Ludwigshafen Pioniereigenschaften haben geholfen
«Nord.»„Keine langen Reden, ich will mit euch feiern“, so lautete die Vorgabe des scheidenden Rektors Wolfgang Neßling von der Gräfenauschule im Stadtteil Nord am vergangenen Freitag. Die Turnhalle war liebevoll mit Fähnchenketten geschmückt, jedes Schulkind hatte einen Gruß darauf gemalt.
Ganz hielten sich die Gäste jedoch nicht an den Wunsch ihres Gastgebers. Barbara Rütz von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hatte in Erfahrung gebracht, dass vom Rektor während seiner Zeit als Pionier bei der Bundeswehr ähnliche Eigenschaften gefordert waren, wie im späteren Schuldienst. Dazu gehörten Organisationstalent, Brücken bauen und Gefahren erkennen. Schulrätin Rütz wusste außerdem zu berichten, dass Neßlings Lehrerdasein anfangs alles andere als einfach war. Als studierter Grund- und Hauptschullehrer erhielt er aufgrund von Lehrerüberschuss nur sogenannte Kopilotenverträge. Das bedeutete, nur eine halbe Stelle zu besetzen. Die erste Position für ein Jahr hatte er in Mutterstadt. Danach kümmerte Neßling sich im christlichen Jugenddorfwerk um arbeitslose und schwer vermittelbare Jugendliche. Sein Beharren, als Lehrer in Vollzeit zu arbeiten, führte ihn danach zur Gräfenauschule, mit der er nun seit 25 Jahren verbunden ist. „Zuneigung mit natürlicher pädagogischer Eignung“, bescheinigte ihm die damalige Schulleitung recht schnell, was die Gäste schmunzelnd zur Kenntnis nahmen. Auch die Oberbürgermeisterin, Jutta Steinruck (SPD) war gekommen. Die beiden hatten vor vielen Jahren gemeinsam um den Erhalt des Friedensparks gekämpft. Das sei zu einer Zeit gewesen, in der noch niemand daran dachte, dass sie selbst einmal OB der Stadt und er Schulrektor werden würde, wie Steinruck anmerkte. Doch auch vielfältiges Engagement, weit über seine schulische Funktion hinaus, zog sich wie ein roter Faden durch Neßlings Leben. Ob es sich um die Aktion „Saubere Stadt“ oder das Schmücken des örtlichen Weihnachtsbaumes handelte, stets stand Neßling mit helfender Hand zur Verfügung. Eine Schuldruckerei im Keller, der benachbarte Schulgarten, Sprachkurse im Spielhaus – das sind nur einige, der von ihm ins Leben gerufenen Projekte, die er nahezu ausschließlich in seiner Freizeit aufbaute und betreute. Was Neßling besonders am Herzen lag, war die Unterstützung auffälliger und lernschwacher Schüler. In seiner Zeit als Rektor hat er ein Netz mit dem Jugendamt und anderen Hilfsorganisationen aufgebaut. So wurden seine Bemühungen vor zwei Jahren belohnt, indem seine Schule zur Schwerpunktschule wurde. Neßling mochte seine Arbeit: „Die Kinder sind lieb, manchmal machen die Eltern die Probleme“, erzählte er seiner Frau Ingrid. Und so kann Barbara Mächtle, bisherige Konrektorin, „nicht die einfachste, aber die Beste aller Schulen als neue Rektorin übernehmen“, wie die OB bemerkte. Rektor war Neßling seit 2007. Einzig die Kollegen hielten sich daran, keine Rede zu halten. Sie hatten ein Bühnenprogramm zusammengestellt, das die Eigenheiten Neßlings darstellte. Der Pensionär will noch zwei Jahre als zweiter Vorstand des Fördervereines tätig bleiben.