Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neue-Energie-Gesellschaft: Geburtstagsfeier mit Erweiterung

Sinnvoll: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Mutterstadter Kreisbads liefert dem Aquabella grünen Strom.
Sinnvoll: Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Mutterstadter Kreisbads liefert dem Aquabella grünen Strom.

Seit zehn Jahren gibt es die Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis GmbH. Jetzt sind fünf neue Kommunen dabei. Ein Großprojekt hat man schon ins Auge gefasst.

Wie bekommt man Strom, ohne dabei Kohlendioxid (CO2) zu produzieren? Das ist eine der großen Fragen inmitten der Energiewende. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat vor zehn Jahren versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Am 15. Dezember 2015 unterschrieben der damalige Landrat Clemens Körner (CDU) und Vertreter der Pfalzwerke den Gesellschaftervertrag für die Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis GmbH.

Der Fokus liegt auf dem Bau von Photovoltaikanlagen. Sechs davon sind mittlerweile in Betrieb genommen worden. Diese liefern zusammen laut Sascha Dechert, Experte Erzeugung bei den Pfalzwerken und einer der beiden Geschäftsführer der GmbH, 454.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die neueste Anlage, die die Gesellschaft in Betrieb genommen hat, ist die auf dem Dach der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof. Sie liefert laut Sascha Dechert 89 Kilowatt-Peak. Insgesamt hat man rund eine halbe Million Euro investiert.

Der zweite Geschäftsführer ist seit Sommer Frank Juchem, Leiter der Bauabteilung bei der Kreisverwaltung. „Für die Kommunen ist es interessant wegen des Know-hows“, sagt er. Die Gesellschaft prüfe die Statik der betreffenden Fläche. Den Rest erledigten die Pfalzwerke. Am Ende beziehe man vergünstigten Strom. Laut Dechert verkauft die Gesellschaft verbilligten Strom an den Kreis. Die GmbH betreibe die Anlagen und erstelle die entsprechenden Rechnungen.

Besonders interessant ist das für den Kreis bei eigenen Liegenschaften, wie zum Beispiel den Hallenbädern. Diese brauchen naturgemäß viel Strom, etwa für den Betrieb der Pumpen oder der Saunen. „Die Anlagen rechnen sich schnell“, sagt Dechert. 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs des jeweiligen Schwimmbads werde über die PV-Anlage abgedeckt, so beim Aquabella in Mutterstadt oder beim Heidespaß in Maxdorf/Lambsheim.

Rechtzeitig zum zehnten Geburtstag wird die Gesellschaft erweitert. Neue Anteilseigner sind jetzt die Gemeinden Böhl-Iggelheim, Limburgerhof und Mutterstadt sowie die beiden Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim und Maxdorf. Sie alle übernehmen laut Dechert jeweils vier Prozent der Anteile der Gesellschaft, wobei ein Prozentpunkt jeweils 8000 Euro koste. Im Gegenzug geben sowohl der Kreis als auch die Pfalzwerke je zehn Prozent ihrer Anteile ab.

„Wir hoffen, dass wir weitere PV-Anlagen auf kommunalen Liegenschaften bauen können“, sagt Sascha Dechert. Und Sabine Hörrmann, Abteilungsleiterin Erzeugung bei den Pfalzwerken, ergänzt: „Wir stellen das Fundament auf eine breitere Basis, indem wir die Kommunen, die Interesse haben, dazuholen.“ Bereits vor zehn Jahren, also bei der Gründung, habe man bei den Gemeinden abgefragt, ob Interesse an einer Beteiligung an der Gesellschaft bestünde, erzählt Dechert. Damals sei das allerdings auf wenig Interesse gestoßen. „Jetzt haben wir gedacht, wir fragen noch mal. Zumal wir beweisen konnten, dass die GmbH sehr gut geht.“

Man habe alle Gemeinden angefragt, bekräftigt Hörrmann. Am Ende gebe es Gründe, warum es „nur“ diese fünf Kommunen seien, die neu zur Gesellschaft dazukämen. Eine Möglichkeit sei etwa, dass die Kommune einen eigenen Stromversorger an der Hand habe, wie zum Beispiel die Stadt Schifferstadt mit den Stadtwerken. Das schließe allerdings nicht aus, dass nicht vielleicht doch irgendwann mal auf Projektebene zusammengearbeitet werden könne.

Vor zehn Jahren sei der Eigenverbrauch bei PV-Anlagen noch nicht so im Fokus gewesen, sagt Hörrmann mit Blick auf die Gründung der Gesellschaft. Der Impuls zu deren Gründung sei damals auch ein ganz anderer gewesen. „Wir waren in Kontakt mit der Friedelsheimer Gruppe wegen einer Biogasanlage. Das hatte sich zwar schnell erledigt. Die Gespräche gingen aber weiter.“ Schließlich habe man sich auf Photovoltaik konzentriert.

Bei all den Anlagen sei selbstverständlich die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Hallenbäder und Kläranlagen seien quasi Selbstläufer, meint Dechert. Heißt: Das sind Liegenschaften mit einem sehr hohen Energieverbrauch, bei denen sich eine Anlage automatisch rechnet. Das könnte man auch bei Schulen meinen. Doch Dechert gibt zu bedenken, dass diese ja im Sommer sechs Wochen lang geschlossen seien. „Da darf man das Dach nicht automatisch voll belegen.“

Und doch soll eins der nächsten Projekte der GmbH richtig groß werden und eine Schule beinhalten. Besser gesagt: das Maxdorfer Schulzentrum. Dort will die Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis GmbH eine Anlage installieren, die von der Leistung her die Größe von allen bisherigen Anlagen zusammen hat. Der Hintergrund: „Wir verfolgen die Idee eines Strombilanzkreises. Es sollen auch kommunale Liegenschaften im Umkreis von der Anlage profitieren“, erklärt Dechert. Als Grenze habe man einen Umkreis von vier Kilometern. Das heißt, dass perspektivisch nicht nur die geplanten Wärmepumpen für das Schulzentrum betrieben werden können, sondern dass zum Beispiel auch weiterer Strom ans Heidespaß abgegeben werden kann.

„Wir wollen so aufgestellt sein, um auf Änderungen in fünf, zehn Jahren reagieren zu können“, sagt Sabine Hörrmann mit Verweis auf eine stets im Wandel befindliche Energiewirtschaft. Nach der Unterzeichnung der Aufnahme der neuen Anteilseigner der Gesellschaft wolle man diesen mal einen Besuch abstatten, meint Frank Juchem. Selbstverständlich habe er schon Kontakte in die Bauabteilungen der betroffenen Kommunen. „Wir wollen uns unterhalten und durchsprechen, was möglich ist.“ Das heißt: Man will eruieren, welche kommunalen Liegenschaften für weitere PV-Anlagen in Betracht kommen. Eine hat Sascha Dechert bereits im Auge: „Das Haus der Musik in Fußgönheim. Da ist der Verbrauch gegeben.“

Sabine Hörrmann ist von der Zukunftsfähigkeit der Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis überzeugt: „Ohne Kooperation wird in Zukunft wenig gehen. Jetzt haben wir das Projekt auf die nächste Ebene gehoben.“

Das bislang neueste Projekt der Gesellschaft: die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Rudolf-Wihr-Realschule in Limburgerhof.
Das bislang neueste Projekt der Gesellschaft: die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Rudolf-Wihr-Realschule in Limburgerhof.
Geschafft: Pfalzwerke-Vorstand Holger Birl, André Voges, Thorsten Leva, Michael Reith, Landrat Volker Knörr, Sabine Hörrmann, Ka
Geschafft: Pfalzwerke-Vorstand Holger Birl, André Voges, Thorsten Leva, Michael Reith, Landrat Volker Knörr, Sabine Hörrmann, Karl-Heinz Hasenstab, Andreas Poignée, Sascha Dechert und Frank Juchem haben die Erweiterung der Neue Energie Rhein-Pfalz-Kreis GmbH besiegelt.
x