Birkenheide
„Shitstorm“ im Netz: Betreiber des Tierparks Birkenheide weisen Vorwürfe zurück
Die Kritik am Tierpark Birkenheide reißt nicht ab. Seit einem Spendenaufruf Mitte Januar wird der Park in sozialen Netzwerken immer wieder massiv angegriffen – ein „Shitstorm“, der sich zwischenzeitlich beruhigt hatte, inzwischen aber erneut aufgeflammt ist. Vorwürfe in Facebook-Posts und Kommentarspalten reichen von der Pflege bis zum Umgang mit Spendengeldern. Die Wucht der Reaktionen macht deutlich, dass sich viele Menschen an dem Thema reiben.
Was die Pflege der Tiere und den Zustand des Parks angeht, zeichnen die Behörden jedenfalls ein anderes Bild. Auf Anfrage teilt das Veterinäramt des Rhein-Pfalz-Kreises mit, dass der Tierpark in den vergangenen Jahren regelmäßig kontrolliert wurde: 2022 zweimal, 2023 einmal, 2024 dreimal, 2025 elfmal und 2026 bislang viermal. Beanstandungen gab es laut der Behörde keine. Auch Auflagen seien nicht erteilt worden. Den Tierpark, also Ausstattung und Tiere, bewertet das Amt als „gepflegt“.
Immer wieder Anzeigen
Derzeit gebe es häufige Kontrollen, sagt Sibylle Guhmann, die Teil des Vereins ist, der sich um den Park kümmert. Nicht nur durch das Veterinäramt. Immer wieder gebe es Anzeigen. „Deswegen ist die Amtstierärztin am laufenden Band da“, sagt Guhmann.
Auch der Bürgermeister der Ortsgemeinde Birkenheide, Gary Kuhn (CDU), hat sich nach dem Aufflammen der Kritik selbst ein Bild gemacht. Sein Eindruck: „Nach meinem Dafürhalten ist hier alles ordentlich.“ Und davon könne sich jeder vor Ort selbst überzeugen.
Vorwürfe und Reaktionen
Viele der Vorwürfe, die online kursieren, weisen die Verantwortlichen entschieden zurück. So heißt es etwa, Papageien würden sich gegenseitig die Krallen abbeißen. Vor Ort zeigen die Betreiber die Tiere – alle Krallen sind vorhanden. Auch die Schneeeulen stünden immer wieder im Fokus der Kritik: Das Gehege sei zu klein. Aber Guhmann sagt: „Es könnten sogar noch mehr Tiere untergebracht werden, als derzeit dort leben.“
Da endet es noch lange nicht. Unter anderem wird auch der Zustand der Ponys kritisiert. Guhmann erklärt, dass zwei der Tiere vor einiger Zeit einmal starken Durchfall gehabt hätten. Es seien Fotos entstanden, auf denen die beiden zeitweise sehr dünn wirkten. Sie seien für mehrere Wochen in eine Klinik gekommen. Kostenpunkt 10.000 Euro.
Spendenaufruf als Notbremse
Diese Summe sei nur die Spitze des Eisbergs. Es gebe viele Kosten, die regelmäßig anfallen, sagt Frank Guhmann, der Vorsitzende des Vereins. Futter für die verschiedenen Tiere, Spezialfutter für manche, aber auch Kosten für Energie, Wasser und Mistentsorgung. Kommt dann noch ein unvorhergesehenes Ereignis hinzu, gerät der Verein schnell an seine Grenzen. Denn er lebt vorwiegend von Spenden.
Der Spendenaufruf sei notwendig geworden, weil eine feste Einnahmequelle weggebrochen sei, erklärt Sybille Guhmann und betont: „Der Park hat keine Schulden.“ Spendengelder würden nicht für die Schuldentilgung genutzt. „Wir haben mit dem Aufruf die Notbremse gezogen“, sagt Guhmann. Es sei schließlich nicht absehbar, wie lange sich das mit der weggefallenen Einkommensquelle hinziehe. Das Geld sei aber noch in beinahe vollständiger Höhe da, sagt sie und zeigt einen Screenshot des Kontostandes.
Auch die mehrfache Erhöhung des Spendenziels wurde bemängelt. „Das macht die Spendenplattform aber automatisch“, sagt Nina Schäfer, die ebenfalls im Park mithilft. Tatsächlich gibt es auf der Plattform die Möglichkeit, die automatische Anpassung des Zielbetrags ein- und abzuschalten.
Wenige Helfer
„Und dann machen Leute immer ganz viele Vorschläge, ohne zu prüfen, ob es möglich ist“, sagt Frank Guhmann. Einer davon sei, Eintritt zu verlangen. „Aber dann könnten wir die Gemeinnützigkeit verlieren. Und wir müssten jemanden in ein Kassenhäuschen setzen, ein Drehkreuz einbauen.“ Also: neue Kosten, neues Personal.
Aber gerade Helfer seien knapp. Der Park wird ehrenamtlich betrieben, die meisten Ehrenamtlichen sind daneben beruflich tätig. Morgens seien sechs oder sieben Personen im Einsatz, sagt Frank Guhmann. Seine Frau ergänzt: Frisches Futter und Wasser gebe es trotz allem täglich, die Reinigung der vielen Gehege erfolge mindestens jeden zweiten Tag. „Wir können ja nicht überall gleichzeitig sein.“ Was man sehe, seien immer Momentaufnahmen. Probleme mit Mäusen und Ratten seien im Waldgebiet kaum vollständig zu verhindern, ergänzt Nina Schäfer. Aber auch hier würden Löcher jeden Morgen gestopft.
Zusätzlich betonen die Betreiber, dass trotz des ehrenamtlichen Betriebs fachliche Standards eingehalten werden. Jedes Jahr absolviert jemand aus dem Team einen sogenannten Futtermeisterlehrgang und erhält ein entsprechendes Zertifikat. Die Schweine seien zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest noch abgesperrt, ebenso ein Pony, welches das Futter der Besucher nicht verträgt.
„Mitglieder und Spender können vorbeikommen“
Die Betreiber betonen ihre Offenheit und Transparenz. Mitglieder und Spender könnten jederzeit vorbeikommen und sich die Verwendung der Gelder zeigen lassen. Kontoauszüge und Ausgabenlisten liegen vor. „Wir haben für alles Nachweise“, sagt Frank Guhmann. Und Nina Schäfer ergänzt: „Wir versuchen auf alle Mails zu antworten. Manchmal braucht das eben nur etwas Zeit.“
Denn Arbeit gibt es genügend. Immer wieder kommen neue Tiere dazu. Einmal wurde ein Hahn in einem Karton über den Zaun geworfen – heute lebt er im Park. Ein Papagei flog in ein Klassenzimmer. Nachdem sich kein Eigentümer fand, nahm ihn der Wildpark ebenfalls auf. Auch beschlagnahmte Tiere werden vorbeigebracht, die dort vorübergehend unterkommen – was darauf hindeutet, dass der Park in solchen Fällen als geeignete Unterbringung gilt.
Initiative ergreifen
Die Familie – Nina Schäfer ist die Tochter von Frank und Sybille Guhmann, auch ihr Mann Thorsten Schäfer hilft mit – wirkt erschöpft von der anhaltenden Kritik. Der Tierpark wird von dem Verein getragen, doch die Familie ist schon lange eng mit ihm verbunden. Frank Guhmann war vor rund 60 Jahren als Kind zum ersten Mal im Park, seit etwa 40 Jahren ist er Mitglied im Verein. Während er Belege vorzeigt, wirkt er angespannt. Viele Aussagen seien verdreht worden, sagt die Familie.
„Seit 1964 gibt es den Park, aber seit dem Spendenaufruf gibt es nur noch Vorwürfe“, sagt Frank Guhmann. Der Park liege ihnen am Herzen, betonen alle. Doch die Belastung ist spürbar. Gleichzeitig gebe es viel Unterstützung aus dem Ort – von Vereinen, Firmen und Privatpersonen. „Wir wollten die Initiative ergreifen und uns erklären“, sagt Nina Schäfer mit Blick auf den Zeitungsartikel. Denn online sei das gar nicht mehr möglich.