Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess gegen 41-Jährigen: Waren es immer die anderen?

Der Mann auf der Anklagebank soll unter anderem seine Schwester und seinen Vater geschlagen haben.
Der Mann auf der Anklagebank soll unter anderem seine Schwester und seinen Vater geschlagen haben.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung und mehr steht ein 41-jähriger Ludwigshafener vor Gericht. Dort geht es auch um seine Schuldfähigkeit.

Der am Dienstag begonnene Prozess vor der Achten Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal ist ein Sicherungsverfahren. Das Ziel: den 41-Jährigen in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Aus dem Sicherungsverfahren könnte im Verlauf der Verhandlung aber ein Strafverfahren werden, so der Vorsitzende Richter Andre Bohlender. Das hänge letztendlich von einem Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen Iris Schick ab.

Staatsanwältin Ann-Christin Schubing geht in den drei Anklagen, um die es in dem Verfahren geht, davon aus, dass der 41-Jährige schuldunfähig ist. Wäre dem so, könnte er für die Taten, die ihm vorgeworfen werden, nicht bestraft werden. Und da es sich um ein Sicherungsverfahren handelt, gilt der Ludwigshafener nicht als Angeklagter, sondern als Beschuldigter.

Der Schwester gegen den Kopf getreten?

Bei allen Punkten der Anklagen geht es um Streitereien, überwiegend mit Personen aus dem Umfeld des 41-Jährigen. Am 1. Mai 2019 soll der erste dieser Vorfälle gewesen sein. Der Ludwigshafener soll gegen Abend an dem Haus geklingelt haben, in dem unter anderem seine Ex-Frau und seine Schwester wohnten. Dies sei ein Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz gewesen, denn der Ludwigshafener habe sich nicht in der Nähe des Hauses aufhalten dürfen, so die Staatsanwältin. Er habe Streit mit seiner Schwester bekommen, die habe gedroht, die Polizei zu informieren. Daraufhin habe er seiner Schwester mit der Faust ins Gesicht geschlagen, so dass die Frau hingefallen sei. Der Ludwigshafener habe ihr dann gegen den Kopf getreten.

Ganz anders klang die Version des Mannes, die sein Rechtsanwalt Christian Vollweiler im Namen des Beschuldigten vortrug. Sein Mandant habe an dem Gebäude Spielsachen – ein verspätetes Geschenk zum Geburtstag seiner Tochter – abstellen wollen. Es sei zum Streit mit seiner Schwester gekommen, die habe ihn geschlagen, er habe mit der Faust zurückgeschlagen und einen weiteren Schlag abbekommen.

Wer wollte wem „den Schädel spalten“?

In einem weiteren Punkt der Anklage geht es um eine Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und seiner Ex-Frau am 31. Oktober 2022. Der Mann habe an die Tür der Wohnung seiner Exfrau „gehämmert“. Die Frau habe geöffnet, der 41-Jährige habe die Tür gegen sie geschlagen, ihr ins Gesicht gespuckt und ihr unter anderem damit gedroht, ihr „den Schädel zu spalten“.

Auch dazu ist die von dem Anwalt vorgetragene Version des Ludwigshafeners deutlich anders. Der 41-Jährige habe bei seiner Exfrau persönliche Gegenstände abholen wollen, die Frau habe diese jedoch nicht herausgegeben, so Vollweiler im Namen seines Mandanten. Die beiden hätten sich gestritten und gegenseitig beleidigt. Dann habe die Frau den 41-Jährigen angespuckt, er habe zurückgespuckt, die Frau habe gedroht ihm den Schädel zu spalten und mit einem Baseballschläger den Mann und gegen einen Zaun geschlagen.

Den eigenen Vater geschlagen?

Weitere Vorwürfe: Am 15. November soll der 41-Jährige in der Bruchwiesenstraße einem Mann mehrfach an das Schienbein getreten haben. Sein Mandant könne sich nicht erklären, was der Grund für diesen Vorwurf sei, sagte Vollweiler. Am 17. Januar 2023 soll der Beschuldigte einem anderen Mann mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dessen Handy kaputt gemacht haben, lautet ein weiterer Vorwurf. Laut dem 41-Jährigen hat ihm der Mann mehrfach Schläge angedroht, er habe ihm dann „einen Klaps“ gegeben und sei weggegangen.

Schließlich soll der Mann am 3. September 2023 seinem Vater in der gemeinsamen Wohnung in Ludwigshafen mehrfach ins Gesicht geschlagen und das Handy seines Vaters an die Wand geworfen haben, so dass es kaputt gegangen ist. Der Vater habe ihm Verschiedenes gestohlen, deshalb habe es Streit gegeben, aber ohne körperliche Auseinandersetzung, lautete hier die Erklärung.

Der 41-Jährige sagte, dass er zu all diesen Leuten keinen Kontakt mehr habe, außer zu seinem Vater. Und zu dem sei das Verhältnis schlecht. Er wolle mit seiner Schwester nichts mehr zu tun haben. Auch wisse er nicht, wo seine Ex-Frau und seine Tochter leben. „Seit ich die ganzen Leute weg habe, habe ich keine Probleme mehr“, so der Ludwigshafener.

Der Prozess wird am Donnerstag, 7. Mai, fortgesetzt.

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