Ludwigshafen Prozess wegen schwerer Körperverletzung: Erinnerungslücken dominieren

Tatort Gräfenaustraße in Ludwigshafen.
Tatort Gräfenaustraße in Ludwigshafen.

Vor dem Landgericht Frankenthal steht ein 23-Jähriger Ludwigshafen er wegen schwerer Körperverletzung. Erinnerungslücken dominieren den jüngsten Verhandlungstag

Ein 23-jähriger Ludwigshafener ist vor dem Landgericht Frankenthal wegen schwerer Körperverletzung in sechs Fällen angeklagt. Beim brutalsten der Vorfälle, einer Schlägerei vor einem Café in der Gräfenaustraße in Ludwigshafen am 1. April 2025, soll er unter den Angreifern gewesen sein. Verprügelt und schwer verletzt wurden dabei drei Gäste, die einem auf dem Gehweg vor dem Café liegenden Verletzten helfen wollten. Doch Zeugen des Vorfalls geben an, sich nicht mehr erinnern zu können.

Laut Staatsanwaltschaft soll der angeklagte 23-Jährige auf dem Gehweg vor einer Shisha-Bar in der Gräfenaustraße im Hemshof mit mehreren Mittätern zunächst einen Mann zusammengeschlagen und getreten haben, sodass dieser eine gebrochene Nase und Verletzungen an den Zähnen davontrug. Ein Zeuge der Ereignisse, der das Café verließ, um dem Verletzten zu helfen, wurde so geschlagen, dass er stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden musste. Er rief per Handy zwei Verwandte um Hilfe.

Geschlagen und getreten

Als die beiden Onkel hinzukamen, wurden auch sie geschlagen und getreten und dabei mit einem Schlagring und Messer attackiert, sodass sie Jochbein- und Nasenbeinbrüche sowie weitere Verletzungen erlitten. So gut wie alle Geschädigten, Zeugen und auch der 23-jährige Angeklagte selbst besitzen türkischen Migrationshintergrund, wie auch die mutmaßlichen Mittäter der angeklagten sechs Gewaltdelikte.

Am jüngsten Verhandlungstag stand noch einmal die Vernehmung von Zeugen vor dem Café in der Gräfenaustraße im Mittelpunkt. Er und sein Zwillingsbruder seien von seinem Neffen angerufen worden, berichtete einer der Zeugen. Dieser habe berichtet, dass er von einer Gruppe von sechs bis sieben jungen Männern geschlagen worden sei, weil er einen Mann vom Gehweg vor dem Café aufgehoben habe. Als sie am Café angekommen seien, sei kurz darauf von zwei Seiten eine größere Gruppe junger Männer aufgetaucht. Sie hätten noch versucht, mit ihnen zu reden, zwei hätten sie entfernt gekannt. Doch die Situation sei gleich eskaliert.

Situation eskaliert

Ein Angreifer habe versucht, ihn mit einem Messer zu stechen, dann seien die anderen auf sie losgegangen. Er habe ein paar Faustschläge ausgeteilt, doch selbst einen harten Schlag, vielleicht mit einer Eisenstange, auf den Kopf bekommen und sei in ein Gebüsch geflogen. „Einer hat meinen Bruder mit einem Schlagring ins Gesicht geschlagen, er ging zu Boden und ist nicht mehr aufgestanden“, sagte der Zeuge.

Sein Neffe habe auf dem Boden gelegen und sei von mehreren Personen mit den Füßen getreten worden, darunter vom Angeklagten. Um was es bei der ersten Auseinandersetzung vor dem Café ging, wisse er nicht, sagte er. Die Gruppe der Angreifer habe wohl eine bestimmte Person gesucht. Verschiedene Personen aus dem Café hätten das Ganze beobachtet, die die Zeugen auch namentlich benennen konnten. Darunter sei auch der Café-Betreiber gewesen.

Staatsanwalt verärgert

Im Zeugenstand konnte sich der 37-jährige Cafébesitzer kaum noch an Einzelheiten des Vorfalls erinnern. Der Neffe habe bereits auf dem Boden gelegen. Andere hätten sich gekümmert, er habe noch Wasser und Papiertücher gebracht. Sonst habe er nichts mitbekommen. An dem Abend seien Stammgäste verprügelt und verletzt worden, ob man im Café nicht anschließend darüber geredet habe, ob er später nichts dazu gehört habe, fragt ihn Richter André Bohlender. Doch der Cafébesitzer weicht aus, sagt, er wisse nichts. Den Angeklagten selbst kenne er nicht.

„Ich glaube Ihnen kein Wort“, ärgert sich Staatsanwalt Roman Goerge über den vorgeblichen „Gedächtnisverlust“. Doch den Cafébesitzer lässt das kalt. Auch ein 28-Jähriger soll als Gast im Café den Vorfall genau mitbekommen haben. „Ich war da nicht ganz nüchtern und habe erst bemerkt, dass etwas los war, als die Polizei kam“, sagt der dem Gericht. An mehr könne er sich nicht mehr erinnern. Nun sollen im Prozess die Plädoyers folgen.

x