Ludwigshafen
Neues Rathaus in LU: Investor setzt Stadt Pistole auf die Brust
Bis Ende Mai soll sich die Stadt entscheiden, ob der Berliner Platz für sie als zentraler Rathausstandort in Frage kommt. „Ansonsten werden wir andere Pläne verfolgen“, kündigt Investor Hans-Peter Unmüßig, Chef der Freiburger Unmüßig-Gruppe, im RHEINPFALZ-Gespräch an.
Der Grundsatzbeschluss des Stadtrats steht seit einem Jahr. Demnach soll die Stadt – falls die Konditionen stimmen – möglichst die sechs oberen der insgesamt sieben Etagen des von Unmüßig für 70 Millionen Euro am Berliner Platz geplanten „Palatineo“-Komplexes beziehen (9000 Quadratmeter Nutzfläche). Die Baugenehmigung liegt bereits seit Ende August vor. Doch seither stockt der Prozess.
Das Unternehmen will Klarheit
Unmüßig will nun Klarheit, um die Vermarktung gezielt voranzutreiben. Flächen im Unter- und Erdgeschoss seien bereits vermietet, sagt der Mittsiebziger: an die Supermarktkette Rewe, an die Drogeriemarktkette „dm“ sowie an Bäcker Görtz, der dort ein Bäckerei-Café eröffnen will. Auch einen Restaurantbetreiber habe er an der Angel, versichert Unmüßig.
Reges Interesse, etwa von Softwarefirmen oder Rechtsanwälten, gebe es auch an Büros in den oberen Stockwerken – sollte die Stadt einen Rückzieher machen. Für sein Unternehmen gehe es vor dem Baustart ganz konkret darum, ob am Berliner Platz ein eher monostrukturelles Haus für eine Verwaltung oder alternativ ein „Multi-Tenant-Gebäude“ entstehen soll, also eine gewerbliche Immobilie, die gleichzeitig von mehreren unabhängigen Mietern genutzt wird. „Für mich ist die Deadline Ende Mai“, sagt Investor Unmüßig in Richtung Stadtspitze. „Dann muss klar sein, ob es links oder rechts rum geht.“
Das sagt der OB
Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) sagte zuletzt: „Wir stehen in finalen Verhandlungen.“ Er betonte aber auch: „Der erste Vertragsentwurf war sehr, sehr vermieterfreundlich.“ Was er damit meint, sind nicht unbedingt die von Unmüßig ab 2029 geforderten monatlichen Mietkosten von satten 290.000 Euro, sondern etwa die von Unmüßig gewünschte Laufzeit des Mietvertrags von 30 Jahren bis 2059. Unterm Strich würde das Gesamtpaket die Stadt in diesem Fall gut 100 Millionen Euro kosten.
„Die absolute Miete ist das eine. Die viel wichtigeren Parameter sind Mietdynamik und Laufzeit. Da sind wir auf einem guten Weg. Uns allen ist bewusst: Wir müssen sorgsam wirtschaften“, sagt Blettner.
Unmüßig hält dagegen: „Wir brauchen eine Laufzeit von 30 Jahren, sonst finanziert uns das keine Bank. Wir können das Gebäude ja nicht schon nach 20 Jahren einfach wieder umbauen.“
Zur Sache: Die Unmüßig-Großprojekte
Der vom Schweizer Star-Architekten Max Dudler stammende Entwurf für das „Palatineo“ sieht drei abgestufte Flügel mit einmal fünf, einmal sechs und einmal sieben Stockwerken vor, die sich zum Berliner Platz hin öffnen und einen großen Innenhof mit begrünter Fassade umschließen sollen.
Anders als der vormalige Investor Günther Tetzner (Timon-Bau, Ettlingen) will der Freiburger Investor Hans-Peter Unmüßig ein Ensemble entwickeln, „das sich gut in die Umgebung einfügt und sich deren Architektur anpasst“: maximal sieben statt 20 Stockwerke, nur 12.000 statt 25.000 Quadratmeter Nutzfläche, Klinkerfassade statt Glasoptik. „Ein Glashaus kann man in Frankfurt bauen, aber nicht in Ludwigshafen. Hier gibt es eine andere städtebauliche Grundidee“, betont Unmüßig.
Gastronomie und Einzelhandel sollen die Erdgeschosslagen dominieren. Die Passage zum Ankerhof soll zur „Gasse der Zukunft“, das Areal am Haupteingang zum „Platz der Begegnung“ werden. Unterhalb des Innenhofs soll ein Supermarkt einziehen. Die Bäckerei Görtz will im „Palatineo“ auf rund 130 Quadratmetern ein Café eröffnen. Das Investitionsvolumen für den Komplex beziffert die Unmüßig-Gruppe mit 70 Millionen Euro. Die Baugenehmigung liegt vor, 2028/29 könnte der Komplex bezugsfertig sein, so der Investor. In sechs von sieben Etagen könnte der zentrale Standort für ein Rathaus einziehen. Die Verhandlungen dazu laufen noch.
„Die Ludwigstürme“
Das Freiburger Unternehmen (100 Mitarbeiter, davon 50 in der Projektentwicklung) hat bereits das ehemalige Postbankgebäude im Technologiepark gekauft. In den sogenannten Ludwigstürmen in der Ernst-Boehe-Straße sollen 580 moderne Arbeitsplätze für 830 Verwaltungsmitarbeiter entstehen. Mit einer Laufzeit von 20 Jahren hat die Stadt die Türme gemietet. In das Gebäude – 16.000 Quadratmeter Bürofläche, verteilt auf acht Etagen – sollen die ersten Mitarbeiter ab Herbst bis Ende 2027 einziehen. Dienststellen der Verwaltung, die bisher über das Stadtgebiet verteilt sind, sollen dort gebündelt, Ideen aus dem Modernisierungsprojekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ möglichst eins zu eins umgesetzt werden.