Fußball
SV Südwest Ludwigshafen: Was Trainer Ediz Sari im Saisonfinale vom Team erwartet
Natürlich gibt es im Fußball schwierigere Momente für einen Trainer. Aber ganz einfach ist es auch nicht, sein Team bei Laune zu halten und zu motivieren, wenn dieses schon längst als Meister feststeht. „Wir haben einen großen Kader mit vielen Akteuren, die für sich in Anspruch nehmen, Stammkraft zu sein. Klar ist, jeder will spielen“, sagt Ediz Sari, Coach des Bezirksligisten SV Südwest Ludwigshafen. Er sprach das Thema schon vor Wochen an und sensibilisierte das Team. „Die Rotation fällt jetzt leichter. Sie klappt reibungslos, weil wir unser Ziel bereits erreicht haben“, erklärt der Coach, der bereits 35 Spieler eingesetzt hat. Nur Rechtsverteidiger Nicola Maillet bestritt alle Partien.
„Jeder gönnt dem anderen den Einsatz, obwohl wir im Winter den Kader mit viel Qualität noch leistungsstärker gemacht haben“, blickt der Trainer zurück. Auch Rückkehrer haben sich zurück- und Ansprüche angemeldet. Ein Beispiel ist die im Team sehr beliebte Offensivkraft Mustafa Arikan, der in der Hinserie wegen seiner erkrankten Tochter pausiert hatte, inzwischen aber eine vollwertige Alternative für den Angriff ist. Das Fehlen der Verletzten wie Tim Demele, Christian Heil, Jan Rillig oder Torwart Malek Asselah fällt ebenso wenig ins Gewicht wie die lange Sperre von Torjäger Ibrahim Anli. An gleichwertigen Spielern mangelt es nicht.
Seriöser Auftritt
Am vergangenen Sonntag siegten die Blau-Weißen beim abstiegsgefährdeten SV Erlenbach 3:0. „Spiele in der Südpfalz, erst recht, wenn der Gegner um den Klassenverbleib kämpft, sind nie einfach. Besonders dann, wenn die Luft raus ist“, räumt der 56-jährige Sari ein. Dennoch sei seine Mannschaft seriös aufgetreten und habe souverän gewonnen. Es war bereits die elfte Partie gewesen, in der der SV Südwest ohne Gegentor blieb. Allerdings bemängelt der Übungsleiter eine schlechte Chancenverwertung. „So krass war es schon lange nicht mehr. Da haben sich Pech und Unvermögen gepaart“, konstatiert Sari. Besonders Stürmer Rodney-Francis Peprah habe „die Seuche am Fuß gehabt“.
Ein Ziel haben die Südwestler aber noch vor Augen, und es ist Sari besonders wichtig. „Unsere Serie von 20 Siegen in Folge möchten wir bis zum Saisonende auf 23 ausbauen. Die Jungs wollen das auch und spielen sehr konstant. Ich bin stolz auf sie“, verdeutlicht der Trainer. Nächster Gegner ist der FC Lustadt, dann folgt die Auswärtspartie beim TuS Mechtersheim II, ehe zum Abschluss der Tabellenzweite TSG Jockgrim, der bis zur Winterpause gleichauf lag, nach Ludwigshafen kommt. Bleibt die Weste in diesen Begegnungen weiß, hätte der SV Südwest die komplette Runde ohne Heimniederlage überstanden.
Durchmarsch in Landesliga
Der Fokus richtet sich aber schon auf die nächste Saison, in der der Traditionsverein erstmals seit der Serie 2021/22 wieder in der Landesliga auflaufen wird. „Als ich gekommen bin, musste ich mit 25 neuen Spielern eine komplette Truppe aufbauen. In vorigen Sommer waren es nur noch zehn und jetzt sind es derzeit drei“, berichtet Sari. Neben Hasan Yalcinkaya haben Rosario Comparato von Türkspor Mannheim und der ehemalige Oberligaspieler Ismael Imre von Vatanspor Frankenthal zugesagt. Der 35 Jahre alte Imre ist technisch beschlagen und hat Spielmacherqualitäten. Sein Alter wischt Sari weg. „Isi ist topfit und will es noch einmal wissen. Er wird uns auf dem Platz und in der Kabine guttun“, glaubt der Coach.
Wesentlich mehr Akteure wird der SV Südwest nicht benötigen, weil alle Positionen doppelt besetzt sind und keiner wegwolle. Allerdings werden Heil, Rillig und Mete Celik laut Sari ihre Laufbahn beenden, womit auch Klasse verloren geht. Eventuell kommt noch eine Nummer zwei für das Tor, wo Marvin Gebhard, für Sari der beste Torwart, den er je trainiert habe, gesetzt ist. Der Sprung in die Landesliga sei zwar nicht zu verachten, aber für sein Team durchaus zu bewältigen, ist der Übungsleiter überzeugt.
Noch nie abgestiegen
Der emphatische Ediz Sari ist gelernter Chemielaborant und bei der Universität Heidelberg im Labor angestellt. Der 56 Jahre alte Vollbluttrainer lebte mit seiner Familie, zu der Ehefrau Banu und die Töchtern Zeynepgül und Gülin zählen, in Mutterstadt. Seine jüngste Tochter hat kürzlich standesamtlich Deniz Karlica geheiratet, der bei Südwest im Reserveteam spielt und einmal in der Bezirksliga ausgeholfen hat. Mittelpunkt der Familie ist der zwölfjährige Mischlingshund Günes.
Als Spieler schaffte Sari beim SV Südwest den Sprung aus der Jugend in den Oberligakader, wo der kopfballstarke Techniker im Mittelfeld agierte, aber nach eigenen Worten den Biss vermissen ließ. Eisenberg, FSV Schifferstadt („eine tolle Zeit“), MSV, VfL Neuhofen und Türkgücü Schifferstadt waren weitere Stationen. Als Trainer führte er den TDSV Mutterstadt von der B-Klasse in die Bezirksliga, trainierte den Klub später auch in der Verbandsliga. Auch in Oggersheim, Neuhofen, Fußgönheim und Rüssingen war er tätig. Mit Phönix Schifferstadt stieg er in die Verbandsliga auf. „Ich bin noch nie abgestiegen“, betont Sari. Das wird zumindest vorerst so bleiben.