. Die Versorgung der Bewohner wird gewährleistet, niemand wird allein gelassen“, betonte Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Die Stadtverwaltung sei auf solche Szenarien vorbereitet, auch wenn sie eine Herausforderung darstellten.

Männer dürfen zwei Wochen nicht raus

„Wir setzen auf klare Kommunikation, damit alle wissen, woran sie sind. Dies gilt für die Betroffenen, aber auch die Öffentlichkeit“, so die OB. In der Unterkunft sind derzeit 171 Männer untergebracht, die auf engem Raum zusammenleben müssen. Die Quarantäne bedeutet, dass die Unterkunft in den kommenden zwei Wochen nicht verlassen werden darf.

Seit Jahren chronisch krank

Mannheim vermeldet im Zusammenhang mit dem Coronavirus die ersten beiden Todesfälle. Es handelt sich dabei um zwei über 80 Jahre alte Männer aus der Quadratestadt. Sie hätten seit mehreren Jahren an schwerwiegenden chronischen Erkrankungen gelitten. Einer der Männer verstarb am Dienstag, der zweite Mann am Mittwoch in einem Mannheimer Krankenhaus.

OB Kurz: Anteilnahme gilt den Familien

„Leider mussten wir damit rechnen, dass auch unsere Stadt irgendwann solche traurigen Nachrichten erreichen. Unsere Anteilnahme gilt den Familien der Verstorbenen. Uns allen wird in diesem Moment sehr deutlich bewusst, wie ernst die Situation ist und dass wir noch nicht über eine Entwarnung sprechen können. Und diese ersten beiden Todesfälle zeigen auch, wie wichtig die Reduzierung von sozialen Kontakten ist, um die vorerkrankten und die älteren Menschen zu schützen“, sagte Mannheims OB Peter Kurz (SPD) am Mittwoch. Dem Gesundheitsamt Mannheim wurden bis Mittwochnachmittag 15 weitere Fälle von nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen gemeldet. Damit erhöht sich die Anzahl der bestätigten Fälle insgesamt auf 251. Bislang sind in Mannheim 71 Personen genesen. Die überwiegende Anzahl aller in Mannheim bislang nachgewiesenen Infizierten zeige nur milde Krankheitsanzeichen und könne in häuslicher Quarantäne verbleiben.

91 Fälle in Ludwigshafen, 121 im Landkreis

Auch in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis steigt die Anzahl der bestätigten Corona-Fälle weiter. Am Mittwochnachmittag sind für den Rhein-Pfalz-Kreis 121 bestätigte Fälle registriert worden, acht mehr als am Dienstag. Für Ludwigshafen vermeldet das beim Kreis angesiedelte Gesundheitsamt 91 Fälle, fünf mehr als am Dienstag.

Bereits 24 Helfer-Einsätze

Auf große Resonanz stößt laut Stadtverwaltung das kürzlich gegründete Netzwerk „Hilfe Jetzt – für Senioren in Ludwigshafen“, das während Zeit der Corona-Krise Ältere unterstützen soll, die nicht auf familiäre und nachbarschaftliche Hilfen zurückgreifen können. Innerhalb von einer Woche seit Beginn des Projekts der Seniorenförderung haben sich 62 Bürger und diverse Organisationen gemeldet.

Senioren und Menschen, die zur Risikogruppe gehören, haben dadurch die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben, um sich keiner Gefährdung auszusetzen. Bisher gab es 24 Einsätze. Bei dem Projekt werden Senioren ehrenamtliche Helfer aus ihrem Stadtteil vermittelt. Diese gehen für sie einkaufen, besorgen Rezepte oder Medizin. Die Vermittlung erfolgt telefonisch, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr unter 0621/504-2699.