Worms RHEINPFALZ Plus Artikel Reinhold Messner: Höchste Höhen, tiefste Tiefen

Bewegtes Leben: Reinhold Messner.
Bewegtes Leben: Reinhold Messner.

„Über Leben“ heißt das Programm, in dem Reinhold Messner auf sieben Jahrzehnte als Abenteurer zurückblickt. Der 81-Jährige gastierte damit im Kulturzentrum Das Wormser.

„Ich werde vielfach als der einsame Wolf gesehen. Dabei bin ich weder einsam noch ein Wolf. Ich bin lieber in Gruppen unterwegs“, bekannte Reinhold Messner. In Worms erwies er sich als begnadeter Geschichtenerzähler. Für seinen Multimedia-Vortrag nahm der 81-Jährige am äußersten rechten Bühnenrand auf einem gepolsterten Stuhl Platz, um seinen 750 Zuhörerinnen und Zuhörern einen ungehinderten Blick auf die riesige Videoleinwand zu gewähren. Über diese Leinwand spielte Messner zwei Stunden lang atemberaubende Fotografien und Videos aus seinem bewegten Leben ab.

Wer Erfahrungen sammeln möchte, die charakterlich formen und tiefere Erkenntnisse über das irdische Dasein vermitteln, muss sich aus der heimischen Komfortzone herauswagen. Mit einer solchen Haltung begegnet Bergsteiger Reinhold Messner seit jeher dem Leben. „Für mich ist das Klettern ein Abenteuer. Das Klettern in einer Boulderhalle dagegen ist ein Sport“, sagte er. In seinem fortgeschrittenen Alter erklimmt der in Südtirol geborene Alpinist – der sich einst in die lebensfeindlichsten Winkel dieser Erde vorwagte und 1978 den Mount Everest im asiatischen Himalaya-Gebirge ohne Flaschensauerstoff bezwang – freilich keine steilen Berge mehr. „Ich bin aber immer noch viel unterwegs. Auf der ganzen Welt, um meine Erlebnisse zu teilen. Nicht nur mit Meinesgleichen.“ Mit seinen Büchern, von denen viele Bestseller waren, hat er in der Vergangenheit manche teure Expedition finanziert. „Greifend begreifen“ heißt sein Lebensmotto, das er an jüngere Generationen weitergeben möchte.

Die dunkelste Stunde seines Lebens

Im Kulturzentrum Das Wormser erinnerte sich Reinhold Messner auch an die dunkelste Stunde seines Lebens: als er im Juni 1970 während einer gefahrenvollen Bergtour auf dem Nanga Parbat, der über 8000 Meter in den Himmel ragt, im Westhimalaya seinen Bruder Günther Messner verlor. Er wurde von einer Lawine erfasst und verunglückte tödlich. Voller Verzweiflung habe er damals versucht, seinen verschütteten Bruder unter der meterdicken Schneeschicht mit bloßen Händen auszugraben, sagte er. Doch für Günther Messner, dessen sterbliche Überreste und verrottete Kleidungsstücke erst in den Jahren 2000 und 2005 gefunden wurden, sei jede Hilfe zu spät gekommen.

Von dem schmerzlichen Verlust seines Bruders und eigenen Nahtoderfahrungen in der menschenfeindlichen Einöde ließ sich Grenzgänger Reinhold Messner nicht abhalten, seine Erkundungen sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Welt fortzusetzen. „Ich habe die großen Sand- und Eiswüsten durchquert und Wasserströme durchwatet. Nicht ungefährlich für mich, da ich nicht schwimmen kann“, blickte er zurück. Der 81-Jährige berichtete auch von Halluzinationen, die ihn befielen, wenn Essen und Trinken aufgebraucht waren. Messner kraxelte nicht nur Bergwände empor, sondern durchquerte 1993 ebenso Grönland zu Fuß auf einer Strecke von 2200 Kilometern. Was für ein kräftezehrender Gewaltmarsch, ständig Auge in Auge mit drohenden Gefahren. Die Konzentration auf das gegenwärtige Handeln sei bei Extremexpeditionen mit das Wichtigste: „Die Schwerkraft gehört dazu, die allein stellt eine Gefahr dar.“

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