Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Oberliga-Abstiegskampf: Arminia Ludwigshafen hofft auf Schützenhilfe aus Pirmasens

Zweiter Streich in Idar-Oberstein: Nach seinem tollen Tor zum 2:0 für die Arminia lässt sich Noah Hannawald vom Schützen des ers
Zweiter Streich in Idar-Oberstein: Nach seinem tollen Tor zum 2:0 für die Arminia lässt sich Noah Hannawald vom Schützen des ersten Treffers, Bastian Hommrich (rechts), und Kevin Selzer feiern. Verdeckt im Hintergrund: Lukas Hartlieb, der gleich an den Feierlichkeiten teilnehmen wird.

Entscheidung vertagt: Mit einem Sieg in Idar-Oberstein wahrt Arminia Ludwigshafen die Hoffnung auf den Verbleib in der Fußball-Oberliga. Dazu braucht’s Mannheimer Fehltritte.

Beim Schlusspfiff schien für die Arminen der Abstieg in die Verbandsliga besiegelt. Minuten später aber war der Abwärts-Fahrschein nach Dudenhofen weitergewandet. Mit dem 2:0-Sieg beim SC Idar-Oberstein haben die Rheingönheimer am Samstag das Ihre getan, um in der Oberliga zu bleiben. Nach rettendem Beistand aus Gau-Odernheim ist jetzt (diesmal eigennützige) Schützenhilfe aus Pirmasens vonnöten. Triumphiert der FK Pirmasens in der Dreierrunde um den Regionalliga-Aufstieg, bleiben die Arminen fünftklassig. Was sie am letzten Spieltag tun konnten, haben sie getan: Ohne den Dreier wäre der Abstieg besiegelt gewesen.

Der schicke „Schleiferplatz“ im Herzen der Edelsteinmetropole liegt 283 Meter überm Meeresspiegel. Die Heimstatt des SC IO „im Haag“ findet sich nur anderthalb Kilometer Luftlinie entfernt – die Elfmeterpunkte aber liegen auf 434 Metern Höhe.

Wer hinauf schnauft, meint, gleich müsse wohl das Matterhorn in Sicht kommen, wenn im grünen Nichts hinterm Ende der bürgersteiglosen Asphaltstraße plötzlich das Hans-Dieter-Krieger-Stadion auftaucht. Benannt ist es nach dem vor Jahresfrist verstorbenen Mäzen und Präsidenten. Krieger hätte der Zustand seiner Herzenstruppe anno 2026 schwer mitgenommen. Mutmaßlich hätte der mit feinem Sinn für Humor ausgestattete Unternehmer behauptet, er hätte mit seinen 86 Jährchen beim Elfmeter doppelt so viel Druck hinter den Ball bekommen wie der hochgeschätzte Brasilianer Alex.

Keeper Kevin Urban pariert Elfer zur rechten Zeit

Hätte, Wenn und Aber: Krieger lebt nicht mehr, „sein“ SC steigt (mal wieder) ab und festigt sein Fahrstuhl-Image. Edeltechniker Alex brachte in seinem letzten Spiel nach 14 Jahren im Idar-Trikot vom 434 Meter hoch gelegenen Elfmeterpunkt aus nur ein Schüsschen zustande – was die Parade von Arminen-Keeper Kevin Urban nicht schmälern soll (47.). „Wenn der reingeht, kann’s noch mal eng werden“, kommentierte später Ralf Gimmy. Arminias „Feuerwehrmann“ bekannte in der Pressekonferenz: „Ich komme so gerne hierher. Nette Leute, schöne Erinnerungen. Aber die Fahrerei ...“. Gimmy war als Trainer garantiert letztmals auf dem Berg hoch über der Nahe, wie er beteuerte. Der Rest vom FC-Tross hegt die Hoffnung, nicht mit dem SC in die Verbandsliga abzurücken. Weniger wegen der 135-Kilometer-Reise vom Rhein zur Nahe.

Weil Urban den Elfer hielt, stand die Null. Und es genügten die beiden Treffer schon vorm Wechsel. Auf Vorlage des über links nach vorn preschenden Steffen Straub hatte Bastian Hommrich im Strafraum am schnellsten geschaltet – nach 22 Minuten war die Arminia auf bestem Weg. „Die ersten 25 Minuten waren gut – dann aber hat Ludwigshafen hochverdient gewonnen“, sah Gimmys Gegenüber Marco Reich die Partie Mitte der ersten Hälfte kippen. Problem der Arminen: ein allzu schlampiger Umgang mit Torchancen.

Noah Hannawald „muss drei, vier Tore machen“

„Klar, drei oder vier muss ich schon machen heute“, gab sich Noah Hannawald später selbstkritisch. „Einmal hab ich Pech, als der Pfosten im Weg steht“, spielte der Offensivmann auf eine von vielen Großchancen in der Schlussphase an. Immerhin: Hannawald – am Samstag ein Aktivposten – hatte das 2:0 regelrecht erzwungen und dabei von starker Team-Vorarbeit profitiert: Hommrich und Leon Zinnicke hatten bei einem Idar-Vorstoß aufs Hefti. Yakub Polat schnappte sich den Ball und schaltete um. Über Zinnicke gelangte die Kugel zu Hannawald. Der fand keine Mitspieler – brauste los, ließ Niklas Baus stehen. und zog ab. Wie ein Strich sauste der Ball aus 16 Metern ins Netz.

Die beiden Treffer dürfen jedoch keinesfalls über das insgesamt doch dürftige Niveau der Partie hinwegtäuschen. „Die Tabelle lügt nicht“: Der Spruch mag arg strapaziert sein. Ralf Gimmy aber hat in seiner langen Karriere so viele Belege dafür gesammelt, dass er ihn noch immer anbringt. Am Samstag passte es in der Tat. Beide Teams zeigten derart viele Unzulänglichkeiten, dass sich die Partie eher auf hohem Landes- denn auf Oberliga-Niveau bewegte.

Zu viele Egoismen – zu wenig Teamgeist

„Wir sind keine Mannschaft – weder auf noch neben dem Platz“, sinnierte Ersatzkeeper Peter Klug über den Zustand der Truppe, in der es seiner Ansicht nach zu viele Individualisten mit ausgeprägten Eigeninteressen gebe. Gimmy wiederum räumte ein, dass der Zustand der Mannschaft nun wahrlich nicht der Beste gewesen sei. „Mein Vorgänger hat gesagt: Die Mannschaft ist tot. Ich habe mir drei Ziele gesteckt – und eines zumindest erreicht: Sie lebt wieder.“

Ziel zwei und drei – weniger Tore fangen und mehr erzielen – war nicht umsetzbar. „Das hat man heute ja gesehen“, so Gimmy. Zwar stand die Null, doch hatte das vor allem mit erbarmungswürdig verpuffenden Angriffsbemühungen der Gastgeber zu tun. Beim Abpfiff war Arminia abgestiegen. Minuten später fiel das Tor, dass den FC weiter hoffen lässt. Jetzt muss Pirmasens den Aufstieg schaffen. „Aber die Mannheimer sind richtig stark“, mahnte Co-Trainer Kevin Selzer vor allzu hohen Erwartungen. Wer hätte gedacht, dass Arminia mal auf ein Versagen des VfR angewiesen ist.

Nach dem Schlusspfiff: Trainer Ralf Gimmy und Routinier Kevin Selzer.
Nach dem Schlusspfiff: Trainer Ralf Gimmy und Routinier Kevin Selzer.
Trainer im Gespräch: Idar-Obersteins Marco Reich, Ralf Gimmy und Arminen-Co. Frank Wieschalla.
Trainer im Gespräch: Idar-Obersteins Marco Reich, Ralf Gimmy und Arminen-Co. Frank Wieschalla.
Plötzlich Jubel hinter der Bande: Der Rheingönheimer Begleittross hat was gehört.
Plötzlich Jubel hinter der Bande: Der Rheingönheimer Begleittross hat was gehört.
Aus Gau-Odernheim ist frohe Kunde eingegangen. Der Arminen-Anhang auf der Tribüne erfährt es zuerst.
Aus Gau-Odernheim ist frohe Kunde eingegangen. Der Arminen-Anhang auf der Tribüne erfährt es zuerst.
Dauert kurz, bis es auch auf dem Platz ankommt. Peter Klug (links) und Tim Amberger sind noch skeptisch.
Dauert kurz, bis es auch auf dem Platz ankommt. Peter Klug (links) und Tim Amberger sind noch skeptisch.
Frank Wieschalla kann es offenbar nicht glauben. Chefcoach Gimmy wirkt cool.
Frank Wieschalla kann es offenbar nicht glauben. Chefcoach Gimmy wirkt cool.
Was will man mehr machen ...
Was will man mehr machen ...
In der Tat hat die Mannschaft ihre Pflicht erfüllt und drei Punkte in Idar-Oberstein geholt. Einer hätte nich gereicht – der Abs
In der Tat hat die Mannschaft ihre Pflicht erfüllt und drei Punkte in Idar-Oberstein geholt. Einer hätte nich gereicht – der Abstieg wäre besiegelt gewesen. Hier wagen Steffen Straub, Vorbereiter zum 1:0, und Schütze Bastian Hommrich ein Tänzchen.
Der zweite Torschütze in Aktion: Noah Hannawald im Sprint mit Ball.
Der zweite Torschütze in Aktion: Noah Hannawald im Sprint mit Ball.
Schlüsselszene: Kurz nach der Pause verhindert Lu-Torwart Kevin Urban den Anschlusstreffer. Urban liegt zwar, der Ball aber ist
Schlüsselszene: Kurz nach der Pause verhindert Lu-Torwart Kevin Urban den Anschlusstreffer. Urban liegt zwar, der Ball aber ist gehalten und prallt gerade schon wieder zurück. Verschossen hat die SC-IO-Legende Alex Ricardo Xavier do Nascimento.
Machte ebenfalls sein letztes Spiel: Tim Amberger (weißes Trikot).
Machte ebenfalls sein letztes Spiel: Tim Amberger (weißes Trikot).
Am Ball: Yakub Polat.
Am Ball: Yakub Polat.
Mit ein Schlüssel zum Arminen-Erfolg: Idars Torjäger Florian Zimmer (in Grau, hier gegen Jhon Carabali) war weitgehend abgemelde
Mit ein Schlüssel zum Arminen-Erfolg: Idars Torjäger Florian Zimmer (in Grau, hier gegen Jhon Carabali) war weitgehend abgemeldet. Kevin Urban im Tor blieb eher unterbeschäftigt.
Im Vorwärtsgang: Yassin Memokoh. Er blieb glücklos.
Im Vorwärtsgang: Yassin Memokoh. Er blieb glücklos.
Bastian Hommrich machte sein Tor. Hier wird er bedrängt von Idars Philipp Schneider.
Bastian Hommrich machte sein Tor. Hier wird er bedrängt von Idars Philipp Schneider.
Aufregung beim Wechsel - ein Ärgernis. Marco Reich (zweiter von rechts) regte sich über das Schiri-Gespann auf. Mit Recht.
Aufregung beim Wechsel - ein Ärgernis. Marco Reich (zweiter von rechts) regte sich über das Schiri-Gespann auf. Mit Recht.
Letzter Einsatz: Ex-Profi Kevin Kraus (FCK). Der SC wollte den verdienstvollen Abwehrchef gebührend verabschieden. Kraus sollte
Letzter Einsatz: Ex-Profi Kevin Kraus (FCK). Der SC wollte den verdienstvollen Abwehrchef gebührend verabschieden. Kraus sollte ausgewechselt werden, auf die Haupttribüne zugehen und dort mit Ovationen bedacht werden.
Einer aber hatte was dagegen: Schiri Marco Niebergall (Homburg) verbot Kraus, das Feld in der Mitte zu verlassen. Als Kraus nich
Einer aber hatte was dagegen: Schiri Marco Niebergall (Homburg) verbot Kraus, das Feld in der Mitte zu verlassen. Als Kraus nicht an der Torlinie rauswollte, zückte der höchst wichtigtuerisch auftretende Schiri Gelb-Rot.
»Danke, Schiri«, höhnte der Stadionsprecher mehrfach. Marco Reich las ihm in der Pressekonferenz die Leviten. Gehört hat er es n
„Danke, Schiri“, höhnte der Stadionsprecher mehrfach. Marco Reich las ihm in der Pressekonferenz die Leviten. Gehört hat er es nicht.
Davon abgesehen, war es ein erfreulicher Nachmittag für die Rheingönheimer. Tim Amberger durfte noch mal an.
Davon abgesehen, war es ein erfreulicher Nachmittag für die Rheingönheimer. Tim Amberger durfte noch mal an.
Wer in der kommenden Saison noch dabei ist – und in welcher Liga – ist noch nicht ganz klar.
Wer in der kommenden Saison noch dabei ist – und in welcher Liga – ist noch nicht ganz klar.
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