Ludwigshafen Sehnsuchtswelten haben viele Gesichter
«Ludwigshafen.» Eine ganz besondere Ausstellung ist derzeit im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen zu sehen. Jüngst haben Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt im Projektraum des Museums ihre Gemälde zum Thema „moderne Sehnsuchtsorte“ vorgestellt.
15 junge Künstler haben sich Gedanken zu ihren Lieblingsorten gemacht. Unter dem Titel „moderne Sehnsuchtsorte“ sollten die Schüler des Bildende-Kunst-Leistungskurses der 11. Klasse der IGS das Gefühl von innerer Ruhe, Zufriedenheit und Freude auf die Leinwand bringen. Dazu inspiriert wurde ihre Lehrerin Sigrid Nölte bei einer Führung für Lehrer bei der Teacher’s Night von der aktuellen Sammlung „Erzählte Welt – Geschichten in der Kunst“. Weil die Schüler mit dem Kunst- und Kulturprofil auch alle Deutsch als Leistungskurs haben, war der Vergleich von Sprache und bildnerischen Mitteln in Landschaftsdarstellungen spannend für sie. „Sie sollten die Unterschiede von Literatur und Malerei ausloten und haben erkannt, dass im Sprachlichen eine Landschaftsbeschreibung oftmals einen Protagonisten braucht, während die Malerei für sich allein stehen kann“, fasst Sigrid Nölte zusammen. Mit ihren gemalten Sehnsuchtsorten verbinden die Künstler Geschichten. Viele wurden nach Urlaubsfotos angefertigt. So war es bei einem Strandspaziergang, der Franziska Hahn zur ihrem Bild „Kroatien 2017“ inspirierte. Zell am See, der Bodensee, die Alpen oder der New Yorker Times Square sind weitere solche Orte. Überrascht haben die Lehrerin auch Schüler, die ihren Ort aus einem Spiel zogen. So ließ sich Theresa Schneider bei ihrem Bild „Fremder Planet“ vom PS4-Spiel „Norman Sky“ leiten. Sie malte einen Ort mit roten Bäumen und knallenden Farben. Ihr Vater gesteht, dass er darüber erst nicht so glücklich war und ihr nahelegte, doch in die reale Welt zu wechseln. Doch seine Tochter blieb dabei. Nun ist auch er vom Bild in der Museumsatmosphäre beeindruckt. Aus dem Computerspiel „Far cry 4“ stammt der Ort Shangri La, den Scarlett von Pein malte. Andere hatten Elemente wie Berge, Wasser oder Blumen im Kopf und suchten im Internet nach Bildern, die sie entsprechend ihrer Wünsche umgestalteten. Christian Brauchler überraschte nicht mit dem Motiv, sondern mit der Wahl der Technik. „Ich habe schon öfter mit Acryl gearbeitet und wollte was anderes machen“, erklärt er. Statt mit Acrylfarbe zu arbeiten, hat er Pigmente von Aquarellstiften mit einem nassen Pinsel verteilt. Dadurch sollen bessere Übergänge machbar sein. Die Methode war den Schülern freigestellt. Durch die Technik brauchte seine steinige Küste der Isle of Man einen Rahmen. Das Motiv ist inspiriert von einem bald erreichten Ort. „Ende des Schuljahres steht eine Abschlussfahrt nach Schottland an, das landschaftlich recht ähnlich ist“, erzählt er. Museumspädagogin Anja Guntrum arbeitet als Schnittstelle zwischen Schule und Museum und ist von den Ergebnissen beeindruckt. Auch Thomas Scheibitz, dessen eigene Ausstellung „Masterplan\kino“ gerade eröffnet wurde, nutzte die Chance, persönlich die Bilder der Schüler anzusehen und war begeistert.