Ludwigshafen Toilette vor die Bahn geweht
Bis weit nach Mitternacht waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk am stürmischen Sonntag gefordert. Die starken Windböen führten zu insgesamt 151 Einsätzen im Stadtgebiet. Von Schäden im Bereich von 330.000 Euro spricht die Polizei für das Präsidiumsgebiet, das sich von der Süd- bis in die Vorderpfalz erstreckt. Und dann gab es da noch einen ziemlich kuriosen Fall.
Günther Bartl ist seit 44 Jahren Wagenführer in der Straßenbahn, aber so etwas hat er noch nicht erlebt. „Ich staunte nicht schlecht“, beschreibt er die Situation, die sich ihm am Sonntag um 15.15 Uhr direkt vor dem Fahrzeug auf dem gepflasterten Untergrund an der Kreuzung Stein-/Hohenzollernstraße bot. Orkanartige Böen hatten eine mobile Baustellentoilette wie einen Pappkarton kurzzeitig auf die Schienen geweht „und meinen Fahrweg versperrt“, wie Bartl berichtet. Im wahrsten Wortsinn umwerfend war die Wirkung von Sturmtief „Eberhard“ andernorts. In der zentralen Bismarckstraße wurden massive Sonnenschirme trotz beschwerender Betonplatten einfach umgeblassen. Um die Ecke sperrte die Polizei die Wredestraße ab, weil Dachteile der Kirche St. Ludwig herabzufallen drohten. In der Budapester Straße in der Pfingstweide knickten Bäume wie Streichhölzer um. Und in Ruchheim wurde eine große Terrassenabdeckung bis auf ein Hausdach hinaufgewirbelt. Ab 11.30 Uhr zog die Unwetterfront über die Stadt und weite Teile des Rhein-Pfalz-Kreises. Durch den Parallel-Einsatz von 29 Feuerwehrfahrzeugen konnten bis zu 18 Unglücksorte zeitgleich abgearbeitet werden, berichten die Verantwortlichen, die 133 Einsatzkräfte für die Beseitigung der Schäden auf das Stadtgebiet verteilten. 1600 Notrufe gingen bei der Integrierten Leitstelle ein. Mehrere Bäume stürzten auf Häuser, Oberleitungen und Autos. Lose Dachziegeln, Blechverkleidungen und Kamine mussten durch Rettungsteams gesichert beziehungsweise abgetragen werden. Laut Feuerwehrchef Stefan Bruck wurde niemand schwerwiegend verletzt. Die Polizei rückte im Präsidiumsgebiet zu 290 Einsätzen aus. 60 Gebäude und 65 Fahrzeuge wurden durch herabfallende Äste und herumfliegende Gegenstände demoliert. Dadurch entstand ein geschätzter Gesamtschaden in Höhe von 286.500 Euro. Auch der Verkehr war lange Zeit beeinträchtigt. 37 Straßen im Präsidiumsbereich wurden vorübergehend gesperrt. Es gab 30 Verkehrsunfälle mit Blechschäden in Höhe von 44.000 Euro. Rhein-Pfalz-Kreis/Südwest