Festival des deutschen Films RHEINPFALZ Plus Artikel Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl auf der Parkinsel

Udo Wachtveitl hat gerade seine allerletzte Tatort-Folge abgedreht.
Udo Wachtveitl hat gerade seine allerletzte Tatort-Folge abgedreht.

2026 steht das Ende des Münchener „Tatort“-Ermittler-Duos bevor. Auf dem Ludwigshafener Filmfestival stellte Schauspieler Udo Wachtveitl eine der letzten Episoden vor.

Um Weihnachten herum wird der „Tatort: Das Verlangen“ voraussichtlich ins Fernsehen kommen, und er beginnt auch weihnachtlich-winterlich mit einem festlich geschmückten Tannenbaum, Theaterschnee aus Styropor und einer Weihnachtsvorstellung auf der Bühne. Ebenso ein weiterer Beitrag im Programm des Festivals, „Weihnachtsüberraschungen“ mit „Tatort“-Kommissar Harald Krassnitzer und seiner erst jüngst abgedankten Kollegin Margarita Broich, nimmt ja bereits im August das erst in Monaten anstehende Fest der Feste vorweg.

Im BR-„Tatort“ jedoch ist gleich darauf wieder Sommer, und es findet sich schon die zweite tote Schauspielerin auf beziehungsweise über der Bühne, die die Frage aufwirft, wie es dazu hat kommen können. Auftritt also für die souveränen Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) beziehungsweise Eintritt in die Welt des Theaters, die sie, bis sie beide Fälle geklärt haben, über 90 spannende Krimi-Minuten kaum mehr verlassen werden.

97. Tatort-Fall

In Landshut, Innsbruck, Hamburg sowie am Münchner Volkstheater habe er selbst gewirkt, berichtet Wachtveitl auf der Parkinsel. „Aber durch diese langjährige und das Jahr taktende „Tatort“-Tätigkeit hat sich natürlich auch kein Festengagement mehr ergeben.“ Umso mehr gibt ihm der neue, sein 97. „Tatort“ nun Gelegenheit, durchaus selbstironisch Schauspieler und die Schauspielkunst in den Blick zu nehmen. „Schauspieler! Die verdienen ihr Geld damit, dass sie Geschichten erzählen“, stöhnt er da. „Ich treffe so viele Menschen, die mir irgendwas vorspielen. Mein Bedarf ist gedeckt.“ Er schimpft auf „dieses Schauspielergehabe“ und bezweifelt überhaupt den Wert von Fernsehdarstellern, verglichen mit denen, die Abend für Abend für die hohe Kunst auf der Bühne stehen.

1990 stand Wachtveitl an der Seite von Miroslav Nemec erstmals selbst für einen Münchener „Tatort“ vor der Kamera. Damals jung und brünett, sind beide mittlerweile fast gleichermaßen ergraut, so dass sie gerne auch mal als die „Silberlocken“ der langlebigen Krimireihe bezeichnet werden. Vor sechs Wochen, berichtet der bayerische Besucher in Ludwigshafen, haben sie die Dreharbeiten für ihre letzten beiden „Tatorte“, Nummer 99 und 100, abgeschlossen, die im nächsten Jahr als Doppelfolge das Finale ihrer Dienstzeit bedeuten sollen.

35 Jahre Tatort-Kommissar

„Ich spüre noch keine Entzugserscheinungen“, vermeldet Wachtveitl. „Das heißt nicht, dass ich es nicht wahnsinnig gerne gemacht habe. Aber es gibt einfach so eine Art von Gefühl dafür, dass es jetzt Zeit ist aufzuhören, nach hundert Stück.“

In ein Loch fallen, werde er deswegen nicht, versichert der 66-jährige gebürtige Münchener. 35 Jahre als „Tatort“-Kommissar bedeute nicht die gleiche berufliche Beanspruchung wie 35 Jahre als Chirurg oder U-Bahn-Fahrer. „Der Tatort hat uns ungefähr drei gute und anstrengende Monate im Jahr beschäftigt. Das heißt, neun Monate hatten wir eh schon Zeit, uns daran zu gewöhnen, wie es ist, wenn man nicht Tatort dreht.“ Auch sei er über die Jahre nicht selbst zum Polizisten und Ermittler mutiert, bekräftigt der Schauspieler, Sprecher, Regisseur und Autor glaubhaft: „Die Identifikation geht nicht so weit, dass ich abends mal so durch das Viertel streiche und schaue, ob da irgendwo eine Leiche liegt.“ Da bestehe durchaus noch eine gewisse professionelle Distanz zwischen seiner Person und der Rolle, selbst wenn er sie über Jahrzehnte verkörpert habe. „Man ist nicht so sehr damit verheiratet, dass man das gar nicht mehr trennen könnte. Das ist ein Beruf, der fängt an und hört auch irgendwann auf. Für mich hat er jetzt, was die Ausprägung Leitmayr betrifft, ganz aufgehört.“

Zurück ans Theater denkbar

Das Ende seines Berufslebens überhaupt bedeute das nicht. „Hörspiele, Lesungen“, stellt er in Aussicht, „ich schreibe auch ein bisschen was“, ebenfalls Filmauftritte und ein Zurück ans Theater wären denkbar. Und als Sprecher ist Udo Wachtveitl ohnehin nach wie vor viel beschäftigt und äußerst gefragt, und hat zuletzt gerade den legendären „Brandner Kaspar“ für eine neue Inszenierung der Augsburger Puppenkiste eingelesen. „Mir wird nicht so schnell langweilig. Sie werden noch von mir hören“, verabschiedet er sich in Ludwigshafen.

Termine

„Tatort – Das Verlangen“ wird beim Festival des deutschen Films gezeigt am Donnerstag, 28. August, 18.15 Uhr, sowie Samstag, 30. August, 12.30 Uhr.

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