TV-Kritik RHEINPFALZ Plus Artikel „Tatort“ als Tour de Ludwigshafen – ein echter Fahrrad-Krimi

Johanna Stern (Lisa Bitter) strampelt sich als verdeckt ermittelnde Fahrradkurierin ab.
Johanna Stern (Lisa Bitter) strampelt sich als verdeckt ermittelnde Fahrradkurierin ab.

Wenn Kommissarinnen auf Räder umsatteln kann dabei ein Krimi mit viel Tempo herauskommen. Besonders originell ist die Story aber nicht.

Ein echter Fahrrad-Krimi war der Ludwigshafener „Tatort: Sashimi Spezial“ am Sonntagabend. Ein Fahrradkurier wird überfahren, und besonders Kommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter), aber zumindest einmal auch ihre Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), in ihrem 83. Einsatz, satteln um auf zwei Räder. Der Kurier radelt über den Berliner Platz , dann über den Ludwigsplatz. Ein Transporter verfolgt ihn, es wird immer dunkler. „Wir sind in unserem Berufsleben tagtäglich mit dem Tod konfrontiert“, erklärt der Polizeidirektor gerade, kurz bevor es direkt vorm Kommissariat kracht.

Vom Transporter erfasst, liegt der Kurier regungslos auf dem Mittelstreifen der Straße. Kommissarin Stern versucht noch, ihn zu reanimieren, aber Hakan Özcan (Kailas Mahadevan), der Rechtsmediziner an ihrer Seite, schüttelt bereits den Kopf.

Die Polizeiwache, vor der all dies geschieht, ist jedoch nicht die vertraute, in der Odenthal und Kollegen normalerweise ermitteln. Sind Ludwigshafens „Tatort“-Kommissare eventuell umgezogen? Offensichtlich nicht, denn ihre Büros sind die alten. Die Außenaufnahmen wurden diesmal aber nicht wie gewohnt in Baden-Baden, sondern auf der Kriegsstraße, Karlsruhes wohl bekanntestem Verkehrsweg gedreht.

Im „Tatort“ zu sehen: Türme der Ludwigskirche.
Im »Tatort« zu sehen: Türme der Ludwigskirche.

Ob dieser neue Drehort auch in Zukunft als Ludwigshafener Wache herhalten wird, bleibt vorerst offen. Schade ist allerdings, dass in der Stadt, in der der „Tatort“ tatsächlich spielt, offenbar kein geeigneter Schauplatz gefunden wurde. Immerhin fügt sich das Betongebäude an der Kriegsstraße, die gerade aufwendig umgebaut wird, scheinbar nahtlos und durchaus stimmig ins Ludwigshafener Stadtbild, das dieser „Tatort“ erschafft. Und von Ludwigshafen selbst, namentlich der Innenstadt vom Mosch-Hochhaus bis zum Bauzaun am Rathaus-Center, ist in „Sashimi Spezial“ auch noch einiges zu entdecken.

Ludwigskirche und Platanenhain

Bald rücken die Türme der Ludwigskirche und der Platanenhain in den Blick, dann aber geht es zunächst ins Quartier der „Velopunks“, dem Lieferdienst, für den der getötete Kurier fuhr. Ein junges, eingeschworenes und unbequemes Kollektiv, wie Odenthal feststellt. Unter den Mitarbeitern ist der Mannheimer Schauspieler Leonard Kunz („Ein Mann seiner Klasse“), der in der Pfalz aufgewachsen ist, und Johanna Stern nutzt eine günstige Gelegenheit, um dazuzustoßen. „Schnell sein, immer in Bewegung bleiben und nicht anhalten“ soll sie auf ihren Touren, die der Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch und ihrer Kamerafrau Eva Maschke eine schöne Gelegenheit bieten, die Innenstadt in Szene zu setzen.

Fünf Tage in LU gedreht

„Zu überlegen, wie wir so viel Straße wie möglich in den Film bekommen, hat mit am meisten Spaß gemacht“, berichtet Hoenisch. „Wir haben fünf Tage in Ludwigshafen gedreht und alle Wege mitgenommen, die wir befahren konnten.“ Im Frühjahr 2025 war das Team mit einem Kamerawagen mit einem sogenannten Tower, einem galgenähnlichen Aufbau, in der Stadt unterwegs, um das besondere Fahrgefühl auf einem Fahrrad stimmig einfangen zu können.

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„Sashimi Spezial“ gewinnt durch die Fahrten und durch die Schnitte, in die einzelne Szenen zerlegt werden, ein gutes Tempo. Besonders originell ist die Story, die dem Drehbuch zugrundeliegt, allerdings nicht, und Lisa Bitter spielt die verdeckte Ermittlerin immer so offensichtlich, dass man ständig befürchten muss, dass sie gleich auffliegt. Spannung wird auf diese Weise weniger erzeugt, als Zweifel an der Glaubwürdigkeit. Über den Ludwigshafener Ludwigsplatz fahren Stern und Odenthal am Ende, um wieder in der Karlsruher Kriegsstraße anzukommen, vorm Kommissariat und bei einem Polizeidirektor (Bernd Hölscher), der zwielichtig bleibt.

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