Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Tiersegnung: Befreiungsgeschichten und Aufruf zur Fürsorge

In der Rolle des Franz von Assisi überzeugt vor der Oggersheimer Wallfahrtskirche der neunjährige Elias, in der des „Wolfs von G
In der Rolle des Franz von Assisi überzeugt vor der Oggersheimer Wallfahrtskirche der neunjährige Elias, in der des »Wolfs von Gubbio« die vierjährige Hundedame Misia.

Mit rund zwei Dutzend Vierbeinern sind am Sonntag deren Halter zur Tiersegnung an die Oggersheimer Wallfahrtskirche gekommen. So lief die Zeremonie ab.

Mit gemächlichen Schritten umrundet der neunjährige Elias den Platz vor der Wallfahrtskirche in Oggersheim. In der braunen Kutte, die mit einer Kordel gehalten wird, stellt er den Heiligen Franz von Assisi (1182-1226) dar. „Die Franziskaner beschäftigen sich seit 800 Jahren mit der Natur“, erklärt Pater Mateusz aus dem Oggersheimer Franziskaner-Minoritenkloster noch vor dem darstellenden Spiel. Er begründet damit auch die seit vielen Jahren währende Tradition der Tiersegnung durch Mitglieder des Ordens.

Unterdessen macht der junge Franz Halt an einer Box, in der zwei Tauben sitzen. Eine kurze Verständigung mit dem Besitzer der Holzkiste folgt, dann öffnet er den Transportkäfig und entlässt zuerst eine, dann eine zweite Taube in die Freiheit. Das Geschehen wird von lautem Bellen der Hunde begleitet. Aber damit ist das Spiel noch nicht beendet. Der junge Franz trifft auf seiner weiteren Runde auf einen „Wolf“, dargestellt von Misia, einem Altdeutschen Schäferhund in der Langhaarvariante. Langsam und vorsichtig nähert er sich dem Tier. Der vermeintliche Wolf setzt sich auch gleich brav, reicht dem Jungen sogar die Pfote. Elias wird damit erneut seiner Rolle als Heiliger gerecht. „Am Karfreitag verkörperte er bereits souverän Jesus für die Pfarrgemeinde“, verrät Mateusz Klosowski.

Nur äußerlich Ähnlichkeit mit Wolf

Die beiden vorgeführten Szenen gehen auf überlieferte Episoden aus dem Leben Franz von Assisis zurück. In einer von zahlreichen Befreiungsgeschichten schenkt er Turteltauben, die ein Junge auf dem Markt verkaufen will, die Freiheit. Franzikus’ Absicht dabei: sie nicht in die Hände grausamer Menschen fallen zu lassen, die sie töten wollen. Auch die Episode mit dem „Wolf von Gubbio“ ist eine dieser überlieferten Geschichten. Franziskus begegnet darin der Gewalt in Form eines wilden Tieres. Sinnbildlich steht dies für den „Wolf im Menschen“, der Angst und Schrecken verbreitet. Er tritt der Bestie gewaltfrei und mutig entgegen, erkennt die Bedürfnisse des Tieres an und erlöst das Dorf von den Schrecken des bösen Wolfs.

Bereits im vergangenen Jahr lernten sich Pater Mateusz und Jürgen Venzke vom Vogelverein Oggersheim kennen. Der Besitzer der zwei Brieftauben erklärte sich gerne dazu bereit, mit den beiden an der Zeremonie teilzunehmen. Denn er weiß, dass sie nach der Freilassung in wenigen Minuten ihr sicheres Zuhause erreichen können. Auf Misia, den vierjährigen Hund der Familie Luz, ist Pater Mateusz aufmerksam geworden, weil die Kinder regelmäßig die Gruppe Miriam im Kloster besuchen. „Seine Ähnlichkeit mit dem wilden Wolf aus der Geschichte besteht jedoch lediglich im Äußeren. Vom Wesen her ist es ein äußerst gutmütiges Weibchen“, weiß Besitzer Philipp Luz.

Katze bleibt in ihrer Box gelassen

Die an der Oggersheimer Wallfahrtskirche versammelten Hunde und die Katze erhalten schließlich reihum ihren Segen mit einem Spritzer Weihwasser. Begeistert sind davon nicht alle der Vierbeiner: Obwohl Mateusz Klosowski sparsam mit dem Weihwasser umgeht, windet sich so manches Tier vor dem unerwarteten Nass. Ein kleiner Spitz macht sogar eine 180-Grad-Drehung auf den Armen seiner Besitzerin.

Simba, ein Labrador-Schäferhund-Mix, ist vor der Zeremonie sichtlich ängstlich. „Er ist aus der Tiernothilfe“, berichtet seine Besitzerin, Barbara Barteldes. Es tue ihm gut, wenn andere Hunde dabei sind, erklärt sie. Tiere gehörten zur Familie, daher sei ihr die Segnung Simbas sehr wichtig. Auch er weicht vor den Wasserspritzern zurück. Die Katze hingegen nimmt die Segnung im Kreis der zahlreichen Hunde gelassen hin. Schließlich sitzt sie die ganze Zeit sicher in ihrer Box.

Viele der kleineren Vierbeiner bedauern offenbar, dass die Segnung so schnell vorbei ist. Denn die Gelegenheit, mit so zahlreichen anderen Hunden zu spielen, bietet sich schließlich nicht jeden Tag. Zum Abschluss mahnt der Pater: „Die Tiere brauchen eure Zuwendung. Bitte sorgt auch weiterhin gut für sie.“

x