Ludwigshafen Schwarze Flagge über der Peststadt
Die Emil Bulls aus München sind ein bewährtes Schlachtross in der deutschen Hardrock und Metal-Szene. Als Band mit starken Live-Qualitäten haben sie sich einen Namen gemacht. Diesen Trumpf spielten sie nun beim Auftritt in der Mannheimer Alten Feuerwache gekonnt aus.
1995 gründeten die ehemaligen Klosterschüler Christoph von Freydorf (Gesang und Gitarre) und Stefan Finauer (Schlagzeug) mit von Freydorfs Kirchenchor-Freund James Richardson (Bass) die Band. Auf Metal alleine wollen sich die Emil Bulls nicht reduziert sehen, denn ihr Herz schlägt auch für andere Stile. Am Anfang hatten sie noch einen DJ mit in der Band und liebäugelten mit HipHop. Aber auch für Mainstream-Rock, Pop und Punk haben sie ein Faible. „Kill Your Demons“ heißt das neunte Studio-Album der Emil Bulls, und den Titelsong spielte die Band gleich zu Beginn ihres Auftritts. Mit Dämonen beschäftigt sich jeder Song der Platte, sagte der Sänger kürzlich in einem Interview. „Egal, ob diese im Kopf sind und dich psychisch kaputtmachen, oder diese ganzen kranken Geister, die gerade in Politik und Gesellschaft herumirren. Ich lasse allerdings immer viel Interpretationsspielraum.“ Und dann ist noch ein Song auf dem Album, der sich kritisch mit dem Zustand der Erde auseinandersetzt: „Black Flags Over Planet Earth“. „Früher hat man die schwarze Flagge über einer Peststadt gehisst, heute ist die ganze Erde in einer Art Pestzustand“, meint der Sänger. Die Fans in der Feuerwache aber wollten nicht den Zustand der Welt analysieren, sondern Party machen und abgehen. Das ging freilich hervorragend zu den mächtig rockenden Klängen. Stage diving war angesagt, wobei sich besonders Mutige hoch über die Köpfe der Fans quer durch den Saal weiterreichen ließen, bis sie an der Bühne von einem Ordner geduldig wieder auf den Boden gestellt wurden. Zum Hüpfen und Springen animierten andere Songs, wenn der Metal von Hiphop-Elementen unterfüttert wurde. Später gab es guten alten Punkrock, wozu die Fans einen Kreis bildeten und den Pogo-Kreisel wild wirbeln ließen. Freilich war immer sehr viel Dynamik und Power in den Songs, was das Publikum aufputschte. Hymnische Refrains hatten etliche Songs, ein Stadionrock, der nur zu gerne mitgesungen wurde: „I Wanna Feel Glorious“ heißt es in „Euphoria“. Sehr melodisch kam dieser hymnische Rock daher: in „The Jaws of Oblivion“ ähnlich wie in „Nothing at heart“, das nach hartem Beginn in einen Refrain einschwenkte, der an „White Christmas“ erinnerte. Schade, dass von den beiden E-Gitarren kaum etwas zu hören war. Was der Tonmeister aus den Boxen föhnen ließ, war sehr bescheiden. Außer einem andauernden Drum-Gewitter und dem Shouting des Sängers war kaum etwas auszumachen. Dabei war es nicht einmal zu laut.