TV-Kritik RHEINPFALZ Plus Artikel Tod an der Hochstraße: Der neue „Tatort“ aus Ludwigshafen

Die Ludwigshafener Ermittlerinnen Johanna Stern (Lisa Bitter, links) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).
Die Ludwigshafener Ermittlerinnen Johanna Stern (Lisa Bitter, links) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

Im neuen Fall ermittelt TV-Kommissarin Lena Odenthal vermeintlich in Frankenthal. Gleich drei Morde hat sie aufzuklären.

In die Nachbarstadt Frankenthal führt der Ludwigshafener „Tatort: Mike & Nisha“ zunächst und immer wieder, und zwar exakt in den Emil-Nolde-Ring. Hier wohnen „ruhige, anständige Leute“, heißt es. Aber danach sieht es im ungewöhnlichen 82. Fall für Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) überhaupt nicht aus, und danach hört es sich auch keineswegs an. „Da sind Schreie zu hören und Gepolter, als ob ne Sau geschlachtet wird“, formuliert eine besorgte Nachbarin bildlich.

Den „Emil-Nolde-Ring“ gibt es in Frankenthal unweit der Isenach tatsächlich. Und zumindest so ungefähr wie am Sonntag im „Tatort“ sieht dort die Bebauung auch aus. Freistehende, von ihren gepflegten Gärten umgebene Einfamilienhäuser. Anständig und auch ruhig, wenn die B9 nicht so nah wäre, mag es hier durchaus zugehen, alleine der im Grunde simpel gestrickte, aber effektiv umgesetzte „Tatort“ von Annette Lober (Buch) und Didi Danquart (Regie) zeichnet ein ganz anderes Bild. Die Anwohner der Straße am Rande der Stadt verhalten sich dreist, bespitzeln sich gegenseitig, und schließlich geschehen alle drei Morde, die Odenthal mit ihrer Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) aufzuklären hat, genau hier.

Dreh in Karlsruhe

Oder auch nicht, denn gedreht wurden die „Frankenthaler“ „Tatort“-Szenen in der Bergwaldsiedlung in Karlsruhe-Durlach, in der dem Filmteam praktischerweise zwei benachbarte, leer stehende Bungalows zur Verfügung standen. „Um Frankenthal als Ort des Geschehens zu beglaubigen, wurde ein realer Straßenname verwendet“, vermeldet der SWR auf Anfrage. Die drei Hausnummern (43, 58 und 60) jedoch, die im „Tatort“ eine Rolle spielen, gebe es im echten Frankenthaler Emil-Nolde-Ring immerhin nicht.

Weniger den Ludwigshafener Kommissarinnen als den jungen Titelhelden Mike (Jeremias Meyer) und Nisha (Amina Merai) folgen wir in diesem „Tatort“, und nicht selten im Auto. Vom Beginn, als sie unsicher in Frankenthal ankommen, bis zum Ende, als sie inmitten von Ludwigshafen ihren Renault Kangoo – und die Welt – verlassen. Junge Täter, die dem Ludwigshafener Format gut tun, weil sie die Kommissarinnen einmal auf Trab halten.

Ausgestellte Typen

Besonders zeichnet sich der Fall aber durch den morbiden Humor und die eindringlich gestalteten Typen aus dem Emil-Nolde-Ring aus, die von Anna Stieblich (als Gerlinde Wagner), Bruno Cathomas (Vater Schaub) und Wolf Bachofner (Nachbar Ramthor) weniger realistisch dargestellt als deutlich ausgestellt werden. Den Dialekt, der den „Tatort“ ähnlich wie seine Schauplätze in der Pfalz verortet, steuert als Kommissarsanwärterin Mara Hermann besonders Davina Chanel Fox aus Hochspeyer bei. Sowie die Landauer Schauspielerin Melanie Leyendecker in einer leider sehr kleinen Rolle in einer Diabetes-Praxis.

Vom nahen Frankenthal über das ferne Frankreich erreichen „Mike & Nisha“ schließlich die Ludwigshafener Stadtmitte. Vorbei an der Bahnhofstraße, durch die Zollhof- und die Kaiser-Wilhelm-Straße fahren sie auf die im Abriss begriffene (gedreht wurde am 15. Juli 2024) Hochstraße Süd. Damit rückt im „Tatort“ die Stadt endlich einmal so in den Blick, wie sie seit Jahren aussieht. Mike am Steuer durchbricht die Absperrungen der Großbaustelle und fährt da, jetzt kommt es auch nicht mehr darauf an, wo er eigentlich gar nicht fahren dürfte. Erst kurz vor der Abbruchkante kommt ihr Kombi zum Stehen. „Was fürn Trip!“, meint Nisha, bevor die Kamera aufsteigt und allmählich die Hochstraße, die Stadt und im Hintergrund das Haardtgebirge den Bildschirm ausfüllen.

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