Ludwigshafen Schüchterne Aufsteigerinnen

Mit „Is it right“ haben Elaiza einen Sommerhit gelandet und Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertreten. Bei ihrem Konzert im Mannheimer Capitol konnte das Frauentrio aus Berlin aber nicht überzeugen.

Es ist gerade einmal ein knappes halbes Jahr her, da standen drei junge Frauen mit Kontrabass und Akkordeon auf einer riesenhaft anmutenden Bühne in Kopenhagen. Ein Meer von Luftschlangen segelte herab, das Publikum schwenkte frenetisch Deutschlandfahnen, und so ganz schienen die Drei selbst nicht zu glauben, wie ihnen gerade geschah. Erst kurz zuvor hatte die Band Elaiza die Ausscheidung zum Eurovision Song Contest (ESC) überraschend mit ihrem Song „Ist it right“ gewonnen, der Abend der Finalrunde in Kopenhagen war da ein weiterer, beinahe unwirklicher Höhepunkt für die jungen Musikerinnen. Eine klassische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte war das, wie sie nur der ESC schreiben kann. Logisch, dass der Wettbewerbsbeitrag „Is it right“ in diesem Sommer an keinem einzigen Tag nicht irgendwo im Radio zu hören war. Die Band gehöre in kleine Clubs und nicht in die aufgeblasen-kitschige Scheinwerferlandschaft des ESC, beklagten einige Kritiker nach dem Auftritt und der eher enttäuschenden Platzierung der Band in Kopenhagen. Das lag zum einen sicher daran, dass Ela Steinmetz, Yvonne Grünwald und Natalie Kröger in der für den Song Contest so typischen Ansammlung von Paradiesvögeln und Hüpfdohlen eine bewusst bodenständige Figur abgaben. Künstlichkeit kann man Elaiza sicher nicht vorwerfen. Zum anderen sind die drei klassisch ausgebildete und zum Teil studierte Instrumentalistinnen, die es verdienen, ihr Können als Band in einem intimen Rahmen zu zeigen und nicht bei Großveranstaltungen hinter Playback-Klängen zu verstecken. Im Mannheimer Capitol bekamen Elaiza nun diese Chance und blieben dabei erstaunlich blass. Wenig selbstbewusst, eindimensional artikuliert und ziemlich leblos klang die Band, was angesichts der handwerklichen Fähigkeiten ihrer Mitglieder verwunderte. Yvonne Grünwald, die sonst auch in Berliner Klezmer-Formationen virtuos spielt, beschränkt sich am Akkordeon auf klischeehafte Melodien. Natalie Krögers Bass klang zu leise und schüchtern, um wirklich einen treibenden Polka-Rhythmus anschieben zu können. Ela Steinmetz hat natürlich eine beeindruckende Stimme, daran lässt sie auch an diesem Abend keinen Zweifel. Schade nur, dass sie dem Zuhörer mit ihren artifiziellen und viel zu häufig eingesetzten Phrasierungen die Emotionen geradezu aufzudrängen scheint. Das erinnerte oft an Stars wie Pink oder Anastacia, die ja gerne als die „Rockröhren“ unter den Popsängerinnen bezeichnet werden. Ein richtiges Kompliment ist diese Bezeichnung aber eigentlich schon lange nicht mehr. Elaiza befinden sich in einem Dilemma. Um wirklich diese kleine Clubband mit neofolkloristischen Einflüssen zu sein, die auch im Kiezcafé um die Ecke spielen könnte, fehlen ihren Songs die subtilen Feinheiten in Arrangement und Songwriting und der Mut zum wirklich Fragilen und Intimen. Für die mittelgroßen Bühnen wie das Capitol mangelt es ihnen und ihrer Begleitband hingegen derzeit noch an der Durchsetzungskraft, um die großen Popentwürfe in ihren Liedern auch wirklich zum Klingen zu bringen.

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