Ludwigshafen St. Martin war sein Vorbild
«Mutterstadt.»Die katholische Kirche Mutterstadt ist dem Heiligen Medardus geweiht, ein in Deutschland seltener Namenspatron. In der Diözese Speyer kommt er nur in Mutterstadt vor. Der Heilige widmete sein Leben der christlichen Nächstenliebe, wurde zum Bischof geweiht und schon in seinen Kindheitstagen sollen sich in seinem Umfeld Wunder ereignet haben, informiert die Kirchengemeinde.
Die Gemeinde St. Medardus gehört zur Pfarrei Hl. Sebastian Dannstadt. Rund 3500 der knapp 13.700 Mutterstadter sind Katholiken. In der Kirche erinnert die Medardus-Figur neben dem rechten Seitenaltar an den Namenspatron. Er wurde 457 im nordfranzösischen Salency in der Nähe von Amiens als Sohn eines fränkischen Adligen geboren. Schon als kleiner Junge hatte er sich den Heiligen Martin, der ein halbes Jahrhundert vor Medardus Geburt seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, zum Vorbild genommen. Bis ins hohe Alter war sein Leben ein Zeugnis christlicher Nächstenliebe. Um das Jahr 490 wurde er zum Priester geweiht, 530 wurde er Bischof von Vermand (Frankreich). Da die Region damals immer wieder von den benachbarten heidnischen Ripuariern überfallen wurde, verlegte Medardus den Bischofssitz nach Noyon. Durch die geschützte Lage konnte sich dort besser gegen Angriffe verteidigt werden. Aus diesem Grund ist er heute auch als Medardus von Noyon bekannt. Obwohl er sich heftig dagegen sträubte, wurde er 532 auch noch Bischof von Tournay. Die beiden Bistümer blieben rund 500 Jahre vereint. Die damals heruntergekommene Diözese ist unter seiner Führung wieder aufgeblüht. Während seiner 15-jährigen Bischofszeit soll Medardus viele Heiden zum Glauben bekehrt haben. Er starb hochbetagt in Jahr 545 und wurde zunächst im Dom von Tournay bestattet. Später sind seine Reliquien in viele Städte gebracht worden, darunter auch nach Trier. Zunächst aber brachte König Chlotar I persönlich den Schrein in die eigens dafür errichtete Abtei St. Medard von Soissons. Dieser Tag, der 8. Juni, wird seit dem als Medardus-Tag gefeiert. An anderer Stelle wird der 8. Juni als der Todestag des Heiligen genannt. Der Legende nach soll es einige Wunder im Umfeld von Medardus gegeben haben. So soll er einem Blinden das Augenlicht zurückgegeben haben. Bei seinem Tod und später bei der Überführung der Gebeine soll sich ebenfalls Unglaubliches ereignet haben. Aber auch schon zu Lebzeiten in seiner Kindheit: Als kleiner Junge sei er auf den Feldern spazieren gegangen, als ein Gewitter mit Starkregen losbrach. Ein riesiger Adler soll ihn unter seinen Schwingen vor dem Unwetter geschützt haben. Daher wird Medardus von Bauern immer noch angerufen, wenn das Heu trocken in die Scheunen gebracht werden muss. Überhaupt gilt Medardus als Patron der Fruchtbarkeit und des Weinstocks. Regnet es an seinem Gedenktag am 8. Juni, dann soll es nach einer alten Bauernregel gleich 40 Tage weiter regnen. An dem Tag wird heute noch in Salency und anderen französischen Gemeinden das Rosenfest gefeiert. Das Fest hat der Überlieferung nach Medardus selbst gestiftet. An diesem Tag hat man dem „tugendsamsten Mädchen“ im Ort einen Kranz aus Rosen aufgesetzt und ihr ein Geldgeschenk überreicht. Die erste „Rosenkönigin“ soll Medardus’ Schwester gewesen sein. Auch in Mutterstadt ist der Brauch des Rosenfestes vor einigen Jahren etabliert worden. Am Sonntag nach dem 8. Juni wird die Medardus-Statue geschmückt. Ein junges Mädchen bekommt einen Kranz aus Rosen aufgesetzt und zieht mit Pfarrer und Messdienern zum Gottesdienst in die Kirche ein. Der Heilige Medardus wird in Mutterstadt schon seit über 1200 Jahren verehrt. An seinem Festtag wurde im Jahr 1784 die Pfarrei St. Medardus wiedergegründet.