Meinung
RNV in der Kritik: Schwache Argumente befeuern Zweifel an Straßenbahnplänen für Pfalztram
Es gibt in Ludwigshafen kaum ein Projekt, gegen das sich nicht Widerstand aus der Bürgerschaft formiert. Ob ein Neubaugebiet in einem Stadtteil, der Bau der Helmut-Kohl-Allee oder die Verlängerung des Straßenbahnnetzes im Stadtnorden – überall bilden sich Initiativen, die Protestunterschriften sammeln. Meist werden von den Gegnern hehre Ziele genannt, wie Umweltschutz oder der Erhalt von Lebensqualität in der Stadt.
Redet man mit den Gegnern, stellt sich meistens heraus, dass es sich um unmittelbar betroffene Anwohner handelt, die keine Baustellen vor ihrer Haustür wollen, Wertminderung ihrer Immobilien oder Nachteile im Alltag befürchten. Wir leben in einer Demokratie, und es ist legitim, solche Interessen zu formulieren.
Nicht richtig ist es, „denen da oben“ zu unterstellen, dass sie einfach machen, was sie wollen, und Projekte durchdrücken. Die Protestler fühlen sich oft als Sprecher der schweigenden Mehrheit. Ist das wirklich so? Sind die lautstarken Gegner tatsächlich an der optimalen Lösung für die Gesamtbevölkerung interessiert? Oder wird hauptsächlich versucht, Nachteile für sich zu verhindern?
Angemessener Austausch
Damit ein Ausgleich gefunden werden kann, sind die richtige Kommunikation zwischen Planern und Bürgern sowie auch ein angemessener Austausch aller Argumente unabdingbar. Am Ende sollte ein für die Mehrheit tragbarer Kompromiss stehen. Nicht immer gelingt dieser Prozess. Nehmen wir das Beispiel Pfalztram. Im Ludwigshafener Norden soll das Straßenbahnnetz von Oppau bis in die Pfingstweide verlängert werden. Die Kosten für das Projekt hat die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) in einer ersten Schätzung auf 100 Millionen Euro beziffert. Nun kann man sich als Bürger berechtigt fragen: Stehen solche enormen Kosten in einer vernünftigen Relation zum Nutzen?
Die RNV hat es bei der ersten Bürgerinfo zu dem Projekt in der Pfingstweide versäumt, wirklich überzeugende Argumente auf den Tisch zu legen. Die Planer haben sich auf einer sehr abstrakten Ebene bewegt, einen Fachvortrag mit vielen planungsrechtlichen Details gehalten, die kaum jemand im proppenvollen Saal interessiert haben. Was die Kosten-Nutzen-Analyse betraf, wurde eine Kennziffer genannt, die von dem Projekt zwar erfüllt wird, aber für einen Laien kaum nachvollziehbar ist.
Steilvorlage für Gegner
Eine Steilvorlage für die Gegner des Ausbaus, die sämtliche Daten infrage stellten. Konkrete Zahlen, wie viele zusätzliche Fahrgäste es durch eine Straßenbahn im Ludwigshafener Norden geben würde, konnte die RNV auf Nachfrage nicht nennen. Da haben die Planer ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Daten sollen nun bei der nächsten Veranstaltung in Oppau nachgereicht werden.
Das Publikum im Saal fühlte sich am Ende in weiten Teilen bestätigt, dass der Busverkehr im Stadtnorden eigentlich ausreicht. Die Busse seien jetzt schon nicht ausgelastet, wozu also eine Tram?, so der Tenor. Ein echter Bedarf für einen Ausbau der Straßenbahn wurde von vielen Teilnehmern nicht gesehen. Zu einer Diskussion über die Kernfrage, wo sollten und könnten die Gleise verlegt werden – mitten durch Edigheim oder lieber am Ortsrand –, kam es gar nicht.
Nicht immer mit „sauberen Mitteln“
Auch wichtige technische Fragen blieben außen vor: Wie soll eine Brücke für die Tram aussehen, die ja zwischen Oppau und Edigheim das BASF-Güterzuggleis überqueren müsste? Würde sich auch ein Route an den Ortsrändern für die RNV rechnen? Was passiert mit dem Vereinsgelände, das auf einer der möglichen Trassen liegt? Und ist es wirklich clever, eine tonnenschwere Straßenbahn über eine Hochdruckferngasleitung im Untergrund fahren zu lassen?
Die Gegner des Projekts fühlen sich nach der ersten Bürgerinfo im Aufwind und haben bereits 1600 Unterschriften in einer Online-Petition gegen die Pfalztram gesammelt. Der harte Kern der Anwohnerinitiative besteht aus zehn Personen, die allesamt auch ein persönliches Interesse daran haben, dass der Straßenbahnausbau nicht kommt. Denn sie wohnen direkt an der wohl von den RNV favorisierten Trasse mitten durch Wohngebiete. Es ist eine lautstarke Minderheit, die aktuell den öffentlichen Diskurs über das Projekt bestimmt.
Übrigens auch nicht immer mit „sauberen“ Mitteln: KI-generierte Bilder zeigen dreckige, abgenutzte Straßenbahnen mit heruntergekommen Fahrgästen, Horrorbaustellen und Kinder voller Angst – das ist keine Information, sondern Propaganda. Seriosität sieht anders aus.
Skeptiker einbeziehen
Das Verkehrsunternehmen wäre gut beraten, die beiden restlichen Bürgerinfoveranstaltungen in Oppau (12. Mai) und in Edigheim (16. Juni) zu nutzen, um wirklich überzeugende Antworten auf berechtigte Fragen zu liefern – und damit der Öffentlichkeit auch eine seriöse Entscheidungsgrundlage. Bei den geplanten Arbeitsgruppen für die weitere Planung des Projekts wäre es gut, auch Gegner und Skeptiker des Projekts miteinzubeziehen. Nur dann kann am Ende bei der Bürgerbeteiligung ein vernünftiges Ergebnis herauskommen.
Die letzte Entscheidung hat danach der von allen Bürgern gewählte Stadtrat zu treffen: Das kann ein Ja zur Pfalztram im Ludwigshafener Norden sein – aber auch ein Nein.