Ludwigshafen Paradies mit Kois und Kerzenfressern
«Waldsee.» Wenn man in der Schulstraße in Waldsee am Haus Nr. 11 vorbeigeht, gibt es nichts, was einen auf das vorbereitet, was sich hinter dem Hoftor verbirgt. Aber geht man durch dieses hindurch, betritt man eine andere Welt. Möglich war das für die Öffentlichkeit am Sonntag anlässlich des Tags der offenen Gärten.
Ein ganz normales, älteres, ehemals landwirtschaftliches Anwesen, das Haus zur Straße hin keineswegs auffallend groß, der Hof schmal und lang nach hinten führend, niedrige Nebengebäude an der Mauer entlang waren früher Schweinestall und Schuppen. Das Besondere: Das sehr lange Grundstück hat 1472 Quadratmeter, davon allein 600 Quadratmeter Garten. In den innerdörflichen Vierteln, nicht nur in Waldsee, kontrastiert meist eine geschlossene Bebauung zu den Straßen hin mit den weiten Grünbereichen im Innern. Hinter dem alten, gut modernisierten Haus steht ein weiteres aus den 1970er-Jahren, das sich der Vater von dem Besitzer des Anwesens, Klaus Zickgraf, als Wohnhaus hat bauen lassen. Dahinter setzt sich der Garten in voller Breite des Grundstücks fort – als Wassergarten. Ein großer Teich lädt zum Schwimmen ein, in den flacheren, abgegrenzten Randbereichen wachsen Seerosen, gelbe Sumpf-Schwertlilien und andere Sumpf- und Wasserpflanzen. Im Teich lebt eine Familie von Koi-Karpfen. Zwei Störe gehören ebenfalls zu den Teichbewohnern, außerdem viele, viele Frösche. Wie geht denn das Zusammenleben von Fisch und Mensch beim Baden? „Ein bisschen Stress haben die, wenn die Enkel zum Baden kommen, herumplanschen und versuchen, Fische mit der Hand zu fangen. Die Fische waren bisher aber immer die Schnelleren“, sagt Klaus Zickgraf lachend. Die Familie hat nicht nur ein Herz für Teichbewohner: Eine ganze Reihe von Insektenhotels, selbst gebaut, sind überall verteilt, und auch Nistkästen kann man entdecken. Ganz am Ende des Grundstücks, hinter dem Teich, liegt neben einem Grillplatz ein gebautes kleines Speise- und Wohnzimmer mit offenem Kamin, aber über das Grundstück verteilt gibt es noch etliche weitere Sitzplätze, jeder an einer Stelle mit eigenem Charakter. Überhaupt stecken eine Menge hübscher Ideen überall auf dem Gelände. Zickgraf liebt altes Holz und hat vor einiger Zeit eine ganze Wagenladung alter Eichenbalken vom Abbruch einer Scheune vorm Verfeuern gerettet. Nun dienen die senkrecht „eingepflanzten“ Balken als Unterbau für Laternen und selbstgemachte große Kerzen, er nennt sie Kerzenfresser. In flache Deckeltöpfe, asiatische Woks, kommt ein dicker Docht, und alte Kerzenreste, die zusammenschmelzen und eine neue Kerze ergeben. Ein großer Sitzplatz im Hof ist in einem bunten Muster mit Restposten von Pflastersteinen belegt. Überall zwischen den Pflanzen stecken lustige, geschmiedete Metallskulpturen – die stammen nicht von Zickgraf, Matthias Thönnes hat sie gemacht. Unter der riesigen Himalaya-Zeder ist ein winziger Trollgarten mit kleinen Figürchen entstanden, der an ein Hobbit-Dorf erinnert. Alte Sammeltassen sind zu Kerzen geworden, die ganzen Gedecke zu Vogelhäuschen oder zu Etageren. Die hübschen Sachen verkaufen die Zickgrafs seit einiger Zeit auch in einem kleinen Lädchen auf dem Grundstück. Es heißt „schön und gut“ und ist dienstags und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Wer hinter die Kulissen schauen will, kann dies auch zur Hofweihnacht am 14. und 15. Dezember tun. Da gibt’s eine kleine Adventsausstellung.