Birkenheide
Regelbrüche und aggressives Verhalten: Birkenheide will Schulsozialarbeit aufbauen
Die Albertine-Scherer-Grundschule sieht wachsende soziale Herausforderungen und will eine Stelle für Schulsozialarbeit einrichten. Schulleiterin Dorothee Hörl drängt dabei auf eine personelle Ausstattung im Umfang vergleichbarer Grundschulen der Verbandsgemeinde Maxdorf.
„Auch in Birkenheide gibt es zunehmend Familien, in denen es erzieherische und finanzielle Probleme gibt“, erzählt Hörl. Zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten bei manchen Schülerinnen und Schülern, aber auch Regelbrüche und aggressives Verhalten sind Stichworte, die sie als Auswirkungen im Schulalltag wahrnehme. „Einige Kinder leben ihre Sorgen in der Schule aus, nachdem sich die Eltern getrennt haben“, gibt Hörl ein Beispiel für Herausforderungen im privaten Bereich, die dazu führen, dass Kinder im Unterricht auffällig werden.
Lehrkräfte stoßen an Grenzen
In etlichen Familien gebe es zudem finanzielle Sorgen. „Auch in Birkenheide werden für immer mehr Kinder Leistungen zur Teilhabe beantragt“, erzählt Dorothee Hörl im RHEINPFALZ-Gespräch. In vom Jobcenter genehmigten Fällen gebe es dann finanzielle Unterstützung für das Schulmittagessen oder auch für Klassenfahrten.
„Natürlich fangen wir Kinder auf, die unter familiären Belastungen leiden“, betont die Leiterin der Albertine-Scherer-Grundschule. „Aber es kostet die Lehrkräfte sehr viel Energie und Zeit, sich parallel zum Unterricht um eine zunehmende Anzahl von Kindern zu kümmern, die in psychischer oder physischer Not sind.“ Von der Schulsozialarbeit verspricht sich Hörl deshalb sehr viel: „Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler in sozialen und emotionalen Konflikten, Entlastung für die Lehrkräfte im Schulalltag und Beratung in Erziehungsfragen für die Eltern“, nennt sie nur drei Beispiele.
„Sozialarbeit fördert den Dialog“
„Schulsozialarbeit fördert den Dialog zwischen Elternhaus und Schule zum Wohl des Kindes“, ist die Schulleiterin überzeugt – und hat deshalb einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt. Eine Zusammenarbeit könne möglicherweise mit anderen Grundschulen der Verbandsgemeinde Maxdorf oder mit der kommunalen Kita in Birkenheide stattfinden. „Oft sind die Problematiken der Kinder und ihrer Familien ja schon in diesem Alter erkennbar oder akut“, sagt Hörl.
Notwendig sei für Schulsozialarbeit ein eigenes Büro – mit PC, Telefon, Internetzugang und der Möglichkeit, vertrauliche Gespräche zu führen. Die Albertine-Scherer-Grundschule könne dafür einen Raum im Untergeschoss bereitstellen, ließ Hörl die Ratsmitglieder vorab wissen.
„Förderbedarf vorhanden“
Lange diskutiert wurde bei der jüngsten Sitzung tatsächlich nicht. Es herrschte breite Einigkeit, dass der Antrag auf Einrichtung einer Stelle Schulsozialarbeit an der Albertine-Scherer-Schule zu unterstützen ist. „Unsere Gesellschaft ist in einem sehr starken Wandel“, sagte Ortsbürgermeister Gary Kuhn (CDU). Die Herausforderungen des täglichen Lebens bei Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern würden immer größer. „Wir haben in Birkenheide bislang aber weder in der Kita noch in der Grundschule wirklich Unterstützung“, betonte Kuhn mit Blick auf die Sozialarbeit.
Über den Kreis gebe es zwar ein Sozialraumbudget – Birkenheide sei dort, im Gegensatz zu Maxdorf und Fußgönheim, aber bisher nicht berücksichtig worden, weil es die Bedarfsstatistik nicht hergegeben habe. Gary Kuhn betont indes: „Wir möchten unbedingt den Kreis darauf hinweisen, dass auch Birkenheide durchaus einige Kinder hat, die Förderbedarf haben.“
Auch Kita-Sozialarbeit im Gespräch
Die Ratsmitglieder hatten dieser Sichtweise offenbar nichts hinzuzufügen und beauftragten einstimmig die Verbandsgemeindeverwaltung damit, zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen eine halbe Stelle Schulsozialarbeit für die Albertine-Scherer-Grundschule eingerichtet werden kann. „Wir reden an dieser Stelle von 19,5 Wochenstunden, die eventuell angedockt werden könnten an die Maxdorfer Haidwaldschule, wenn es da Synergieeffekte gibt“, erläuterte Gary Kuhn. In Sachen Kita-Sozialarbeit sei er bereits im Austausch mit der Verbandsgemeindeverwaltung. „Auch hier möchte ich unbedingt, dass die Kreisverwaltung weiß, dass Birkenheide einen Bedarf hat“, sagte der Ortschef, der selbst eine Kita in Bad Dürkheim leitet.