Ludwigshafen Schub für die SPD, Dämpfer für die Union

Erdrutschartige Verluste für drei etablierte Parteien und eine neue dritte Kraft – so kann man das Ludwigshafener Ergebnis bei der Landtagswahl am Sonntag grob zusammenfassen. Denn SPD, CDU und Grüne haben im Vergleich zu 2011 im Mittel der beiden Wahlkreise 19,9 Prozentpunkte eingebüßt. Exakt jener Wert, den die AfD erzielt. Eine Einordnung.

SPD:

Zählen die Genossen zu den Gewinnern? Einerseits ja, denn mit Anke Simon und Heike Scharfenberger haben sich beide Direktkandidatinnen klar durchgesetzt. Und auch bei den Zweitstimmen liegt die SPD überall vorne. Insofern sind die Resultate durchaus ein Schub für die Oberbürgermeisterwahl im nächsten Jahr. Europaabgeordnete Jutta Steinruck und Kämmerer Dieter Feid, die favorisierten Bewerber, haben sich am Sonntag bei der Wahlparty im Rathaus schon mal im Erfolg gesonnt. Andererseits haben die Roten in Ludwigshafen entgegen dem Landestrend Stimmen eingebüßt und 4,5 Prozentpunkte gegenüber 2011 verloren. Simons Topergebnis von 42,8 Prozent in ihrem Heimat-Stadtteil ist zwar beachtlich. Als Ortsvorsteherin muss sie sich aber schon die Frage stellen, warum die AfD ausgerechnet in Mundenheim mit über 22 Prozent ihr drittbestes Ergebnis erreicht hat. CDU: Die Union ist – gemessen an den eigenen Erwartungen – der eindeutige Verlierer des Sonntags. Beide Kandidaten haben die Duelle krachend verloren, Marion Schneid ist gerade noch so über die Landesliste in den Landtag gerutscht. Christian Beilmann hat weiter an Boden eingebüßt. Bei den Zweitstimmen steht ein Minus von 6,2 Punkten zu Buche – ein Verlust, der weit über dem Landestrend liegt. In fünf Bezirken wird die CDU von der AfD überflügelt, die ihr Wähler abspenstig macht. In Nord stürzt die Union auf 15,2 Prozent ab und liegt 4,5 Punkte hinter der AfD und satte 22 Punkte hinter Rathaus-Koalitionspartner SPD. Ein Glück für die CDU, dass Oberbürgermeisterin Eva Lohse 2017 wieder antreten will und dem Kompetenzteam von Julia Klöckner fernblieb. An der 60-Jährigen bleibt die Klatsche wohl kaum haften. Grüne: Der Fukushima-Effekt ist verpufft, was die Ludwigshafener Grünen erheblich zu spüren bekommen und 9,2 Punkte einbüßen – auch wenn das unter dem Landestrend (10,1) liegt. Kandidat Bernhard Braun fährt mit 8,3 Prozent im Wahlkreis 35 ein solides Ergebnis ein, verliert aber dennoch fast sechs Punkte. Kollegin Jutta Kreiselmaier-Schricker ist nur in ihrem Wohnort Ruchheim zweistellig (12,1), landet unterm Strich bei 5,6 Prozent. Ein Minus von fast sieben Punkten. FDP: Die Liberalen zählen zu den drei politischen Gruppierungen, die überall zugelegt haben (insgesamt 2,6 Punkte) und schieben sich vor die Grünen. 7,4 (Ruchheim) und 7,3 Prozent (Süd) sind die Topwerte. Mehr als verdreifacht auf 10,4 Prozent hat Kandidat Thomas Schell sein 2011er-Ergebnis im Wahlkreis 35. Den Spitzenwert (15,4) erreicht er in seinem Wohnort Rheingönheim. Bei seiner Premiere hat sein 36er-Kollege Andreas Werling das 2011er-Resultat um 5,4 Punkte ausgebaut (8,1 Prozent). In Oggersheim (9,1) erhält er den größten Zuspruch. Der Zweier-Fraktion im Stadtrat verleiht das Rückenwind. Die Linke: Die Partei stagniert – im Land wie in Ludwigshafen. Liborio Ciccarello (7,8) legt im Wahlkreis 35 zwar überall zu und erreicht mit drei zweistelligen Ergebnissen Achtungserfolge. Mit Blick nach Mainz dürfte er aber ebenso frustriert sein wie sein 36er-Kollege Hans-Joachim Spieß (5,4), obwohl auch er in jedem Bezirk – moderat – zulegt. Freie Wähler: Leicht hinzugewonnen haben die Freien Wähler, deren einziger Kandidat Hans Arndt im Wahlkreis 36 aus dem Stand 13,9 Prozent erzielt und fast überall zweistellig auftrumpft – besonders in der Pfingstweide (15,5) und in seinem Wohnort Gartenstadt (15,4). AfD: In neun von 14 Bezirken knackt die AfD – ohne eigene Kandidaten – die 20-Prozent-Marke, in West erzielt sie mit 25 Prozent ihr Spitzenergebnis. Sie profitiert vom Reizthema Flüchtlinge und von der auf über 63 Prozent gestiegenen Wahlbeteiligung, weil sie bisherige Nichtwähler mobilisiert und ein Sammelsurium von Unzufriedenen hinter sich schart. Die landesweiten Topergebnisse von 18,8 (35) und 20,7 Prozent (36) spülen Listenkandidat Timo Böhme in den Landtag. Überall dort, wo es in der Stadt soziale Brennpunkte gibt, schneiden die Rechtspopulisten am besten ab. Zur Person Weitere Wahl-Analysen, Seiten 5 & 9

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