Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Bleibe erwartet sechs junge Flüchtlinge

Geschäftsführer Christoph Andes und Erziehungsleiter Andreas Deflize von der Jugendhilfe in einem der nagelneuen Doppelzimmer.
Geschäftsführer Christoph Andes und Erziehungsleiter Andreas Deflize von der Jugendhilfe in einem der nagelneuen Doppelzimmer.

Die Stadt ist in der Lage, kommende Woche sechs Teenager unterzubringen, die aus Syrien geflohen sind. Zu verdanken hat sie die von Grund auf sanierte Unterkunft in Friesenheim dem Verein für Jugendhilfe, der die Jugendlichen begleiten wird.

Dieser freie Träger wollte im Sommer vorigen Jahres seinen Beitrag leisten, als sich auch Ludwigshafen darauf einstellte, vermehrt und spontan Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. In den ersten Kriegsmonaten stand zu befürchten, dass sich ein Strom von Müttern mit Kindern auf den Weg in ein sicheres europäisches Land machen oder zumindest die Kinder dort in Sicherheit bringen würde. In der Stadt musste bis auf eine Ausnahme kein im Amtsdeutsch sogenannter unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender untergebracht werden, berichtete Jugendamtsleiter Lars Heene. Vielmehr hätten sie privat bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können.

Die Jugendhilfe hat dennoch an dem Hilfsprojekt festgehalten. Das Haus in der Friedrich-Profit-Straße, das der eingetragene Verein einer Privatperson abgekauft hat, öffnet sie in der kommenden Woche für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Die Betriebserlaubnis des Landes liegt vor, Heene hat sich als offizieller Vormund der Jungen am Donnerstag einen positiven Eindruck verschafft. Damit können ab Montag die sechs Teenager einziehen, die das Land der Stadt zur Betreuung zugewiesen hat.

Nach ihrer Flucht und der Erstaufnahme fangen sie einmal mehr bei Null an, werden dabei allerdings nicht alleingelassen. Ihre Betreuer von der Jugendhilfe, die von Erziehungsleiter Andreas Deflize koordiniert werden, haben in den vergangenen fünf Monaten alles hergerichtet für eine freundliche Begrüßung. Zwei große Doppelzimmer und drei Einzelzimmer sind auf zwei Etagen in warmen Braun- und Cremetönen ausgestattet worden.

Dafür haben die Handwerker im vergangenen Halbjahr so gut wie keinen Stein auf dem anderen gelassen. Mit Durchbrüchen sind die Wohnräume vergrößert worden, die Elektrik wurde komplett erneuert, der Boden neu verlegt, eine Gemeinschaftsküche eingebaut, alle Fenster energetisch saniert. „Außer den Bädern haben wir das Haus grundsaniert“, berichtete Jugendhilfe-Geschäftsführer Christoph Andes beim Ortstermin. Geblieben ist auch eine Kletterwand an der Außenfassade, ein Fitnessraum ist in Planung – Möglichkeiten für sportliche Betätigung, für die Heranwachsende nicht minder dankbar sein dürften wie für die schicke Innenausstattung.

Nicht nur ein freundliches Ambiente erwartet die Neuankömmlinge. In der sogenannten Verselbstständigungsstufe I werden sie auch intensiv pädagogisch und therapeutisch betreut. Das bedeutet, tagsüber nehmen fünf Mitarbeiter der Jugendhilfe sie bei der Integration an die Hand, verbringen den größten Teil des Alltags mit ihnen. Das beginnt beim Einleben in die neue Umgebung, geht über die Eigenversorgung im Haushalt und reicht bis zur Suche nach einer geeigneten Schule oder einem Anbieter von Deutschkursen. Einen Teil der Betreuer, die auch kulturspezifische Erfahrungen haben, sind eigens für dieses neue Projekt der Jugendhilfe eingestellt worden, informierte Hausleiter Oliver Fischer.

Im Frühjahr sollen die Nachbarn zu einem Hoffest eingeladen werden. Auf Vorbehalte sind Andes und sein Team im Vorfeld nicht gestoßen. Im Gegenteil: „Wir haben bereits positive Erfahrungen mit solchen Wohngruppen gesammelt, auch in Friesenheim in der Spatenstraße“. Minderjährige Asylsuchende stammten oft aus einem stabilen Elternhaus, würden etwa die Einkaufstüten an sich nehmen, damit Frauen diese nicht schleppen müssten.

Über die Höhe der Investitionen machte Andes keine Angaben. Sie bereiteten ihm aber keine schlaflosen Nächte. Sie werden refinanziert durch Zuschüsse der Stadt für die Dienstleistungen. Leerstehen wird die neueste Immobilie der Jugendhilfe jedenfalls nicht. Sollte sie nicht mehr für die jungen Bewohner aus Syrien gebraucht werden, könnten Gäste von einem anderen verzichtbaren Standort in die schmucke Bleibe in Friesenheim umziehen.

Doppelpass mit vier freien Trägern

44 minderjährige Flüchtlinge in der Stadt untergebracht

Laut Jugendamtsleiter Lars Heene kennen sich die sechs neuen Bewohner des Hauses des Ludwigshafener Vereins für Jugendhilfe in der Friedrich-Profit-Straße noch nicht näher. Sie sind der Stadt vom Land zur altersgerechten Unterbringung und pädagogisch-therapeutischen Begleitung zugewiesen worden. Für diese komplexe Aufgabe kooperiert seine Behörde auch mit freien Trägern. Das sind neben der Jugendhilfe die Ökumenische Fördergemeinschaft, das St. Annastiftskrankenhaus und das Institut Lern-Planet.

Aktuell werden in Ludwigshafen mit den Neuankömmlingen 44 so genannte unbegleitete minderjährige Asylsuchende (umAs) untergebracht sein. Die meisten sind aus Syrien, Afghanistan und der Türkei geflohen. Sie werden von der Erstaufnahmestelle im Landkreis Mainz-Bingen nach einem Schlüssel auf die Kommunen im Land verteilt.

Verlängerung möglich

Die neuen Bewohner in Friesenheim sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Sobald sie volljährig sind, steht es ihnen frei, ihre Existenz eigenständig aufzubauen oder gegen eine entsprechende Kostenbeteiligung bis zum 21. Geburtstag in der Unterkunft zu bleiben. „In der Regel werden die Hilfen über die Volljährigkeit in Anspruch genommen“, berichtet Heene aus der Praxis.

Die Jugendhilfe macht an mehreren Standorten in der Stadt und im Rhein-Pfalz-Kreis nicht nur gestaffelte stationäre wie ambulante Wohnangebote. Darüber hinaus betreut der Verein Schwangere und Mütter mit Kindern und bietet diverse Trainings, Seminare, Mediationen, Integrationshilfen, sozialpädagogische Familienhilfen und Erziehungsbeistand an.

Die meisten minderjährigen Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei.
Die meisten minderjährigen Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei.
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