Fußball
Oberliga: FC Arminia Ludwigshafen gegen Cosmos Koblenz unter Druck
Der Begriff „Endspiel“ wird im Fußball inflationär verwendet. Ein Endspiel ist die letzte Partie eines Wettbewerbs, danach ist tatsächlich Schluss. Trotzdem hat das Heimspiel des akut abstiegsbedrohten Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen gegen Aufsteiger Cosmos Koblenz am Samstag (16 Uhr) einen vergleichbaren Charakter. Der Arminia hilft mutmaßlich nur ein Sieg weiter, wobei diesem wohl weitere folgen müssen. Vermutlich entscheidet sich erst nach dem letzten Spieltag, wer absteigen muss. Dafür ist es von Bedeutung, ob der Vizemeister sich in den Aufstiegsspielen durchsetzt.
Die Situation am Tabellenende gestaltet sich undurchsichtig. Diefflen hat am 15. April bei seinem 3:2-Sieg in Idar-Oberstein in der hektischen Endphase statt der erlaubten fünf Akteure einen sechsten Spieler eingewechselt. „Die Partie wird mit 2:0 für Idar-Oberstein gewertet“, informiert FCA-Sportchef Markus Impertro. Damit haben die Saarländer nur noch 30 Zähler auf dem Konto, Idar-Oberstein 31. „Ich weiß nicht, ob das positiv oder negativ ist. Wir müssen auf uns schauen und die nötigen Punkte selbst einfahren“, lässt die Entscheidung Arminia-Trainer Ralf Gimmy kalt. Für den Moment rücken die Schwarz-Weißen dadurch auf Rang 15 vor, der reicht, wenn der Vizemeister aufsteigt.
Appell an Zuschauer
Cosmos Koblenz ist im vorigen Sommer in die Oberliga zurückgekehrt und steht mit 39 Zählern bei noch vier ausstehenden Begegnungen kurz vor dem Klassenverbleib. „Die Koblenzer haben zuletzt dreimal in Folge gewonnen, sind also gut drauf und werden mit breiter Brust aufkreuzen“, glaubt Gimmy und tüftelt am Matchplan. Die Routiniers Wal Fall und Steffen Straub werden mit Muskelverletzungen wohl ausfallen. Dafür dürften die flexibel einsetzbaren Malte Moos nach Handbruch und Leon Zinnicke nach Knöchelverletzung wieder zur Verfügung stehen. Auch Außenverteidiger Jannik Dörr gehört nach wochenlanger Verletzungspause zum Kader. Er kam nach der Winterpause noch nicht zum Einsatz.
Doch wichtiger als die Aufstellung ist die Einstellung. „So wie man trainiert, so spielt man auch“, betont der Coach, der in den Übungseinheiten dieser Woche angetan war von der Aggressivität, der Intensität und dem Umsetzen von Inhalten. Ziel sei, nach starken Trainingsleistungen mit einem guten Gefühl ins Spiel zu gehen. Und Gimmy hat noch etwas anderes auf dem Herzen: „Ich appelliere an die Rheingönheimer Zuschauer und die Arminia-Anhänger am Samstag zu uns zu kommen und die Mannschaft zu unterstützen. Nicht mit der Erwartung von brasilianischem Zauberfußball, aber der Besucher soll ein Team erleben, das sich zerreißt.“
Wichtiger Führungsspieler
Zu den Führungsspielern, auf die es jetzt mehr denn je ankommt, zählt Kevin Urban. Der 29-jährige Torhüter spielte bereits in der Serie 2015/16 sowie von 2017 bis 2019 für die Arminen und kehrt vor sechs Jahren zum FCA zurück. 178 Mal wurde er bislang in Oberliga und Verbandsliga bei der Arminia eingesetzt. „Es wären sicher mehr Spiele, wenn es die Corona-Jahre nicht gegeben hätte“, sagt Urban. Die Arminia habe es trotz der 0:5-Packung bei Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern II, der „körperlich, technisch und spielerisch eine brutale Qualität“ habe, in einer extrem ausgeglichenen Liga selbst in der Hand, den Abstieg zu vermeiden.
„Kevin ist ein erfahrener Torwart, der seit Langem für die Arminia spielt und sich einbringt. Er hat den Anspruch Führungsspieler zu sein und ist es auch. Kevin ist lautstark, auch in der Kabine“, beschreibt Gimmy den Modellathleten, der mit seiner Statur und der beachtlichen Spannweite respekteinflößend wirkt. Und ganz wichtig: Urban, der auch für den SC Hauenstein und Wormatia Worms in der Oberliga zwischen den Pfosten gestanden hat, ist jemand, der sich mit der Arminia identifiziert, sonst wäre er nicht in seiner neunten Saison beim FCA. „Ich fühle mich hier wohl, habe noch Vertrag bis 2027 und wechsle nicht mehr, auch nicht im Abstiegsfall“, legt sich der Schlussmann fest.
Kumpels statt Konkurrenten
Nach einem Muskelbündelriss mit Sehnenbeteiligung verpasste er in dieser Runde etliche Begegnungen. „Just in einer englischen Woche bin ich ins Tor zurückgekehrt. Das war schon anstrengend“, verdeutlicht Urban, der sein Studium abgeschlossen hat und bei einem Unternehmen aus der Finanzbranche im Marketingbereich arbeitet. Weiterhin Bestand hat die Freundschaft zu seinem Torhüterkollegen Peter Klug. Die beiden sind keine Konkurrenten, sondern Kumpel. „Jeder gönnt dem anderen die Einsätze, zumal es gut für die Trainingsqualität ist, wenn zwei gestandene Oberliga-Torhüter zur Verfügung stehen“, erklärt der 29-Jährige.
Wie gut das Verhältnis ist, belegt ein Ausspruch Klugs: „Kevin ist einer der besten Oberligatorhüter. Auch deswegen setze ich mich ohne zu murren auf die Bank und unterstütze ihn.“ Urban richtet den Blick indes auf den Samstag: „Wir müssen als Mannschaft auftreten, so wie es beispielsweise Gau-Odernheim macht. Das ist keine Überfliegermannschaft, aber ein Team, das geschlossen auftritt und zusammenhält.“ Gau-Odernheim hat Cosmos Koblenz kürzlich 5:0 geschlagen. Den FCA würde schon ein 1:0 glücklich machen.