Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Rathaus: Zentraler Standort noch nicht in trockenen Tüchern

Eingesrüstet: die „Ludwigstürme“ in der Ernst-Boehe-Straße.
Eingesrüstet: die »Ludwigstürme« in der Ernst-Boehe-Straße.

Ein Investor, zwei Standorte: Nachdem das alte Rathaus abgerissen ist, soll die Stadtverwaltung künftig in zwei neuen Komplexen arbeiten. Doch es gibt noch Gesprächsbedarf.

Die Politik ist sich eigentlich einig: Das neue zentrale Rathaus soll nach dem Willen des Stadtrats in sechs der sieben Etagen des „Palatineo“ am Berliner Platz einziehen, das ehemalige Postbankgebäude in der Ernst-Boehe-Straße („Ludwigstürme“) bis Ende 2027 zum zweiten Standort für die Verwaltung umgebaut werden. Investor ist jeweils die Freiburger Unmüßig-Gruppe.

Doch während im Technologiepark die Sanierung sichtbar voranschreitet und die Verträge längst unterzeichnet sind, gibt es für den zentralen Rathausstandort in der geplanten Innenstadt-Immobilie noch Gesprächsbedarf. Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) verbreitet zwar Zuversicht und sagt: „Wir stehen in finalen Verhandlungen mit Unmüßig.“ Der Berliner Platz sei zweifellos der richtige Standort für ein zentrales Rathaus. Aber eben nicht um jeden Preis, wie Blettner betont. „Der erste Vertragsentwurf war sehr, sehr vermieterfreundlich.“

Was er damit meint, sind nicht unbedingt die von Unmüßig ab 2029 geforderten monatlichen Mietkosten von satten 290.000 Euro, sondern zum Beispiel die Laufzeit von 30 Jahren bis 2059. Unterm Strich würde das Gesamtpaket die Stadt in diesem Fall um die 100 Millionen Euro kosten. „Die absolute Miete ist das eine. Die ist für Gebäude in dieser Größenordnung im Übrigen gar nicht mal so marktunüblich. Die viel wichtigeren Parameter sind Mietdynamik und Laufzeit. Da sind wir auf einem guten Weg. Uns allen ist bewusst: Wir müssen sorgsam wirtschaften“, erläutert Blettner im RHEINPFALZ-Interview.

Sollte ein Kompromiss erzielt werden, dann könnte sich das zentrale Rathaus in den sechs oberen „Palatineo“-Etagen auf 9000 Quadratmeter Nutzfläche ausbreiten. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss wurde vor einem Jahr im Stadtrat gefasst.

Baugenehmigung liegt vor

Laut Willi Bierwagen, Projektmanager bei Unmüßig, liegt die Baugenehmigung für das 70-Millionen-Euro-Projekt seit August vor. Sobald die Verhandlungen abgeschlossen und die Verträge unterzeichnet seien, könne die Ausschreibung für den Generalunternehmer starten. „Vorausgesetzt, die erforderliche Vorvermietungsquote wird erreicht“, so Bierwagen, könnten die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Anschließend folge die detaillierte Ausführungsplanung. Zwei bis drei Jahre später könnte das „Palatineo“ dann stehen.

Baustelle mit „Palatineo“-Plakat am Berliner Platz.
Baustelle mit »Palatineo«-Plakat am Berliner Platz.

Bereits im September 2027 sollen die Arbeiten für die „Ludwigstürme“ abgeschlossen sein. Dort sollen 580, auf insgesamt 830 Verwaltungsmitarbeiter aufgeteilte Arbeitsplätze entstehen. In den Umbau des ehemaligen Postbankgebäudes steckt die Unmüßig-Gruppe einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Es geht um 16.000 Quadratmeter reine Bürofläche, verteilt auf acht Etagen. Die 30 Meter hohen Türme auf Mundenheimer Gemarkung hat die 100 Mitarbeiter zählende Firma aus Freiburg in Gänze an die Stadt vermietet – mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Umzug kostet 910.000 Euro

Der Umzug soll bis Ende 2027 über die Bühne gehen. Der städtische Bauausschuss hat jetzt den Bereich Gebäudewirtschaft damit beauftragt, den Umzug einzuleiten. Die Kosten belaufen sich laut Verwaltung auf 910.000 Euro. 425.000 Euro sind fürs Umzugsmanagement fällig, 390.000 Euro für Speditions- und Umzugsleistungen, 95.000 Euro für ein Leit- und Orientierungssystem, denn vor allem im Erdgeschoss, wo die Kfz-Zulassung einziehen soll, wird mit viel Publikumsverkehr gerechnet.

Neben der energetischen Sanierung der Fassade sowie der Erneuerung der Technik geht es in dem 1973 errichteten Haus, das übergangsweise die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft (HWG) nutzte, insbesondere um den Ausbau der Büroflächen nach konkreten Vorgaben der Stadt. Das heißt: Ideen aus dem mit der benachbarten HWG entwickelten Modell „Arbeitsplatz der Zukunft“ sollen dort konsequent umgesetzt werden.

Auf der Hinterseite des Hauses, das komplett entkernt wird, sollen 300 Pkw-Parkplätze samt E-Ladesäulen entstehen, auf den Dächern viele Photovoltaikanlagen platziert, 600 Fenster und etliche zu schmale Türen sollen ausgetauscht werden – auch wegen strenger Brandschutzauflagen.

Zur Sache: Die beiden Großprojekte

Der vom Schweizer Star-Architekten Max Dudler stammende Entwurf für das „Palatineo“ sieht drei abgestufte Flügel mit einmal fünf, einmal sechs und einmal sieben Stockwerken vor, die sich zum Berliner Platz hin öffnen und einen großen Innenhof mit begrünter Fassade umschließen sollen.

Anders als der vormalige Investor Günther Tetzner (Timon-Bau, Ettlingen) will der Freiburger Investor Hans-Peter Unmüßig ein Ensemble entwickeln, „das sich gut in die Umgebung einfügt und sich deren Architektur anpasst“: maximal sieben statt 20 Stockwerke, nur 12.000 statt 25.000 Quadratmeter Nutzfläche, Klinkerfassade statt Glasoptik. „Ein Glashaus kann man in Frankfurt bauen, aber nicht in Ludwigshafen. Hier gibt es eine andere städtebauliche Grundidee“, betont Unmüßig.

Gastronomie und Einzelhandel sollen die Erdgeschosslagen dominieren. Die Passage zum Ankerhof soll zur „Gasse der Zukunft“, das Areal am Haupteingang zum „Platz der Begegnung“ werden. Unterhalb des Innenhofs soll ein Supermarkt einziehen. Die Bäckerei Görtz will im „Palatineo“ auf rund 130 Quadratmetern ein Café eröffnen. Das Investitionsvolumen für den Komplex beziffert die Unmüßig-Gruppe mit 70 Millionen Euro. Die Baugenehmigung liegt vor, 2028/29 könnte der Komplex bezugsfertig sein, so der Investor. In sechs von sieben Etagen könnte der zentrale Standort für ein Rathaus einziehen. Die Verhandlungen dazu laufen noch.

Das Freiburger Unternehmen (100 Mitarbeiter, davon 50 in der Projektentwicklung) hat bereits das ehemalige Postbankgebäude im Technologiepark gekauft. In den sogenannten Ludwigstürmen in der Ernst-Boehe-Straße sollen 580 moderne Arbeitsplätze für die Verwaltung entstehen. Mit einer Laufzeit von 20 Jahren hat die Stadt die Türme gemietet. In das Gebäude – 16.000 Quadratmeter Bürofläche, verteilt auf acht Etagen – sollen die ersten Mitarbeiter ab Herbst bis Ende 2027 einziehen.

Dienststellen der Verwaltung, die bisher über das Stadtgebiet verteilt sind, sollen dort gebündelt, Ideen aus dem Modernisierungsprojekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ möglichst eins zu eins umgesetzt werden.

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