Ludwigshafen Neu im Kino:

Nanu, was ist denn da los? Nachdem Julie Delpy in der Fortsetzungskomödie „Zwei Tage in New York“ von Paris an den „Big Apple“ gezogen ist, tut es nun auch Xavier, der kosmopolitische Held der Zeitgeist-Komödien „Barcelona für ein Jahr“ und „Wiedersehen in St. Petersburg“. Xaviers Frau Wendy, mit der er zwei Kinder hat, trennt sich von ihm, um zu ihrem neuen Lover nach New York überzusiedeln. Xavier, der eher erfolglose Schriftsteller, zieht ihr hinterher, um nicht die Kinder aus den Augen zu verlieren. In New York wohnt aber auch seine alte Freundin Isabelle, eine lebenslustige Lesbe und Wallstreet-Bankerin. Auch Xaviers alte Flamme Martine ist als alleinerziehende Geschäftsfrau auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen. Probleme mit der Wohnungssuche, der Aufenthaltsgenehmigung, seine Funktion als Samenspender für Isabelles Wunschkind, eine Scheinehe und nicht zuletzt der Versuch, einen Roman zu schreiben, bringen den etwas luschigen Helden ins rotieren. Das Leben ist eine Baustelle: mit originellen Einschüben – zum Beispiel Zwiegespräche mit den Philosophen Hegel und Schopenhauer – versucht sich der Lebenskünstler einmal mehr einen Reim auf alles zu machen. Doch so nett für den Zuschauer die Wiederbegegnung mit Xaviers Freunden aus der Erasmus-WG in „Barcelona für ein Jahr“ ist, so gerät die Fortsetzung doch insgesamt wenig prickelnd. Vieles wirkt allzu konstruiert, und Xavier selbst nervt durch Selbstverliebtheit. (chy) In einem Hotel an der Ostsee tritt Masseur Clemens seine erste Stelle an. Im Fahrstuhl begegnet er Lara, die zur Köchin ausgebildet wird, die etwas zu oft ins Glas schaut und überhaupt ziemlich wild ist. Im Gegensatz zu dem sanften Clemens, der auf Ayurveda steht. Der eine knetet Speckröllchen, die andere packt Steaks in die Pfanne. Trotz oder wegen dieser Gegensätze beginnen die beiden zu turteln. Die Independent-Tragikomödie, ohne Fördermittel und, abgesehen von den Hauptdarstellern, mit den realen Angestellten eines Wellnesshotels in Ahrenshoop gedreht, löste bei Cineasten großen Jubel aus. Die schräge Romanze entstand mitten im laufenden Betrieb, mit improvisierten Dialogen und unter Verzicht auf Kunstlicht, Make-up und eine traditionelle Dramaturgie. „Fogma“ nennt Debütregisseur Jakob Lass diesen Stil: eine Weiterentwicklung des asketischen dänischen „Dogma“-Filmstils, wobei das F für Freiheit steht. So ganz schlau wird man nicht aus seinem Manifest. Doch der Film besticht durch Unmittelbarkeit, Rauheit, dramatisch-burleske Momente - und eine stets spürbare Spielfreude. Auf Filmfestivals räumte der Film massenhaft Preise ab, darunter den Max-Ophüls-Preis des Saarbrücker Filmfestivals sowie in allen vier Kategorien die Nachwuchspreise des Münchner Filmfests. (chy)