Ludwigshafen Neues Spielfeld für Nationalkicker

Anfangs saß er auf der Ersatzspielerbank: Der ehemalige Nationalspieler Thomas Müller – hier in Brasilien 2014 – beschreibt sein
Anfangs saß er auf der Ersatzspielerbank: Der ehemalige Nationalspieler Thomas Müller – hier in Brasilien 2014 – beschreibt seinen Weg in einem Buch für Leseanfänger.

Thomas Müller, abgeschossener Fußballer vom FC Bayern München und Teil des Weltmeisterschaftskaders 2014, hat eine neue Aufgabe. Die Stiftung Lesen hat ihn als einen ihrer Lesebotschafter benannt. Und auch sein Kinderbuch „Mein Weg in die Startelf“ wird bestimmt demnächst durchstarten. Erst einmal dominiert jedoch das neue Buch der Shades-of-Grey-Autorin E. L. James die „Spiegel“ Bestsellerliste – eine Liebesgeschichte. Hier in den Buchhandlungen interessieren sich die Leser allerdings für eine andere Form von Glück.

„Nur wer lesen kann, kann auch in allen Bereichen mitspielen“, kommentiert der frischgebackene Werbeträger Thomas Müller seinen Seitenwechsel. Und zum Motiv seines Einsatzes auf einem neuen Spielfeld sagte er: „Die Kinder wachsen heutzutage mit mehr Medieneinflüssen auf als ich in meiner Kindheit, sodass das Lesen wohl manchmal etwas stiefmütterlich behandelt wird.“ Fast gleichzeitig mit der Bekanntgabe seiner neuen Aufgabe ist das für Leseanfänger bestimmte Kinderbuch „Mein Weg in die Startelf“ erschienen, an dem der Fußballer mitgeschrieben hat und in dem er von seinen frühen Jahren beim FC Bayern München erzählt. Damals saß er anfangs auf der Ersatzspielerbank, trainierte und trainierte, ehrgeizig wie er ist. Diesem Buch vorangegangen war schon „Mein Weg zum Traumverein“. Darin erinnerte er sich an seine allerfrühesten Jahre in seinem Heimatdorf, dem oberbayrischen Weilheim, als er Tor auf Tor schoss. Müllers Teilnahme mit seinen Memoiren am deutschlandweiten Vorlesetag im Herbst und somit als Werbeträger in eigener Sache steht jetzt schon fest. Gute Taten wie ein Engagement für die Stiftung Lesen sind eben selten völlig uneigennützig. Aber der Fußball ist ja inzwischen ohnehin ein einziges Geschäft geworden. Literatur zwischen Konservendosen im Discounter Vermutlich ist Thomas Müllers Werbung für die Stiftung Lesen auch nicht einseitig, sondern „eine echte Win-Win-Situation“, wie es so schön auf Neudeutsch heißt. Schon seit geraumer Zeit unterstützt die Mainzer Organisation, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, nämlich den Lebensmitteldiscounter Aldi bei Verkaufsaktionen von Kinder- und Jugendbüchern, womit sie den Unmut vieler Buchhändler auf sich gezogen hat. Thomas Müllers Kinderbücher dürften also wohl bald bei Aldi zwischen Konservendosen, Margarinebechern, Senftuben und Würstchengläsern in einem Bücherregal zu finden sein. Wir aber sind schon ein wenig „perplex“ und auch „sauer“, ganz so wie es Thomas Müller war, als Bundestrainer Joachim Löw im März überraschend bekanntgegeben hatte, dass Thomas Müller nicht mehr in der Nationalmannschaft aufgestellt werde. Denn welche anderen „Medieneinflüsse“, denen Kinder heutzutage ausgesetzt seien und die ihnen das Lesen verleiden, kann er nur gemeint haben. Etwa das Fernsehen? Das Internet jedenfalls nicht, denn die Stiftung Lesen macht keine großen Unterschiede zwischen Buch und Internet. „Gelesen wird auch im Internet“, heißt es in deren Verlautbarungen und weiter: Lesen sei mehr als nur Bücherlesen, auch in digitalen Medien wie auf dem Smartphone werde ja gelesen. Dass Lesen nicht gleich Lesen ist, haben dagegen Untersuchungen ergeben. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass im Internet hastiger, sprunghafter, unkonzentrierter, also oberflächlicher gelesen wird. Auch ist es übrigens nicht völlig gleichgültig, was für Bücher man liest, denn Buch ist auch nicht gleich Buch. So heimatverbunden sind die Pfälzer Dreimal Platz eins. Im April hat Katja Edelmann in gleich drei Buchhandlungen der Rhein-Neckar-Region mit „Glücksorte in der Pfalz“ an der Spitze gelegen. Zwar dürfte die Platzierung nicht exakt die Verkaufszahlen widerspiegeln, denn in den verkaufsstarken Thalia Buchhandlungen in Ludwigshafen und Mannheim kam sie nicht unter die ersten Fünf. Dennoch ist das Käuferinteresse beachtlich und zeugt wieder einmal von der starken Heimatverbundenheit der Pfälzer. Eines der meistgelesenen – oder zumindest meistgekauften Bücher – nach der Bibel ist „Fifty Shades of Grey“. Jetzt ist nach jahrelanger Pause ein neuer Roman von E. L. James, der Autorin des Softpornos, dessen drei Teile 150 Millionen Mal verkauft wurden und dessen Verfilmung 1,3 Milliarden Dollar an der Kinokasse eingebracht hat, erschienen. „The Mister“ nun schoss gleich auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste. Sadomaso spielt darin keine Rolle, aber die Liebesgeschichte zwischen einem englischen Adligen und seiner albanischen Putzfrau hat schon einen starken Beigeschmack nach Aufgewärmtem. Ein neuer Asterix-Band ist für den 24. Oktober angekündigt. Er wird „Die Tochter des Vercingetorix“ heißen und soll am 60. Geburtstag des ersten Asterix-Bandes in Frankreich und am 30. Geburtstag des Asterix-Freizeitparks bei Paris erscheinen.

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