Ludwigshafen Sehnsucht hat viele Gesichter
«Mitte.» Eine besondere Ausstellung ist aktuell im Wilhelm-Hack-Museum (WHM) zu sehen. Noch bis 10. Juni hängen Gemälde von Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mutterstadt im Projektraum. Die Schau läuft unter dem Titel „moderne Sehnsuchtsorte“.
15 Schüler aus dem Kunst-Leistungskurs der elften Klasse an der IGS Mutterstadt haben sich Gedanken zu ihren Lieblingsorten gemacht, um anschließend das Gefühl von innerer Ruhe, Zufriedenheit und Freude auf die Leinwand zu bringen. Inspiration für das Projekt erhielt ihre Lehrerin Sigrid Nölte durch eine Führung im WHM. Bei der „Teacher’s Night“ wurde den Lehrern die aktuelle Sammlung „Erzählte Welt – Geschichten in der Kunst“ vorgestellt. Mit ihren gemalten Sehnsuchtsorten verbinden die jungen Künstler Geschichten. Viele Bilder wurden nach Urlaubsfotos angefertigt. So war es bei einem Strandspaziergang, der Franziska Hahn zur ihrem Bild „Kroatien 2017“ inspirierte. Der Bodensee, die Alpen oder der New Yorker Times Square sind weitere solche Orte. Überrascht haben Nölte vor allem Schüler, die ihren Sehnsuchtsort aus einem Spiel zogen. So ließ sich Theresa Schneider bei „Fremder Planet“ vom Playstation-Spiel „Norman Sky“ leiten. Sie malte einen Ort mit roten Bäumen und knalligen Farben. Ihr Vater gesteht, dass er darüber erst nicht so glücklich war und ihr nahelegte, doch in die reale Welt zu wechseln. Doch seine Tochter blieb dabei. Nun ist auch er vom Bild in der Museumsatmosphäre beeindruckt. Aus dem Computerspiel „Far Cry 4“ stammt der Ort Shangri La, den Scarlett von Pein malte. Andere hatten Elemente wie Berge, Wasser oder Blumen im Kopf und suchten im Internet nach Bildern, die sie entsprechend ihrer Wünsche umgestalteten. Christian Brauchler überraschte nicht mit dem Motiv, sondern mit der Wahl der Technik. „Ich habe schon öfter mit Acryl gearbeitet und wollte was anderes machen“, erklärt er. Für sein Bild verteilte er Pigmente aus Aquarellstiften mit einem nassen Pinsel, um bessere Übergänge schaffen zu können. Das Motiv – eine steinige Küste der Isle of Man – wurde von einem Sehnsuchtsort inspiriert, den er bald besuchen wird. „Ende dieses Schuljahrs steht eine Fahrt nach Schottland an, das landschaftlich recht ähnlich ist“, erzählt er. Museumspädagogin Anja Guntrum arbeitet als Schnittstelle zwischen Schule und Museum und war bei der Vernissage beeindruckt. Auch Thomas Scheibitz, dessen eigene Ausstellung „Masterplan\kino“ gerade eröffnet wurde, nutzte die Chance, die Bilder der Schüler persönlich anzusehen und war begeistert.