Mannheim
Stefan S. Kassner: So lebt er als Schriftsteller auf Mallorca
Man kann ein Buch seinen Eltern widmen, seiner Ehefrau oder seinem Partner, seinen Kindern oder einem geheimnisvollen „L.“. Stefan S. Kassner hat seinen Roman gleich der ganzen Insel gewidmet. „Für Mallorca“ steht auf der Seite, und: „Jahrelang suchte ich ein Zuhause, dann empfing mich diese Insel mit offenen Armen.“ Der Roman heißt „Ein Inselhotel zum Verlieben“, das Cover des Taschenbuchs ist superkitschig geraten und zeigt einen Liegestuhl neben einem Korb mit mediterranen Früchten auf einem Tablett, einer Bucht zugewandt, die Schreibschrift des Titels wird von den unvermeidlichen Mandelblüten umrahmt. Kein Zweifel, wir befinden uns im Feel-Good-Genre.
Stefan S. Kassner hat nicht nur dieses, sondern gleich einen ganzen Stapel Bücher mitgebracht zum Treffen in einer Strandbar an der Playa de Palmanova. Die Tasche mit den Büchern baumelt an der einen Hand, mit der anderen hält er die Leine von Goliath fest, seinem kleinen Boston Terrier. Beim letzten Treffen im Oktober 2022 in Mannheim war der zwei Jahre alt, klein und quirlig. Jetzt döst er zufrieden unter dem Tisch und gibt fast drei Stunden und etliche Café con leche lang nicht einen einzigen Laut von sich. Er ist offenkundig zufrieden, und sein Herrchen ist es auch.
Auch wenn alles etwas anders gekommen ist als geplant.
Kann man davon leben?
Als Stefan Kassner, der in seiner Praxis auf sein Mittelinitial verzichtet hatte, am 30. September 2022 den Arztkittel zum letzten Mal ausgezogen und die Schlüssel für die Räume in allerbester Lage auf den Planken mit Blick auf den Wasserturm seinem Nachfolger übergeben hatte, wollte er eigentlich nie wieder als HNO-Arzt arbeiten. Die Zeichen standen komplett auf Neuanfang. Schon als er noch Vollzeit gearbeitet und 100 Patientinnen und Patienten am Tag behandelt hatte, hatte er schon Romane veröffentlicht und mehrere andere fertig in der berühmten Schublade: Krimis, Liebesgeschichten, Fantasy, die in Mannheim spielende Gay-Romanze „Kein Platz für die Liebe“, Weihnachtliches, Gruseliges, Medizinisches und eine Novelle aus Hundeperspektive.
Heute, nach dreieinhalb Jahren auf Mallorca – wohin er seiner Literaturagentin gefolgt ist – hat er über 30 Publikationen vorzuweisen, die meisten sind im Stuttgarter dp-Verlag erschienen. Die Frage „Kann man davon leben?“ aber, die Sozial- und Geisteswissenschaftler kennen, die er aber weder als Medizinstudent in Heidelberg noch als HNO-Arzt jemals gehört haben dürfte: Die muss er heute mit „Nein“ beantworten. Der große Erfolg, der Durchbruch als Schriftsteller: Bisher ist er noch ausgeblieben. Sei es, weil er zu breit aufgestellt ist und nahezu jedes Genre bedient. Sei es, weil es (nicht zuletzt dank der heutigen Selfpublishing-Möglichkeiten) jedes Jahr ähnlich viele Neuerscheinungen gibt wie Sandkörner am Strand vor der Beachbar. Sei es, weil es, wie er erzählt, für einen relativ unbekannten Autor sehr, sehr schwierig ist, Buchhandlungen zu überzeugen, die eigenen Werke ins Sortiment zu nehmen oder gar eine Lesung zu veranstalten (und den Lesenden vielleicht auch noch zu honorieren).
„Die Wärme ist auch in den Menschen“
Wie dem auch sei: Seit einem guten Jahr arbeitet Kassner wieder als Mediziner. In die Rhein-Neckar-Region oder in seine Heimatstadt Mönchengladbach möchte er aber nicht mehr zurück. In einer privat betriebenen Klinik in Palma behandelt er zu 99 Prozent einheimische Patienten und hat, wie er erzählt, „den Job neu entdeckt und lieben gelernt“. Dass die Schriftstellerei wieder eher ein Hobby ist, habe viel Druck von seinen Schultern genommen.
„Die Wärme, die die Insel hat, ist auch in den Menschen“, sagt der 46-Jährige, und ja, das könnte original ein Satz aus einem seiner Bücher sein. Dass im „Inselhotel zum Verlieben“ und in den beiden anderen Romanen der „Träume auf Mallorca“-Serie durchaus ein paar weniger schöne private Erfahrungen von ihm stecken: Er deutet es im Gespräch an. Voller Begeisterung erzählt er von den Freundschaften, die er mit Mallorquinern geschlossen hat: „Ich erlebe hier eine Anbindung, wie ich sie in Deutschland nie hatte.“ Und er lernt intensiv Spanisch mit dem Ziel, auf ein muttersprachliches Niveau zu kommen und nach zehn Jahren auf Mallorca die spanische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ob es klappen wird? Wir werden es sehen – im echten Leben und bestimmt auch in dem einen oder anderen Roman.
Verlosung
Die RHEINPFALZ verlost drei signierte Taschenbücher von Stefan S. Kassner unter allen Leserinnen und Lesern. Zur Auswahl stehen die beiden Mallorca-Romane „Inselliebe auf vier Pfoten“ und „Ein Inselhotel zum Verlieben“ sowie die in Mannheim spielende Gay-Romanze „Kein Platz für die Liebe“. Wenn Sie eins der Bücher gewinnen möchten, schreiben Sie gerne bis Montag, 13. April, 16 Uhr, eine E-Mail an kulturdeskvorder@rheinpfalz.de mit dem Betreff „Mallorca“. Bitte geben Sie Ihre Adresse an und nennen Sie Ihren Wunschtitel. Es entscheidet das Los.