Mannheim Tragischer Tod eines Polizisten: Mannheim trauert

Anlässlich des ersten Jahrestags des tödlichen Angriffs auf Polizeihauptkommissar Rouven Laur, erinnert die Stadt Mannheim mit e
Anlässlich des ersten Jahrestags des tödlichen Angriffs auf Polizeihauptkommissar Rouven Laur, erinnert die Stadt Mannheim mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung an ihn. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kniet vor der Gedenktafel.

Sein Tod bewegte das Land. Am 31. Mai 2024 wurde der Polizist Rouven Laur Opfer eines Messerangriffs am Mannheimer Marktplatz.

Zum Jahrestag hat Mannheim mit einer Gedenkfeier an den 29-jährigen Polizisten erinnert, der anderen das Leben rettete, für den jedoch jede Hilfe zu spät kam.

Um 15 Uhr ist der Marktplatz am Samstag voller Menschen. Und doch ist es betroffen still. Etwas zaghaft stehen die Passanten weit von der aufgebauten Bühne entfernt. Manche halten Blumen in der Hand, andere Einkaufstüten oder das Smartphone. Sie alle sind nur einem Menschen zuliebe da, der selbst nicht mehr da sein kann. Denn vor genau einem Jahr, am 31. Mai um kurz vor 15 Uhr, da war der Marktplatz menschenleer und abgeriegelt. „Aus einem Ort des Dialogs und des fröhlichen Miteinanders wurde binnen Sekunden ein Ort des Schreckens und Verbrechens“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) nun vor rund 1.500 stillen Zuhörern, zu denen auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zählt.

Im Gedenken vereint: Thomas Strobl, Christian Specht, Alexander Dobrindt, die Schwester und die Mutter von Rouven Laur sowie Ulr
Im Gedenken vereint: Thomas Strobl, Christian Specht, Alexander Dobrindt, die Schwester und die Mutter von Rouven Laur sowie Ulrike Schäfer und Stefanie Hinz am Tatort, wo nun eine die Gedenkplatte an Rouven Laur erinnert.

Rouven Laur war als Polizist inmitten der Europawahl dem Stand der islamfeindlichen Bürgerbewegung Pax Europa zugeteilt, als ein 25-jähriger Afghane plötzlich auf Teilnehmer der Kundgebung einstach. Der Polizist griff ein, wurde mit dem Messer mehrmals an Kopf und Nacken verletzt und starb zwei Tage später an den Folgen. Oberbürgermeister Specht würdigte in seiner Rede das Leben des „freundlichen Polizeibeamten“, der Arabisch lernte, um vielen Mitmenschen in seinem Polizeirevier auf Augenhöhe zu begegnen. „Sein Anliegen war es, denen zu helfen, die seine Hilfe benötigten“, so Specht.

Specht ruft zum Zusammenhalt auf

Rouven Laurs grausamer Tod habe eine politische Debatte über Zuwanderung, Abschiebung und Schutz vor religiösem Fanatismus ausgelöst. „Doch manche Beiträge waren spaltend und herabwürdigend. Die Frage von Gut und Böse ist keine Frage nach Religion, Herkunft oder Hautfarbe“, sagt Specht – und erntet dafür großen Beifall. Es sei ein afghanischer Arzt gewesen, es sei Nima Etminan, der Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim gewesen, der bis zuletzt um das Überleben des Polizisten kämpfte.

Blumen und Kerzen bei einer Gedenkminute in vergangenen Juni auf dem Marktplatz in Mannheim zum Gedenken an den getöteten Polizi
Blumen und Kerzen bei einer Gedenkminute in vergangenen Juni auf dem Marktplatz in Mannheim zum Gedenken an den getöteten Polizisten Rouven Laur.

„Es darf keine pauschalen Verdächtigungen gegen Gruppen geben. Das ist Gift für den Zusammenhalt in einer Stadt“, betont Specht daher – und auch die Familie des Verstorbenen wird zitiert. Die Gedenkfeier selbst sei für die anwesenden Familienmitglieder nur schwer zu ertragen. Ein Jahr ohne den geliebten Sohn und Bruder fühle sich wie eine Ewigkeit an, und gleichzeitig so, als wäre es gestern gewesen. Man hoffe, dass sein Tod nicht umsonst war.

„Es sind nicht Messer, die Menschen töten“

Waffenverbotszonen, wie sie in Mannheim bereits im Dezember 2023 eingeführt wurden, mögen ein guter Anfang sein. „Aber es sind nicht die Messer, die Menschen töten. Es sind die Menschen, die sich damit für Gewalt entscheiden – gegen andere, gegen das Leben.“

„Wer die Polizei angreift, greift unseren Rechtsstaat, der greift uns alle an“, sagt Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). Der Tod des „herzensguten Menschen“ Rouven Laur sei dafür ein mahnendes Beispiel, er werde nicht vergessen. „Ich habe aber auch das Gefühl, dass Bürger wieder enger an die Polizei heranrücken, um sie zu stützen. Das tut gut, das gibt Kraft“, betont Strobl.

Passanten sind bewegt

Auch viele Passanten rücken näher an die Bühne heran, als das Landespolizeiorchester „Fanfare for the Common Man“ spielt. Andrea Schick aus Heidelberg beobachtet die Gedenkfeier mit zwei Freundinnen zunächst aus der Distanz. „Ich frage mich, wie sich die Polizisten heute fühlen“, sagt sie über die Spannung aus Trauer und Sicherheitsarbeit. „Das war so brutal und furchtbar, wir kommen oft und legen Blumen und Kerzen nieder. Es ist alles so intensiv, man hat so einen Bezug aufgebaut, als hätten wir Rouven wirklich gekannt“, erklärt sie ihre Gefühlswelt.

Personen berühren die Bodenplatte die in Gedenken an Rouven Laur auf dem Marktplatz eingelassen wurde.
Personen berühren die Bodenplatte die in Gedenken an Rouven Laur auf dem Marktplatz eingelassen wurde.

Nach einem interreligiösen Friedensgebet mit Vertretern der christlichen, jüdischen, alevitischen und muslimischen Gemeinden legen die Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz und die Mannheimer Polizeipräsidentin Ulrike Schäfer unter Glockengeläut weiße Rosen am Marktplatzbrunnen nieder – und ein Stadtpunkt wird enthüllt.

Die Infotafel zeigt ein freundliches Bild von Rouven Laur im Polizeihemd und wird nun dauerhafter Ort des Gedenkens sein. Wie auch eine am Tatort eingelassene Gedenkplatte mit drei silbernen Sternen, die den Dienstgrad des Polizeihauptkommissars symbolisiert.

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