Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Sachstand Asyl: Flüchtlingszahlen in Ludwigshafen fast halbiert

Das Land hat der Stadt Ludwigshafen im Jahr 2025 deutlich weniger Geflüchtete zugewiesen als in den drei Vorjahren.
Das Land hat der Stadt Ludwigshafen im Jahr 2025 deutlich weniger Geflüchtete zugewiesen als in den drei Vorjahren.

Im Vorjahr wurden der Stadt nur noch 575 Geflüchtete zugewiesen. Trotzdem ist von einem zügigen Rückbau des Containerdorfs in der Bayreuther Straße nicht mehr die Rede.

Aktuell sorgt die Walzmühle in der Ludwigshafener Innenstadt für Schlagzeilen, weil der Eigentümer, der Mannheimer Immobilienentwickler Pro Concept, finanziell in eine Schieflage geraten und damit auch die Zukunft des ehemaligen Einkaufszentrums ungewiss ist. Der lange geplante Umbau ist jedenfalls derzeit nicht mehr in Sicht. Erst vor zwei Jahren sorgte die Walzmühle in der Region dagegen für viel Gesprächsstoff, weil die Stadtverwaltung dort in einem ehemaligen fensterlosen Supermarkt vorübergehend Flüchtlinge einquartierte.

Für rund sechs Millionen Euro hatte die Verwaltung das einstige Ladenlokal unter dem Druck der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen so präpariert, dass vorübergehend bis zu 400 Geflüchtete untergebracht werden konnten. Allerdings wurden diese Kapazitäten nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft und das teure Übergangsquartier nach einem guten halben Jahr wieder aufgelöst. Unterdessen wurden Containerdörfer für Geflüchtete in der Woll- und Bayreuther Straße in West ausgebaut und errichtet.

Trendwende setzt sich fort

Die Stadt stand unter Druck: Drei Jahre in Folge wurden Ludwigshafen Jahr für Jahr vergleichsweise viele Geflüchtete zugewiesen: 1019 Flüchtlinge waren es 2024, im Jahr davor waren es 905 und 2022 kamen sogar 1161 Menschen. Im Jahr 2024 waren die Hälfte der Geflüchteten Asylbewerber, die andere Hälfte im Wesentlichen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Am Rand der Bayreuther Straße hat die Stadt auf einem Acker 2024 eine große Containersiedlung für Gefüchtete errichtet.
Am Rand der Bayreuther Straße hat die Stadt auf einem Acker 2024 eine große Containersiedlung für Gefüchtete errichtet.

Ein Ende des russischen Angriffskriegs ist noch immer nicht in Sicht, aber im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Geflüchtete nach Ludwigshafen gekommen als Anfang der 20er-Jahre: Wie eine Sprecherin der Verwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ informierte, waren es 2025 nur noch 575 Menschen. Das bedeutet eine Halbierung im Vergleich zu 2022. Auch im ersten Quartal 2026 setzt sich diese Entwicklung fort: Im Januar, Februar und März wurden der Stadt 97 Geflüchtete zugewiesen, davon stammen noch 36 aus der Ukraine. Die Top-5-Herkunftsländer sind der Verwaltung zufolge aktuell die Ukraine, Türkei, Syrien, Somalia und Eritrea.

1600 Menschen einquartiert

Insgesamt hat die Abteilung Asyl derzeit rund 1600 Menschen in verschiedenen Unterkünften in Ludwigshafen untergebracht. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2025 waren es noch knapp 2000 Menschen. Die Situation hat sich etwas entspannt: „Derzeit müssen wir niemanden in Hallen (Wollstraße, Wattstraße) unterbringen“, erklärt die Stadt-Sprecherin.

Für rund sechs Millionen Euro baute die Verwaltung die Walzmühle ab Ende 2023 zu einer vorübergehenden Flüchtlingsunterkunft um.
Für rund sechs Millionen Euro baute die Verwaltung die Walzmühle ab Ende 2023 zu einer vorübergehenden Flüchtlingsunterkunft um.

Hauptstandorte für größere Unterkünfte seien nach wie vor die Mundenheimer Wattstraße (mehrere Gebäude), die Mannheimer Straße in Oggersheim (drei Containergebäude), die Wollstraße in West (Punkthäuser und zwei Container), der Rheingönheimer Rampenweg (zwei Gebäude), die Edigheimer Straße in Oppau und die Bayreuther Straße (vier Container). Die Unterkünfte seien derzeit zu etwa 85 Prozent ausgelastet.

Bayreuther Straße: Rückbau noch nicht geplant

Ein Blick zurück ins Jahr 2024: Nach der Schließung der Notunterkunft für Asylbewerber in der Walzmühle und zweier Hallen in der Wollstraße wurden die Bewohner in neue Containerunterkünfte in der Wollstraße und in der Bayreuther Straße umquartiert. Das Containerdorf an der Bayreuther Straße am Rand der Obdachlosenquartiere ist die größte Unterkunft für Geflüchtete in Ludwigshafen.

Die Anlage, die nach einer Schätzung bei der Inbetriebnahme knapp zwölf Millionen Euro in den ersten zwei Betriebsjahren gekostet haben dürfte, sollte nach den ursprünglichen Plänen längstens drei Jahre bestehen bleiben. Demnach müsste sie im kommenden Jahr wieder weichen. Denn die Errichtung auf einer Ackerfläche binnen weniger Monate war nur möglich, weil für solche Projekte ein besonderes Baurecht geschaffen wurde.

Ein Rückbau des Containerdorfs ist aktuell indes nicht geplant, heißt es von der Verwaltung: Denn der Sonderparagraf im Baugesetzbuch, der es Kommunen erlaubt, Unterkünfte für Geflüchtete schneller und auch in Gewerbegebieten zu bauen, gelte bis Ende 2027 – mit Option auf Verlängerung um weitere drei Jahre, „längstens bis 31. Dezember 2030“, sagt die Stadt-Sprecherin. „Das heißt, rechtlich hat die Stadt Ludwigshafen die Möglichkeit, die Unterkünfte bis Ende 2030 zu betreiben. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir die Unterkunft auch so lange noch benötigen werden.“ Obwohl der Stadt immer weniger Geflüchtete zugewiesen werden.

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