Ludwigshafen „Nicht nur Shisha rauchen“

Gut vernetzt in der Stadt: Fazli Degirmenci.
Gut vernetzt in der Stadt: Fazli Degirmenci.
Ein Kalligrafie-Workshop steht demnächst an.
Ein Kalligrafie-Workshop steht demnächst an.
Fazli ist ein Frühstücksfreund. Zumindest nennt ihn der Autor dieser Zeilen und Teilnehmer des Männerfrühstücks so, das immer am ersten Montag im Monat in der protestantischen Lukaskirche in Süd stattfindet. Michael Köhl und Peter Runck decken dann dort den Tisch und bauen ein Frühstücksbuffet auf, nur für Männer. Köhl ist evangelischer Pfarrer und Runck Geschäftsführer des Internationalen Bauordens mit Sitz in der Schützenstraße. Immer wieder gehören auch der katholische Dekan Alban Meißner oder sein Kollege, Diakon Hubert Münchmeyer, zu den acht bis zwölf Männern, die den Tag mit einer kleinen Andacht beginnen. Auch Fazli Degirmenci, der Moslem, kommt regelmäßig. Wie kaum ein anderer Vertreter seines Glaubens ist er im Stadtleben gut vernetzt, steht Menschen zur Seite, legt Wert auf Integration durch Sprache und Bildung. Der 33-Jährige, in Ludwigshafen geboren und aufgewachsen, ist der Vorsitzende des Kulturzentrums „Fontäne“, das immer wieder mit Angeboten für die Bürger der Stadt überrascht. Für Mitte Juni ist ein vierstündiger Kalligrafie-Workshop anberaumt. „Die Renovierungsarbeiten hier im Haus hätten Profis in drei Tagen erledigt“, sagt Degirmenci bei einer Führung durch die Begegnungsstätte des Vereins in der Wredestraße 6. „Wir wollten die Räume aus eigenen Mitteln auf Vordermann bringen, haben dafür aber drei Wochen gebraucht.“ Sieben oder acht helle Zimmer, die schlicht möbliert sind, strahlen einladende Frische aus. Vor der Kommunalwahl fand im großen Besprechungszimmer eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der politischen Parteien und Gruppierungen statt. Weil Degirmenci keinen geeigneten Moderator gefunden hatte, waren zwei Abiturientinnen des Carl-Bosch-Gymnasiums eingesprungen – die Schule, in der er einst Schüler war. Der schlanke, hochgewachsene Ludwigshafener sagt: „Vor allem Jugendliche sollen nicht nur am Computer spielen, aufs Handy starren oder Shisha rauchen.“ Es stecke viel Potenzial in einem Menschen, „und wir möchten, dass jeder die eigenen Stärken entdeckt.“ Und dass jeder den anderen als Teil der Gesellschaft respektiere. Degirmenci ist verheiratet, hat in Fulda Soziale Arbeit studiert und sich in Bonn zum Anti-Gewalt-Trainer ausbilden lassen. Er spricht einwandfrei Deutsch. Etwas verwundert reagiert er auf die Frage, ob im Kulturzentrum auch Deutsch gesprochen wird. „Natürlich. Die Leute, die hier ein- und ausgehen, aber auch die Kursteilnehmer sollen Deutsch reden.“ Schließlich gehe es immer auch um Integration. Um Bildung. „Zunächst oft nur darum, dass Menschen, deren Muttersprache eine andere ist, sich hier beim Bäcker oder beim Arzt verständigen können.“ Natürlich, meint er, spielten Religionsunterschiede eine Rolle. Dieses Anderssein solle auch nicht verschwinden. Zusammen mit dem Frauennetzwerk Ela, der katholischen Pfarrei Heilige Petrus und Paulus hat „Fontäne“ Anfang Mai ein Fastenbrechen mit Christen organisiert. Degirmenci: „Dabei waren je 40 Gäste der Kirchengemeinde und des Kulturzentrums. Die Sitzordnung sah vor, dass an jedem Tisch unterschiedliche Religionen und Kulturen vertreten waren.“ Es sollten neue Bekanntschaften geschlossen werden, die Teilnehmer sollten „auf Augenhöhe ins Gespräch kommen“, damit Vorurteile verschwinden. Fazli Degirmenci, der in Mannheim als Sozialarbeiter tätig ist, stellt einen Mitarbeiter vor: Halil Özsaglam leitet das Kulturzentrum. Der 34-jährige Informatiker schwärmt von Kalligrafie. In der Kunst des Schönschreibens übe er sich immer wieder. Deshalb freue er sich auf den 15. Juni. Dann wird ein Dozent aus Heidelberg eine Gruppe Interessierter in jene stille Schriftkunst einführen, die Wörter in Bilder verwandelt. Fazli Degirmenci kann erst wieder beim Männerfrühstück im Juli dabei sein. Wegen Ramadan verzichtete er im Mai. Auch wird das nächste Treffen am 3. Juni wohl ohne ihn stattfinden, denn der Fastenmonat der Muslime endet erst einen Tag später. Interesse an Schönschrift? Zum Kalligrafie-Kurs in der Wredestraße 6 am 15. Juni, 10 Uhr, sollte man sich anmelden: fontaenekulturzentrum@gmail.com; Telefon 0621/54569328 .