Ludwigshafen
Prozess: Angeklagter stellt sich als Opfer und Pechvogel dar
Ein 23-jähriger Ludwigshafener ist vor dem Landgericht Frankenthal angeklagt, in insgesamt sechs Fällen an gewalttätigen Angriffen und gefährlichen Körperverletzungen in Ludwigshafen beteiligt gewesen zu sein. Dabei kamen ein Schlagstock, eine Machete, ein Messer und ein Schlagring zum Einsatz. Die Opfer erlitten erhebliche Verletzungen. Nun hat der Angeklagte erstmals seine Version der Ereignisse geschildert und seine Beteiligung zugegeben.
Laut Anklage soll der 23-jährige im ersten Fall im September 2024 mit mehreren Mittätern in ein Lokal in der Sternstraße in Friesenheim gestürmt sein. Bei der folgenden Auseinandersetzung mit anderen Männern auf dem Gehweg seien Waffen wie Schlagstöcke, Reizgas und Macheten zum Einsatz gekommen, eine Person damit verletzt worden. Eine Woche danach habe er in einer Gruppe in der Schanzstraße im Hemshof grundlos Personen angegriffen und diese mit Faustschlägen und Tritten verletzt.
Nasenbein gebrochen
Im November 2024 soll er zusammen mit drei anderen Mittätern einen 28-Jährigen mit einer Eisenstange und einer Machete angegriffen und diesen geschlagen und verletzt haben. Im April 2025 soll er mit Mittätern an einer Schlägerei vor einer Shisha-Bar in der Gräfenaustraße im Hemshof beteiligt gewesen sein. Hier soll er einem Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass das Nasenbein brach, Zähne verletzt wurden und das Opfer stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden musste. Ein Unbeteiligter, der dem Verletzten kurz danach helfen wollte, sei ebenfalls geschlagen worden. Zwei hinzukommende Onkel des Helfers seien ebenfalls mit einem Schlagring und Messer attackiert und getreten worden, so dass diese Jochbein- und Nasenbeinbrüche sowie weitere Verletzungen erlitten.
Nach bisher acht Verhandlungstagen erweist sich die Aufklärung der einzelnen Vorfälle als zäh und schwierig. Geladene Zeugen erscheinen zum Teil nicht oder geben an, sich kaum noch genau zu erinnern. Andere Aussagen wirken wenig überzeugend. Viele der Opfer und Zeugen haben offenbar einen türkischen Migrationshintergrund.
23-Jähriger zeigt Reue
Erstmals im Prozess hat nun der Angeklagte selbst Angaben zu seiner Person gemacht und Stellung zu den Vorwürfen bezogen. Wie der 23-jährige Alen A. in perfektem Deutsch sagte, sei er in Friesenheim aufgewachsen und habe hier die Mittlere Reife gemacht. In seiner Ausbildung als Heizungs- und Klimatechniker habe er Anfang 2023 die Schlussprüfung nicht geschafft. Er habe versucht, sich selbstständig zu machen, doch habe dies bisher nicht geklappt.
Er habe im letzten halben Jahr Untersuchungshaft Zeit gehabt, über alles nachzudenken. „Was damals geschehen ist, bereue ich sehr. Es tut mir leid, wenn ich jemand verletzt habe“, meinte er. Er sei nicht Teil einer Gruppe oder Bande gewesen.
Angriff mit Axt ausgewichen
Im Anschluss trug sein Verteidiger Rechtsanwalt Sebastian Göthlich aus Ludwigshafen eine Stellungnahme zu den sechs angeklagten Fällen vor. Die Schlägerei vor dem Lokal in der Sternstraße habe sich entwickelt, weil ein Auto vor einer Ampel bei Grün nicht losgefahren sei. Sein Freund habe gehupt, da sei der Fahrer ausgestiegen, man habe sich gegenseitig beleidigt. Der Fahrer sei ihnen dann bis zu ihrem Ziel, einer Bar in Friesenheim gefolgt. Zusammen mit einem Barbesitzer habe sich dieser mit einer Axt und einem Messer bewaffnet. Dem Angriff mit der Axt sei er ausgewichen und habe den Angreifer mit dem stumpfen Ende der Machete am Rücken getroffen. Später sei es vor der Bar weitergegangen. Einem Angreifer mit einem Knüppel habe er einen Faustschlag versetzt.
Beim zweiten Fall in der Schanzstraße sei er auf jemanden getroffen, mit dem er eine Zeit zuvor eine Auseinandersetzung hatte. Dieser habe erneut eine Schlägerei angefangen, seine Freunde hätten ihn weggezogen und seien daran nicht beteiligt gewesen. Im dritten Fall habe er mit Freunden jemand in Maudach abholen wollen und auf der Straße gewartet. Von einem anderen sei er dort sofort beleidigt worden, er habe ihn zurückbeleidigt, es habe eine Schlägerei gegeben. Im vierten Fall des „Geldeintreibens“ in Friesenheim habe ihn ein Freund um Hilfe gebeten, weil ein 33-jähriger geliehenes Geld nicht zurückzahlen wolle. Er habe mit diesem geredet, dieser habe ihn provoziert und gefragt, ob er „auf Jay sei“ (Marihuana). Dieser habe nach einem Messer in der Hosentasche gegriffen, da habe er ihn mit der Faust geschlagen. Von Fall fünf und sechs, der Schlägerei vor einer Shisha-Bar in der Gräfenaustraße wisse er nichts. Damit habe er nichts zu tun.
Zu dieser Erklärung des Anwalts waren keine Nachfragen möglich. Der Prozess wird mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.