Fussball
Oberliga-Abstiegskampf: Arminia Ludwigshafen hofft auf Schützenhilfe aus Pirmasens
Beim Schlusspfiff schien für die Arminen der Abstieg in die Verbandsliga besiegelt. Minuten später aber war der Abwärts-Fahrschein nach Dudenhofen weitergewandet. Mit dem 2:0-Sieg beim SC Idar-Oberstein haben die Rheingönheimer am Samstag das Ihre getan, um in der Oberliga zu bleiben. Nach rettendem Beistand aus Gau-Odernheim ist jetzt (diesmal eigennützige) Schützenhilfe aus Pirmasens vonnöten. Triumphiert der FK Pirmasens in der Dreierrunde um den Regionalliga-Aufstieg, bleiben die Arminen fünftklassig. Was sie am letzten Spieltag tun konnten, haben sie getan: Ohne den Dreier wäre der Abstieg besiegelt gewesen.
Der schicke „Schleiferplatz“ im Herzen der Edelsteinmetropole liegt 283 Meter überm Meeresspiegel. Die Heimstatt des SC IO „im Haag“ findet sich nur anderthalb Kilometer Luftlinie entfernt – die Elfmeterpunkte aber liegen auf 434 Metern Höhe.
Wer hinauf schnauft, meint, gleich müsse wohl das Matterhorn in Sicht kommen, wenn im grünen Nichts hinterm Ende der bürgersteiglosen Asphaltstraße plötzlich das Hans-Dieter-Krieger-Stadion auftaucht. Benannt ist es nach dem vor Jahresfrist verstorbenen Mäzen und Präsidenten. Krieger hätte der Zustand seiner Herzenstruppe anno 2026 schwer mitgenommen. Mutmaßlich hätte der mit feinem Sinn für Humor ausgestattete Unternehmer behauptet, er hätte mit seinen 86 Jährchen beim Elfmeter doppelt so viel Druck hinter den Ball bekommen wie der hochgeschätzte Brasilianer Alex.
Keeper Kevin Urban pariert Elfer zur rechten Zeit
Hätte, Wenn und Aber: Krieger lebt nicht mehr, „sein“ SC steigt (mal wieder) ab und festigt sein Fahrstuhl-Image. Edeltechniker Alex brachte in seinem letzten Spiel nach 14 Jahren im Idar-Trikot vom 434 Meter hoch gelegenen Elfmeterpunkt aus nur ein Schüsschen zustande – was die Parade von Arminen-Keeper Kevin Urban nicht schmälern soll (47.). „Wenn der reingeht, kann’s noch mal eng werden“, kommentierte später Ralf Gimmy. Arminias „Feuerwehrmann“ bekannte in der Pressekonferenz: „Ich komme so gerne hierher. Nette Leute, schöne Erinnerungen. Aber die Fahrerei ...“. Gimmy war als Trainer garantiert letztmals auf dem Berg hoch über der Nahe, wie er beteuerte. Der Rest vom FC-Tross hegt die Hoffnung, nicht mit dem SC in die Verbandsliga abzurücken. Weniger wegen der 135-Kilometer-Reise vom Rhein zur Nahe.
Weil Urban den Elfer hielt, stand die Null. Und es genügten die beiden Treffer schon vorm Wechsel. Auf Vorlage des über links nach vorn preschenden Steffen Straub hatte Bastian Hommrich im Strafraum am schnellsten geschaltet – nach 22 Minuten war die Arminia auf bestem Weg. „Die ersten 25 Minuten waren gut – dann aber hat Ludwigshafen hochverdient gewonnen“, sah Gimmys Gegenüber Marco Reich die Partie Mitte der ersten Hälfte kippen. Problem der Arminen: ein allzu schlampiger Umgang mit Torchancen.
Noah Hannawald „muss drei, vier Tore machen“
„Klar, drei oder vier muss ich schon machen heute“, gab sich Noah Hannawald später selbstkritisch. „Einmal hab ich Pech, als der Pfosten im Weg steht“, spielte der Offensivmann auf eine von vielen Großchancen in der Schlussphase an. Immerhin: Hannawald – am Samstag ein Aktivposten – hatte das 2:0 regelrecht erzwungen und dabei von starker Team-Vorarbeit profitiert: Hommrich und Leon Zinnicke hatten bei einem Idar-Vorstoß aufs Hefti. Yakub Polat schnappte sich den Ball und schaltete um. Über Zinnicke gelangte die Kugel zu Hannawald. Der fand keine Mitspieler – brauste los, ließ Niklas Baus stehen. und zog ab. Wie ein Strich sauste der Ball aus 16 Metern ins Netz.
Die beiden Treffer dürfen jedoch keinesfalls über das insgesamt doch dürftige Niveau der Partie hinwegtäuschen. „Die Tabelle lügt nicht“: Der Spruch mag arg strapaziert sein. Ralf Gimmy aber hat in seiner langen Karriere so viele Belege dafür gesammelt, dass er ihn noch immer anbringt. Am Samstag passte es in der Tat. Beide Teams zeigten derart viele Unzulänglichkeiten, dass sich die Partie eher auf hohem Landes- denn auf Oberliga-Niveau bewegte.
Zu viele Egoismen – zu wenig Teamgeist
„Wir sind keine Mannschaft – weder auf noch neben dem Platz“, sinnierte Ersatzkeeper Peter Klug über den Zustand der Truppe, in der es seiner Ansicht nach zu viele Individualisten mit ausgeprägten Eigeninteressen gebe. Gimmy wiederum räumte ein, dass der Zustand der Mannschaft nun wahrlich nicht der Beste gewesen sei. „Mein Vorgänger hat gesagt: Die Mannschaft ist tot. Ich habe mir drei Ziele gesteckt – und eines zumindest erreicht: Sie lebt wieder.“
Ziel zwei und drei – weniger Tore fangen und mehr erzielen – war nicht umsetzbar. „Das hat man heute ja gesehen“, so Gimmy. Zwar stand die Null, doch hatte das vor allem mit erbarmungswürdig verpuffenden Angriffsbemühungen der Gastgeber zu tun. Beim Abpfiff war Arminia abgestiegen. Minuten später fiel das Tor, dass den FC weiter hoffen lässt. Jetzt muss Pirmasens den Aufstieg schaffen. „Aber die Mannheimer sind richtig stark“, mahnte Co-Trainer Kevin Selzer vor allzu hohen Erwartungen. Wer hätte gedacht, dass Arminia mal auf ein Versagen des VfR angewiesen ist.